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Wächter der Nacht (2004)
Eine Kritik von Hey_Yo (Bewertung des Films: 3/10) eingetragen am 30.09.2005, seitdem 1513 Mal gelesen
Der erfolgreichste Film in Russland aus dem eigenen Land - Halleluja, darauf habe ich ja gewartet. Immer noch darüber nachdenkend ob ich je schon mal einen russischen Film gesehen habe, frage ich mich, was denn alle dazu bewegt haben sollte, sich diesen Film im Kino anzuschauen. Waren die Bücher denn so gut – also sprich anders als der Film? Überall überschlugen sich die Leute vor lauter Lobeshymnen, kamen aus dem Sabbern nicht mehr raus und verglichen mit Titeln wie "Matrix" (Wieso bitte das denn? War's die Sonnenbrille?), "The Lord of the Rings" (war mal die Nummer 1 in der ewigen Topliste Russlands - bis besagter Film kam) und "Underworld", dessen Vergleich ich noch am ehesten nachvollziehen kann. Aber "Nochnoi Dozor" hat einen entscheidenden Nachteil - er hat keine Kate Beckinsale in hautengem Latexanzug. Zudem kann man noch deklarieren, dass auch fernab davon nichts stimmt...
Vor 1000 Jahren wurde der Krieg zwischen Gut und Böse beigelegt - durch einen Waffenstillstand, der heute noch anhält. Die Prophezeiung besagt, dass eines Tages, heute im Moskau des Jahres 2004, jemand kommt, der sich für eine der beiden Seiten und damit den Kampf zugunsten seiner präferierten Macht entscheiden wird. Bis dahin wird der Frieden von beiden Parteien mehr oder weniger eingehalten – dafür sorgen die "Wächter des Tages" und die "Wächter der Nacht". Anton ist einer von letzteren und wird schon bald mit dem Auserwählten konfrontiert...
Vielleicht ging es nur mir so, aber dem Storyverlauf zu folgen, gestaltet sich als ziemlich schwierig und man hat schneller die Übersicht verloren, als einem lieb ist. Man weiß nicht mehr, was gerade genau passiert, wer hier mit wem zusammenarbeitet, aber eigentlich ist das auch total uninteressant. Einige Handlungen, viele Charaktere, eine Schnitttechnik, die einem den letzten Nerv raubt, und kaum Erklärungen. Das dürfte im Buch ausführlicher erklärt worden sein, denn sonst kann ich mir nicht erklären, wie man da durchgestiegen ist. Die schon etliche Male gesehene Story (Gut gegen Böse, Frieden bis zum Auserwählten, Prophezeiung blabla...) ist aber tatsächlich so belanglos und uninteressant wie kaum eine andere dieses Jahr. Wie so viel Langeweile auch noch in zwei weitere Teile passen und unterhalten soll, wird spannend abzuwarten sein. Leider stellt sich mir ein persönliches Problem in den Weg: Ich hasse es, wenn ich anfange, Filme zu gucken und dann das Ende nicht ebenfalls schaue. Demnach muss ich mich auch noch durch die anderen beiden geplanten, Teil zwei ist abgedreht und die Vorbereitungen für Teil drei laufen auf Hochtouren, quälen. Mehr als zur Vollständigkeit wird es da aber nicht reichen. In 7-8 Jahren folgen dann die Reviews zu den anderen beiden Teilen - dann dürften sie schon im Free TV gelaufen sein, denn die 4€ für den ersten Teil waren schon Verschwendung. Eine Möglichkeit, warum das hier alles so erschreckend leer ist, könnte die Tatsache sein, dass man das Gefühl nicht los wird, dass das hier bestenfalls als Exposition für die anderen beiden Teile dient. Dass man das dann gleich auf 115 Minuten strecken muss, wäre auch sicher besser lösbar gewesen. Möglicherweise geht es ja erst mit Teil zwei richtig los. Wie hieß es doch am Ende des Films: "Die Hoffnung stirbt zuletzt...". Hoffentlich...
Der größte Kritikpunkt neben der Langenweile der abstrusen Mischung aus Fantasy, Horror, Action, was-auch-immer ist die Schnitttechnik. Ich nehme alle meine Kritik an den Schnitten in "Resident Evil: Apocalypse" und "Stealth" zurück, denn was einem hier geboten werden soll, bleibt im Schatten der Nacht und lässt die anderen beiden erwähnten Filme aussehen, als würden sie in Zeitlupe ablaufen. In den Actionszenen ist es nicht unübersichtlich, die Übersicht fehlt komplett. Würde sich das Blut nicht farblich abheben von dem tristen, Grau-Schwarz des Films, würde man selbst das nicht erkennen. Nur wenn irgendetwas zermatscht wird, Fäuste auf Fäuste oder Schwerter auf Schwerter treffen, weiß man, was los ist, da man es hören kann. Also könnte man auch einfach mal die Augen schließen (brandheißer Tip an dieser Stelle); wenn man nach dem hektischen Durcheinander wieder aufpassen möchte, sollte man es aber logischerweise tunlichst vermeiden, einzupennen - solange einen dieses Schicksal nicht schon in den langweiligen, action- und spannungsfreien Szenen ereilt hat.
