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Wächter der Nacht (2004)

Eine Kritik von Leto (Bewertung des Films: 3/10)
eingetragen am 09.02.2006, seitdem 316 Mal gelesen


Seit Jahrhunderten leben unentdeckt die "Anderen" unter uns, Vampire, Hexen, Zauberer, Werwölfe, Gestaltwandler etc. Das Gleichgewicht zwischen den Mächten des Guten und des Bösen wird von den Wächtern des Lichts und der Nacht garantiert, die über die Einhaltung der Regeln wachen.
Eines Tages wird ein Junge entdeckt, der mit seiner Entscheidung für eine der Seiten das Gleichgewicht empfindlich stören könnte.
Fortan versuchen sowohl die dunklen als auch die hellen Krieger, ihn auf ihre Seite zu ziehen...

Ein Fantasyfilm aus Russland, basierend auf einer Romanserie, die sich im Entstehungsland höchster Beliebtheit erfreut - das sollte doch ein guter Kinoabend werden, eingefärbt mal mit östlichem Lokalkolorit und mit all den beliebten Elementen, die seit "Harry Potter" sowohl die Bestseller- als auch die Kinoliste anführen.
Doch weit gefehlt - die zugegeben interessante Ausgangsstory wird zunächst einmal so verwirrend erzählt, als wäre es die Absicht der Macher, den Zuschauer absichtlich an der Nase herumzuführen, um ihm Anspruch zu suggerieren.
Doch das hat leider seine dunkelsten Schattenseiten. Da wären zunächst einmal die wirklich schablonenhaften Charaktere. Natürlich sind die Guten hier wortkarge Einzelgänger in Schlabberklamotten, während die Bösen vergnügungssüchtige, technologisch fortschrittliche und hippe Menschen sind - eine ist sogar eine umjubelte Popsängerin!
Wer da noch dachte, die Russen versuchen sich filmtechnisch ihren eigenen Stil zu bewahren, ist leider auf dem Holzweg.
Neben den sehr westlich (sprich: us-amerikanisch) wirkenden Figuren nerven nach einigen Minuten der überproportional erhöhte Einsatz von visuellen Gimmiks, bei denen es tatsächlich den Anschein hat, als wären sie nur dazu da, den Film den Sehgewohnheiten von US-Blockbustersehern anzupassen, denn sie haben in den seltensten Fällen einen wirklichen Sinn im Erzählfluss oder zur Verdeutlichung des Geschehens.
Nette Ideen wie der explodierende Hinterkopf und der Zeitlupensalto des Transporters (natürlich lässt auch hier die Matrix grüssen) wiegen dieses Defizit leider auch bei 114 Minuten Laufzeit nicht wieder auf.
Da es sich um eine Trilogie handelt, könnte man dann den sprunghaften Handlungsverlauf damit erklären, dass es in den weiteren Fortsetzungen (und da sind die Russen zum Glück konsequenter als ihre Hollywood-Kollegen) häppchenweise verständlicher wird, nur merkt man bereits nach circa einer halben Stunde, dass die als komplex angedeutete Handlung hier leider immer dann im Keim erstickt wird, wenn die Kamerafahrten und wilden Schnitte die Regie übernehmen (und wer "Resident Evil: Apocalypse" schon schlimmfand, der wird hier merken, dass es eine Steigerung gibt).
Bereits in der Schlacht zu Beginn ist nicht viel mehr als Hacken und Stechen erkennbar, schaltet man auf das sonst nur in der Tiefschlafphase in Aktion befindliche "Rapid Eye Movement" um (Kompliment, wer diese Art der Körperbeherrschung draufhat), dann kann man auch schon mal die ein oder andere blutige Wunde oder den Führer der Waffe erkennen.
Guter Wille hin oder her, das eindeutige Defizit des Films liegt in seiner überbordenden Visualität, die auf den ersten Blick (und vor allem im Trailer) als sehr schön empfunden werden kann aber sich dann als hippe und coole Spielerei mit Elementen wie Zeitlupe, Kameraschwenks, Kameradrehungen, Farbfiltern und anderen diversen Stilmitteln entpuppt, die leider dem Film überhaupt nicht guttun.
Da der Film für die weltweite Kinoauswertung darüber hinaus in der Länge und der musikalischen Untermalung verändert wurde, lässt uns hoffen, dass die Russen in ihrer eigenen Kinofassung (und nein, hier geht es nicht um Gewaltschnitte) eine gute Geschichte in einem gut inszenierten Film serviert bekamen (immerhin war "Wächter der Nacht" dort sogar im Siegertreppchen über dem "Herr der Ringe").
Für uns andere bleibt ein locker zusammenhängendes Schnittstakkato in hyperdelischem Farbwahn!


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