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Kampfstern Galactica (1978)

Eine Kritik von Schlombie (Bewertung des Films: 5/10)
eingetragen am 07.04.2008, seitdem 379 Mal gelesen


Es gibt in diesem Genre Freunde von Science-fiction, die richtige Werke dieser Richtung gucken (Welt am Draht, Lexx, Matrix, Contact) und es gibt Freunde von Trivialem und Bauernphilosophie. Während Letztgenannte in der heutigen Zeit viele Serien zu sichten haben (Andromeda, Star Trek ab 1987, Superman, Stargate) und auch den ein oder anderen Film (Matrix 2+3, Lost In Space), in denen sie eine Soap-Opera unter dem Deckmantel angeblicher Science-fiction sichten können, gab es Ende der 70er für diese Gruppierung noch nicht so viel zu ernten. "Kampfstern Galactica" war eine der wenigen Ausnahmen zu denen man als Pseudo des Genres greifen konnte, um sich banal unterhalten zu lassen. Während die heutigen Werke auf schlichter Ebene etwas anspruchsvoller geworden sind, war dieser Film hier noch plump in seiner ganzen Art. Durch "Krieg der Sterne", einem der wenigen Filme der beide Gruppierungen glücklich machte, war das Science-fiction-Genre gerade in und massenkompatibel geworden. So sichtete ihn dann auch die breite soapinteressierte Masse. Und in "Kampfstern Galactica" wurde der geboten was sie wollte: alles was grad in war. Bis auf das Grundgerüst und eines Kartenspiels ist hier nichts fremd oder futuristisch. Die Frisuren sind die angesagten zu dieser Zeit, die Mode und die kleinen Elemente wie das Einbauen eines elektronischen Kuscheltieres, die auch in anderen Genres bei der breiten Masse stets gut ankommen, ist vorhanden. In diesen Punkten haben sich Trivial-Science-fiction-Werke in der heutigen Zeit echt verbessert. Nur eines haben frühe und alte Werke im Kostüm dieses Genres noch gemeinsam: Die Philosophie und die Regeln was richtig und was falsch ist sind stets an der Entstehungszeit orientiert. Da ist es ganz egal ob etwas in der Zukunft, der Vergangenheit, in einem parallelen Raum oder wie hier in weiter Ferne spielt. Stimmen die Regeln und die Philosophie nicht mit der heutigen überein wird ein Werk für dieses Publikum orientierungslos und uninteressant. Somit dürfte "Kampfstern Galactica" in diesen Kreisen wirklich zum Höhepunkt des Genres gehören. Man könnte hier vor lauter Plumpheit schon Kopfschmerzen kriegen. Die Bösewichter sind billige Klone des gerade beliebt gehasst gewordenen Darth Vader, trotz extremster Probleme in einer durchaus gar nicht mal uninteressanten Ausgangssituation haben alle stets Zeit für Nichtigkeiten, Herzschmerz und grausigste Dialoge, die so herüberkommen als hätte man die Katastrophe längst vergessen (was wieder zum Publikum passt: Ignoranz ist der Schutz der breiten Masse sich in ihrer Welt wohl zu fühlen). Die gängigen Klischees dieser Zeit werden breitgewalzt, so darf z.B. einer der Helden ein Frauenschwarm sein, der sich zwischen zwei Frauen nicht entscheiden kann ohne deshalb gleich Schuldgefühle haben zu müssen, und eine der Frauen darf in ihrer Rolle fast nur weinen und ist zu allem Überdruss damit auch noch die einzige an Bord. Männer weinen schon mal gar nicht, selbst wenn sie gerade den Sohn verloren haben, und auch die moderne Frau von damals musste im Irrglaube falschbefolgter Emanzipation den harten Mann mimen. Aber in der Ausnahme gab es dafür noch die eine klassische Frau die weinen durfte. Klingt fast großzügig von den Machern dieses Filmes *g.
Was ich bisher geschrieben habe klingt nach einer 3 von 10, sprich einem Film der nur wegen unfreiwilliger Komik funktioniert. Aber damit würde man "Kampfstern Galactica" seine guten Seiten aberkennen. Und die sind ernsthaft vorhanden. Es gibt verschiedene Formen von Trash. Der pseudophilosophische und soap-opera-mäßige Gehalt ist der nervige, den man aus diesem Werk am liebsten weggeblendet haben möchte. Der triviale Science-fiction-Gehalt dieses Werkes ist allerdings gelungener Trash, wohl ein Mix aus gewolltem und ungewolltem. Da haben wir zunächst natürlich die Gegner der Menschen, die optisch herrlich bescheuert aussehen, aber auch sehr klassisch (schon zu seiner Zeit). Ihre