Wenn aber mal Spannung geboten wird, ist das meistens so offensichtlich, dass auch das langweilt, obwohl es teils an einen atmosphärischen Horrorthriller (der in dem Mix sicherlich irgendwo steckt – Nur wo? Hallo?) erinnert. Geräusche hinter den Protagonisten, dunkle Locations, Musik - diese Szenen möchte ich dem Film gar nicht absprechen. Dennoch sind sie zu selten präsent, als dass man von einem Höhenflug reden könnte, außerdem zieht der größte Teil nicht (Na, wer steht da vor der Tür? Wer hier nicht gähnt, befindet sich noch am Anfang seiner Filmkarriere.).
Die Actionszenen wären prinzipiell ganz nett, ja wenn man wie gesagt was erkennen könnte. Das einzige Mal, dass ich was erahnen konnte, war das erste Treffen Antons mit dem kleinen Jungen Yegor in einer Fabrikhalle. Das war noch halbwegs akzeptabel und zeigt das vorhandene, aber nie genutzte Potential, das tief in dem Film irgendwo schlummert.
Was in gewisser Weise beeindruckt, ist die optische Seite. Moskau ist dreckig, düster, dunkel und wird einem mit einigen Effekten präsentiert: Zeitraffer, Zeitlupen, Hell-/Dunkelkontraste und die extremen Schnitte. Das wurde alles kräftig durchgewühlt, sodass sich einem der Magen umdrehen kann, da es schlussendlich übertrieben wird. Hätte man hier etwas zurückgefahren, hätte das der große Pluspunkt sein können - so reiht es sich nur in alles Schlechte ein. Die Schlussszene mit dem Durcheinander an Zeitraffer, Schnitten und Videospielsequenzen (Dem Ganzen steht ganz fett auf der Stirn: "Wie cool sind wir eigentlich? Haben wir noch Videospielsequenzen eingebaut. Da freut sich die Jugend von heute.") ist dann der negative Höhepunkt von allem. Immerhin hat diese die coolste Einstellung zu bieten: das Schwert (mehr wird hier nicht verraten). Hier erkennt man auch die hervorragenden Effekte, die, gemessen am Budget von grade mal $4 Millionen, wirklich erstaunlich sind.
Neben den glänzenden Effekten können aber dann bestenfalls die Schauspieler die völlige Dunkelheit retten. Die sind, zumindest hier, recht unbekannt, machen aber noch das Beste aus dem langweiligen Fetzen von Drehbuch. Trotz genereller Antipathien gegen alle, alles und jeden und dem Vermissen einer Identifikationsfigur oder etwas Ähnlichem, gibt es in dem Bereich nichts zu beklagen.
Also ein schrecklich langweiliger Film, weil einem die Story total egal ist und bekannt vorkommt, und er mit seinem visuellen Overkill Kopfschmerzen bereitet. Dieser zerstört den Spaß an den Action- und Spannungsszenen, sodass neben den Dialogen, die nichts hergeben, nichts überbleibt, was einen 115 Minuten lang wach halten könnte. In dem Schnittgewitter geht jegliche Übersicht verloren und man kann Wetten abschließen, was grade passiert ist. Einzig die Effekte (mit Ausnahme von der einen billigen Explosion) und die Schauspieler sind passabel, was aber noch lange nicht diesen Erfolg bei dem russischen Publikum und der deutschen Presse erklärt. Diese ellenlange Exposition zu den anderen beiden Teilen hätte man auch gewaltig kürzen und vor Teil 2 klatschen können. Ich habe nicht das dringende Bedürfnis, jetzt unbedingt den Nachfolger sehen zu müssen - die Story fesselte nämlich nicht mal zum Schluss und beim Cliffhanger. Vielleicht bringt der Nachfolger, "Wächter des Tages" soweit ich das nicht in der Leere des Filmguckens durcheinander bringe, etwas Licht ins Dunkel der Nacht und man erkennt, was das alles soll. Wie gesagt, die Hoffnung stirbt zuletzt. Darauf jetzt erstmal einen Kaffee – am besten von Nescafé…
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