So etwas nennt mal wohl Prestige-Produktion, wenn sich die Hammer-Produktion nach dem Dracula- und Frankenstein-Erfolg nun auch an Sir Arthur Conan Doyle versucht.
Und rein von den Namen her besitzt der Film auch die nötige Schwere und Strahlkraft, um beeindruckend zu wirken. Cushing als Holmes, Lee als Baskerville, das klingt nach einer aufregenden Sache.
Nur ist es das leider nicht. Nicht wirklich.
So atmosphärisch Hammer auch manchmal gearbeitet hat, hier wollte man es zu gut tun. Geradezu steril kommt das Geschehen rüber, von dem unheimlichen Moor-Feeling, wehenden Nebelschwaden, dampfenden Moorlöchern, der "creepy" abgestorbenen Atmosphäre bspw. des Rathbone-Films von 1939 (der auch so seine Schwächen, allerdings eher auf erzählerischem Sektor hatte) will aber auch gar nichts aus den Wiesen steigen Viele Szenen sind zwar prachtvoll gestaltet, aber dann immer wieder doch eindeutig als Studio-Material zu erkennen, vor allem die Sequenz in der Mine (die in der Vorlage so gar nicht existiert) und die Ruine, in der der Showdown stattfindet (die sich von den neolithischen Steinkreise in die Ruine des alten Baskerville Hall verwandelt hat).
Visualisiert in blendendem Technicolor hat er zwar optisch seinen Reiz, nur kommen solche Stories in Schwarz-Weiß natürlich wesentlich intensiver rüber. Selbst die Nächte leuchten in intensivem Blau gegen des beeindruckende Grünbraun der Bodenflächen. Stört dies in Holmes' Heim in der Baker Street noch nicht, so ist es im Dart-Moor absolut desillusionierend, wenn auch ein (künstliches) Fest fürs Auge.
Darüber hinaus hat man wohl den Titel weitestgehend vergessen, denn selten hat in einer Baskerville-Verfilmung der Hund eine kleinere Rolle gespielt, es wird kaum auf ihn eingegangen, sein Heulen ist kaum mal zu hören und was uns dann in der letzten Szene ins Bild springt, ist wenig mehr als eine zutrauliche große Dogge, die man offenbar etwas zu früh aus dem Mittagsschlaf geweckt hat. Keine Spur von einem zahnbewehrten, phosphorglühenden Rachen, der ausgewachsenen Männern Angst macht, wie Conan Doyle das Ungetüm beschrieben hat.
Was die Vorlage als Basis für ein Drehbuch angeht, so haben die Autoren sich enorm viele Freiheiten genommen, was man aus so einer Vorlage wohl alles machen könnte, was irgendwie interessant erscheint (ähnlich wurde ja schon Stokers "Dracula" kreativ verunstaltet). Neben dem bereits erwähnten Einsturz in einer stillgelegten Mine dürfen wir auch noch eine Sequenz mit einer Vogelspinne genießen, die Christopher Lee piesackt (der sichtlich echte Angst vor dem Vieh hat) und als Ausgleich später noch den Besuch bei einem Insektenforscher ertragen. Der Naturforscher Stapleton, in dessen Tochter sich Baskerville verliebt, ein durchaus freundlicher Charakter in der Vorlage, wird zum grimmig-grummeligen Nachbarn mit einer zigeunerhaften Biesttochter, die sich beide ausgiebig verdächtig machen dürfen, während das Butlerehepaar eher in den Hintergrund rückt. Daß Lee ein familiäres Herzleiden plagt, ist ebenso dazu gedichtet, wie Teile des tödlichen Finales im Moor und ein Mordritual des bösartigen Vorfahren, das sehr stark an die üblichen oder noch kommenden Hammer-Filme gemahnt.
Man kann jedoch nicht sagen, daß damit nur überflüssige oder schlechte Elemente ergänzt wurden, gerade der Rathbone-Film litt darunter, daß er seine Karten viel zu früh auf den Tisch legte und ein eher banales Finale bot, weit nach dem Showdown mit dem Hund im Moor. Stattdessen ist ein bunter, offener und zugänglicher Film darauf geworden, mit durchaus amüsanten Sequenzen, aber ohne die wirklich bedrohlich-gruselige Atmosphäre, die den 39er-Film auszeichnet.
Cushing ist bisweilen widerlich sperrig als Holmes und Morell als Watson bei weitem nicht sympathisch genug, um das auszugleichen. Weshalb man nicht Lee zu Holmes (drei Jahre später geschehen in der deutschen Produktion "Halsband des Todes") und Cushing zu Watson gemacht hat, bleibt leider offen, es wäre eine reizvolle Kombination gewesen, für beide gegen den Strich. Dennoch gibt Lee eine viel bessere und zwiespältigere Wahl für den neuen Lord Baskerville ab, als der weiche, belanglose Richard Greene im Rathbone-Film, denn in Lee leichtem Oberklassendünkel und schürzenjägerischer Lässigkeit spiegelt sich das böse Erbe seines Vorfahren wieder, womit beispielsweise die zigeunerhafte Marla Landi als untypische Stapleton-Tochter und "love interest" wieder eine sehr gute Wahl darstellt.
Lee reißt in seinen Szenen durchaus den Film an sich und das ist gut so, denn eine bloße Konzentration auf Holmes und Watson macht die Verfilmungen meist eindimensional.
Wer will, mag sich also an der farbenprächtigen Produktion im besten 50's-Style erfreuen, sie läuft auch recht flott, wenn auch kaum aufregend ab. Der Film war kein großer Erfolg, weshalb keine Serie daraus wurde, was an sich schade ist, aber es ist immer noch ein guter Unterhaltungsfilm auf sehr solidem Niveau, wenn ihm auch die Klasse zum Hammer-Klassiker fehlt, zu dem ihn die Fans immer gern machen möchten. (6,5/10)