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Untergang, Der (2004)

Eine Kritik von cheministry (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 10.10.2004, seitdem 378 Mal gelesen


Erstmal wäre anzumerken, dass der Film für mich ein ungemein mutiges Projekt ist. Und zwar nicht , weil er eben das Thema des Dritten Reiches behandelt. Das gab es schon massig in der Vergangenheit. Eher weil er die Personen in den letzten Tagen des Regimes begleitet und dabei immer nah an den Charakteren bleibt.
Daraus ergeben sich beim Zuseher (wohl durchaus beabsichtigte) zweifelhafte Emotionen. Denn genauso wie Antipathien aufgezeigt werden, bekommt man durch einige Personen auch die Hitler-bejahende Seite präsentiert. Das macht den Film auch teilweise so schwer und warf bei mir Fragen auf. Darf man diesen Menschen als einen Freundlichen zeigen? Denn da liegt immer die Gefahr. Nur um Fehleinschätzungen vorzubeugen: Der Film will Hitler nicht idealisieren oder schönreden. In keinster Weise. Doch dadurch, dass auch sein Umfeld präsent im Bild ist, sieht und hört man, dass Leute ihn auch aus einer anderen Perspektive sahen. Sei es auch als verblendete, geistig umnachtete Anbetung oder gar Überzeugung.

Der Film beschreitet zuweilen eine schwierige Gratwanderung. Zwar ruft das Gesehene Abscheu und Unverständnis hervor, doch ist man durch ihre dauernde Präsenz immer bei den Charakteren und durch diese Nähe ist es wohl ein Ding der Unmöglichkeit, sich dem allen zu entziehen. Wobei ich nicht so weit gehen würde, dem Werk vorzuwerfen, Sympathien wecken zu wollen. Nur urteilt der Film nicht, er zeigt nur. Das reicht allerdings.
Die Charaktere werden differenziert dargestellt; es gibt nicht nur die Gut/Böse-Extreme. Nüchtern begleitet die Kamera sie, der Zuschauer sieht zu. Auch mutig, dass der Film versucht, alle Thematiken abzudecken und fast nirgends einen Rückzieher macht. Das ist mitunter drastisch aber notwendig. Nur beim Tod Hitlers und Goebbels samt Ehefrau ist der Zuschauer nicht komplett dabei. Ob das notwendig war, ist streitbar.
Man kennt die vielen Dokumentationen, die öfters im Fernsehen laufen und trotzdem wird bei diesen Bildern ein innerliches Grauen erzeugt; der Wahnsinn dieser Menschen geht an die Nerven und zeigt wohl nur (in welchem Grad weiss ich nicht) wie es ungefähr war. Dabei zeigt der Film, der zwar einige physisch brutale Stellen besitzt, das Kriegsgeschehen an sich bei weitem nicht so drastisch wie zB Saving Private Ryan. Doch das hat er auch nicht nötig. Er bezieht seine Wirkung aus den Figuren. Aus ihrem Wahn in welchem sie nicht merken, das alles verloren ist. Trotzdem geht es noch weiter.
Der film hat mich getroffen. Denn der Film bringt dem Zuschauer das Ganze sehr nahe; sich ihm zu entziehen ist wohl nicht möglich. Daran haben auch die grossartigen Schauspieler ihren Anteil. Einen gezielt hervorzuheben wäre sinnlos. Das komplette Ensemble ist überzeugend und dadurch erschreckend.
Die Inszenierung selber ist fast ohne Schwächen. Ohne Effekthascherei in grossartigen Bildern. Auch der Soundtrack fügt sich in die Atmosphäre. Nur gegen Ende lässt sich das Werk etwas zu viel Zeit. Die Mischung zwischen den Szenen des Krieges und denen des Bunkers ist gut ausgewogen.

Es ist die Geschichte der Vergangenheit, die selten so nah und eindringlich inszeniert wurde. Ein mutiges Werk, vollkommen gelungen und intensiv. Wer sich auch nur ansatzweise für die Thematik interessiert, sollte das sehen. Ein sehr bedrückendes Drama mit überzeugenden Darstellern, welches ein sensibles Thema veranschaulicht.


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