Bösartigkeit und Mentalität wirkt wie aus einer billigen Zeichentrickserie entnommen, ebenso wie die Hilfe einzelner Menschen ihnen gegenüber. Eingebracht wird das ganze in eine Geschichte, die zu Beginn sogar eine sehr gute Idee ist. In der Hand talentierter Produzenten, Regisseure und vor allen Dingen Drehbuchautoren hätte man daraus was sehr gelungenes basteln können. Doch der Irrwitz setzt schon dann wieder ein, wenn man sich auf der Suche nach der Erde macht, dem letzten Unterschlupf der menschlichen Rasse. Oh weh! Was erwarten die da, wenn sie erst mal dort sind? Dass wir uns freuen denjenigen zu begegnen, von denen wir ausgestoßen und in die letzte Ecke des Alls verband wurden? Ewig haben sie von unserer Existenz gewusst und uns hier hängen lassen mit unseren Problemen, die in der Welt dort teilweise überwunden zu sein scheinen. Wie schwer tun sich viele schon mit Gastarbeitern? Und da soll sich die Welt auf menschenverwandte Aliens freuen? In "V" wurde eine ähnliche Thematik im Pilot ja bereits gestreift.
Wenn die Geschichte dann soweit ist, dass die letzten Menschen ihre Reise beginnen, beginnt ebenfalls ein großes schwarzes Loch gähnender inhaltlicher Leere. Der Mittelteil ist in dem, mit 120 Minuten ohnehin zu lang gewordenen, Serienzusammenschnitt recht langatmig. Der Witz ist, dass gerade in diesem Bereich viele Themen angesprochen werden, die anders umgesetzt sogar recht tiefsinnig und gesellschaftskritisch hätten werden können und zusätzlich noch unterhaltsam: Das Entstehen eines neuen 12er-Rates, der aus dem alten Prinzip nichts lernte, die Lebensmittelknappheit und einige unausgesprochene Probleme, die einem automatisch in den Sinn kommen, wenn man sieht wie Menschenmassen notdürftig untergebracht sind ohne das Elementarste zu haben, Verräter in der eigenen Gattung, Menschen erster Klasse, ewig die Verfolgung der Bösewichter im Rücken. Es gibt damit wirklich viel interessanten Inhalt, dem man sich näher hätte zuwenden können (Wie wurde der 12er-Rat gewählt? Wurden da notgedrungen weniger qualifizierte Leute genommen als einst? ...). Stattdessen erleben wir das Hofmachen und Balzverhalten typischer moderner Leutchen der 70er, das Trösten eines kleinen Jungen, das völlig unnötige Arbeiten der Wissenschaftler an elektronischen Kötern und andere Nichtigkeiten. Erst mit dem Plan ein Minenfeld zu durchkreuzen bekommt die Story wieder etwas Pepp. Und wenn das Minenfeld hinter unseren Helden liegt bekommt die Geschichte ihren besten Part. Fast zu vergleichen mit den gelungenen Serien "Raumschiff Enterprise" und mehr noch mit "Lexx" landet die Crew auf einem Spielhöllenplaneten, auf dem die Gäste heimlich verspeist werden. Das ist dann endlich wieder die Form Trash, die auch dem Außenseiterpublikum schmeckt, zumindest dem von heute. Die Schlussgeschichte ist einfach so plump und blöde, dass die bescheuerten Figuren mit ihrer dümmlichen Lebensart nicht mehr fehl am Platz wirken. In diesen letzten 30-45 Minuten ist "Kampfstern Galactica" einfach am ehrlichsten zu sich selbst, und deswegen funktioniert der Mist dann auch so gut.
Lange Rede kurzer Sinn: Kampfstern Galactica ist Schund, aber er ist Schund aus zwei Bereichen. Zum einen hätten wir den anspruchsvollen Teil, der bei all seiner Dämlichkeit und damaligen Moderne natürlich völlig zum scheitern verurteilt ist, und wir haben den Trashteil der Science-fiction, der zwischen gewollt und ungewollt mit ausgeschaltetem Kopf zu unterhalten weiß. Hätte man sich bei der Umsetzung dieses Streifens nur auf Letzteres konzentriert wäre noch eine fröhliche 6 von 10 bei rumgekommen. Aber da Ersteres so häufig vorkommt und so verdammt nervt, und das während einer überdimensionalen Laufzeit von 120 Minuten, bleibt mir nur die Möglichkeit einer großzügigen augenzwinkernden 5 von 10. Auf diese Art kann eine Soap Opera im Science-fiction-Gewand noch Spaß machen. Da Filme und Serien dieser Art mit der Zeit aber immer ernster, bauernphilosophischer und damit dümmlicher wurden, bleibt dieser Spaß bei Andromeda, Matrix 2 und 3 und wie sie alle heißen einfach aus.


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