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Wächter der Nacht (2004)
Eine Kritik von bigimot66 (Bewertung des Films: 6/10) eingetragen am 15.10.2005, seitdem 377 Mal gelesen
Gestern war es also endlich soweit. Ich konnte mir endlich die deutsche Fassung von "Wächter der Nacht" im hiesigen Kino anschauen. Bisher lag mir bloß die russische DVD vor, mit der ich eigentlich recht wenig anfangen konnte, da die darauf angeblichen vorhandenen englischen Untertitel einfach fehlten und mein Russisch dann doch viel zu miserabel ist um der Handlung auch nur annähernd folgen zu können.
Irgendwann vor grauer Vorzeit trafen die Armeen des Lichts und der Dunkelheit aufeinander. Im Laufe des entstandenen Kampfes stellte sich heraus, daß beide Gegner gleich stark sind und man beschloß einen Waffenstillstand. Dieser wird bis zur heutigen Zeit von den Wächtern der Nacht und den Wächtern des Tages überwacht um sicherzustellen, daß nichts dieses Gleichgewicht stört und eine der Seiten die Oberhand gewinnt. Anton ist einer der Wächter der Nacht, der im heutigen Moskau dafür sorgt, daß das Böse/Dunkle nicht die Macht übernimmt. Im Verlauf des Films trifft er auf einen Jungen, der einer uralten Sage nach das Gleichgewicht in die eine oder andere Richtung zum kippen bringen soll.
Soviel zur Handlung, die sich nicht unbedingt sehr neu anhört, aber doch immerhin genug Zugkraft besaß mich endlich mal wieder ins Kino zu locken.
Das es sich hierbei um eine russische Produktion handelt muß wirklich erwähnt werden. Natürlich war dies durch den Werbe-Hype von wegen "erfolgreichster russischer Film aller Zeiten" schon bekannt, aber ich meine es erklärt auch einiges was den meisten Zuschauern und auch Leuten die hier schon Reviews zu "Nochnoy Dozor" schrieben schwerfällt zu verdauen, nämlich, daß die Sehgewohnheiten des Publikums, die Bildsprache und die Inszenierung eines Filmes in anderen Teilen der Welt eben doch nicht unbedingt mit den unseren gleichzusetzen sind.
Das konnte man schon vor einigen Jahren mit den japanischen Horror-Filmen wie "Ring", "The Grudge" und "Uzumaki" sehen, die eine sehr eigenwillige Bildsprache präsentierten, die sicherlich wohl dem asiatischen Publikum nicht soviel Probleme bereitete wie dem durchschnittlichen westeuropäischen Kinogänger. Im Falle von „Wächter der Nacht“ ist die Sache ähnlich gelagert.
Zwar versucht hier der Regisseur seinen Film mit Versatzstücken des momentan modernen Effektkinos à la Hollywood aufzupeppen, was ihm auch durchaus gelingt, aber die Art und Weise wie er seine Geschichte erzählt ist dann aber doch eher überraschend. Denn hier gibt es kein Effektgewitter und Action ohne Ende wie man das vielleicht vom selben Film, wäre er in Hollywood entstanden, hätte erwarten können. Effekte und Action sind zwar vorhanden, aber wohldosiert. Vielmehr versucht die Regie die Spannung langsam bis zum Höhepunkt, quasi der Entscheidung für Gut oder Böse, aufzubauen.
Leider blieb es aber beim Versuch. Auch wenn die erste Stunde noch relativ unterhaltsam ist, fragt man sich ständig was das alles soll bzw. wohin das führen soll. Zu wenig Erklärungen für das Handeln der Figuren, die Motivation von Anton ein Wächter der Nacht zu werden und die Erklärung gewisser Phänomene usw. lassen den Zuschauer irgendwie im unklaren, was auch recht schnell zu einer gewissen Langeweile führt. Dazwischen gibt es immer wieder kleine Einblicke in den russischen Alltag mit allerhand eigenartigen Figuren, die irgendwie nicht so recht in das Erwartete passen wollen. Hier wähnt man sich dann eher in einem skurrilen russischen Alltagsdrama als in einem Fantasy-Film. Bis der Film dann endlich wieder an Fahrt gewinnt sind wir auch schon beim Finale, daß zwar relativ unspektakulär daherkommt, aber der Szene vom Anfang (Anton bei der Hexe) endlich einen Sinn gibt und mich als Zuschauer dann doch versöhnlich stimmte.
Vermutlich muß man für die nicht erfüllten Erwartungen vieler Zuschauer dem Verleih eine große Schuld zuweisen. Hier wurde in der Werbekampagne zusehr auf den Fantasy-/Horror-Komponenten sowie den Special Effects herumgeritten, die übrigens teilweise recht eigenwillig aber beeindruckend sind. Vergessen wurde aber zu erwähnen, daß dies hier sicherlich kein Film für das große Mainstream-Publikum ist. Ein gewisses Kultpotenzial ist aber durchaus vorhanden.
Da die gesamte Geschichte als Trilogie angelegt ist, bleibt abzuwarten ob Regisseur Bekmambetov seiner Linie treu bleibt oder sich getreu seines Filmes für die eine Seite (mit größerem Budget voll auf Effekt-Kino zu machen) oder für die andere Seite (die Mischung aus Teil 1) entscheidet. Es bleibt jedenfalls spannend und zu hoffen das die beiden folgenden Teile hierzulande auch veröffentlicht werden.
Anzumerken sei hier noch, daß die russische Version von nahezu zwei Stunden Spielzeit um ca. 10 Minuten gekürzt wurde. Die auf meiner DVD vorhandenen Szenen scheinen aber keinerlei größeren Einfluß auf die Story zu haben und bieten auch nichts was auf Grund von Gewalt geschnitten wurde. Im Gegenteil, da der Film nach der ersten Stunde ziemliche Durchhänger hat, kann man eigentlich nur froh sein, da hierdurch die Story doch noch etwas gestrafft werden konnte.
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