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Wächter der Nacht (2004)

Eine Kritik von Apollon (Bewertung des Films: 3/10)
eingetragen am 12.10.2005, seitdem 1007 Mal gelesen


Der Kinoprojektor streikt. Ein schlechtes Omen? Dafür gäbe es eigentlich keinen Grund. Projiziert werden würde doch "Nochnoy dozor", in der deutschen Übersetzung "Wächter der Nacht", ein mutmaßlicher Überfilm, der Exportschlager aus Russland, die Verfilmung des ersten Teils einer Romantrilogie von Sergei Lukyanenko, die in der Heimat Jubelstürme entfachte und die Kassen ordentlich klingeln ließ. Gelassenes Warten, der Trailer sah gut aus. Dann flimmert es wieder. Die Vorstellung beginnt - natürlich erst nach zehnminütiger Werbung.

Ein mittelalterliches Treiben auf der Leinwand. Ritter, Rüstungen, Kämpfe. Klirrende Schwerter, schnelle Schnitte. Es ist die Introduktion, im Off spricht eine Stimme und von zwei Mächten erzählt sie: Gut und Böse, die ewigen Erzfeinde - mal wieder. Die Schlacht würde niemand gewinnen, gleich stark seien beide Parteien. Ein Waffenstillstand musste her. Er würde anhalten bis zu jenem Tage, an dem ein Auserwählter kommen, sich für eine Seite entscheiden und das Gleichgewicht aus den Fugen geraten würde; zumindest besagt sie das, die Prophezeiung.

Etwas später: der Schauplatz hat gewechselt. Moskau, 2004. Es ist recht düster dort, aber man fürchtet sich nicht. Ein von Mythen bewohnter Organismus. Zauberer, Hexen und Vampire treiben sich da angeblich rum, und Formenwandler - viele davon wandeln ihre Formen allerdings nicht, eigentlich nur eine Eule, Olga heißt sie. Aus der wird ein Mensch (Galina Tyunina). Eine Nebenfigur an der Seite des Protagonisten Anton (Konstantin Khabensky) ist diese Eulen-Olga, eine Repräsentantin des Guten, eine Wächterin der Nacht. Die wollen alles austarieren, zäumen ihre Pendants, die Wächter des Tages, und erteilen ihnen Lizenzen für ihre frevelhaften Taten. Wer also Böses vollbringen will, muss sich dieses Anliegen vorher genehmigen lassen. Ja genau, erst beantragen. So wie in der deutschen Bürokratie.

Der Film läuft und läuft. Ziemlich abstrus. Ein ganz schönes Gerümpel. Ein Vampirpaar mittendrin trachtet nach dem Leben eines Jungen. Es kommt zur Rettung und Gegenüberstellung: Vampir versus Anton. Wie öfters noch surren die Mücken als Nebenerscheinungen einer rätselhaften Zwischenzone mit offenbar verlangsamt ablaufender Zeit. Unsichtbar der Vampir, in ihr, sich bewegend. Mit einer Spiegelscherbe versucht sich Anton zu behelfen. Silhouetten eines Kampfes. Die Schnitte zu rasant, stroboskopisch schnell. Sie traumatisieren, geißeln den Sehnerv, aber vermitteln festlich das Konzept des Filmes: die Verwirrung. Ein echtes Dickicht. Eine Frau, darin verheddert, ist verflucht. Über ihr taucht ein Wirbel auf, ein zerstörerischer und bedrohlicher, ehe er verpufft geschwind. Hanebüchen ist die Lösung. Und die Logik, die ist stellenweise im Urlaub: Als ein Kraftwerk zu Schutt und Asche zerfällt, gehen die Lichter aus, auch in einem Stadion. Nur die Anzeigetafel dort, die rebelliert.

Der Film läuft und läuft, läuft ziemlich lange. Und Regisseur Timur Bekmambetov lässt sich nicht beirren, will weiter verwirren und jongliert fortwährend mit schön getricksten Spielereien. Zeitlupen, Verfremdungen, überdurchschnittlich - man zieht den Hut - gute Kamerafahrten. Einmal verfolgt er, wie sich eine Niete von einem Flugzeug löst, durch die Wolken fällt, auf ein Gebäude stürzt, durch den Lüftungsschacht rollt und schließlich in einer Kaffeetasse landet. Bekmambetov beweist einmal seine Fähigkeiten, als Arrangeur des Bildes. Dann aber die Ausuferungen, wenn ein Kleinlaster mit flammendem Auspuff bei voller Fahrt bremst, einen Salto vollführt und dann geradewegs weiterfährt. Ziemlich cool soll das sein, so wie im besten amerikanischen Kino, das glänzt und glänzt. Man möchte auch glänzen und den Rücken krümmen zur Verbeugung. Darum hängt im Hintergrund mal das Portrait des "Scream"-Killerkostüms in der "Scary-Movie"-Variante und im Fernsehen läuft "Buffy", die Vampirjägerin, mit Sarah Michelle Gellar.

Es ist es soweit, der Film, durchwachsen gespieltes Konglomerat aus Fantasy und Horror, ist am Ende. Konfusion, überraschend rar gesäte Action, ungenutztes Konfliktpotenzial. "Wächter der Nacht", bescheidene Exposition, Epik im Larvenstadium. Vielleicht reift alles noch in den folgenden Teilen, reift wie der Wein mit der Zeit. Vielleicht. Die Gedanken, sie schweifen. Auf der Leinwand flimmert nichts mehr. Metaphorisch fällt der Vorhang, ein Überfilm war es nicht.


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