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Gorilla begleicht die Rechnung, Der (1975)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 17.02.2017, seitdem 198 Mal gelesen



Zwischen „Mein Name ist Nobody“ und „Sahara Cross“ drehte der italienische Regisseur Tonino Valerii mit „Der Gorilla“, gern auch mit dem Zusatz „…begleicht die Rechnung“ versehen, im Jahre 1976 eine Abwandlung eines klassischen Poliziesco, der sich des Personenschützermilieus annimmt. Kurioserweise wurde der Film komplett deutsch synchronisiert und auf 35 mm gezogen, ohne jedoch eine deutsche Kinoauswertung zu erfahren – lange Zeit musste man als Filmfreund mit einer VHS-Kassette vorlieb nehmen. Dies änderte sich, als die deutsche 35-mm-Kopie wie aus dem Nichts im Rahmen des siebten „Deliria-Italiano“-Forentreffens in Düsseldorf im Oktober 2016 ihre verspätete Kinouraufführung erfuhr, auf die hin nun auch eine digitale Heimkino-Version geplant ist.

Stuntman Marco Sartori (Fabio Testi, „Das Syndikat des Grauens“) musste nach einem Unfall seinen Beruf an den Nagel hängen. Doch sein Freund Ciro (Al Lettieri, „Malta sehen und sterben“) weiß Rat und fingiert mit einigen Personenschützern eine Entführung des vermögenden Bauunternehmers Sampioni (Renzo Palmer, „Die Klette“), die Marco vereiteln und damit sowohl seine Qualitäten als Leibwächter als auch das Schutzbedürfnis Sampionis unter Beweis stellen darf. Der Unternehmer überlegt auch nicht lang und engagiert Marco als seinen „Gorilla“ – zumal er seit geraumer Zeit tatsächlich von Unbekannten erpresst wird. Diese haben es alsbald auch auf Marco abgesehen und erhöhen beständig ihre Forderungen. Die Polizei tappt derweil ebenso im Dunkeln wie Marco und Sampioni ist mittlerweile fast weichgekocht, insbesondere, als er sich auch noch um seine Tochter Vera (Claudia Marsani, „Submission“) sorgen muss. Mit dieser allerdings bändelt Marco bald an und versteht es, mit einem Trick an das Lösegeld zu kommen. Doch hat er die Rechnung ohne die Erpresser gemacht, die nun aus ihren Verstecken kommen und Jagd auf den „Gorilla“ machen…

Wie so viele Genre-Kollegen bietet auch „Der Gorilla“ einen interessanten Einblick in damalige italienische gesellschaftliche und soziale Verhältnisse: Angesichts gestiegener Verbrechensraten boomte offenbar der Beruf des Personenschützers, mit deren Hilfe sich der vermögende und sicherlich auch nicht immer ganz saubere Teil der Bevölkerung weiter in Sicherheit wiegen wollte – denn die Polizei stand dem Ganzen eher machtlos gegenüber und war oftmals überfordert, bisweilen selbst korrupt oder schlicht desinteressiert. Klassische Helden gibt es auch hier nicht, auch Marco ist ja letztlich durch unsaubere Methoden an seinen Job gekommen und auch nicht gerade größter Freund seines Brötchengebers. Aus dieser Prämisse, in der sich jeder selbst der Nächste ist, hätte man eine Menge herausholen können. Nach seinem gelungenen, actionreichen Auftakt wirkt „Der Gorilla“ jedoch seltsam gezähmt, als sei er Opfer des Schnitts und/oder spontaner Skriptänderungen geworden. Valerii und Co. zeigen durchaus Interesse an den unterschiedlichen Charakteren und ihren verschiedenen Beweggründen, ohne jedoch sonderlich in die Tiefe zu gehen. Und so hübsch die leider in viel zu wenig weiteren Rollen zu sehen gewesene Claudia Marsani hier auch ist, so uninspiriert wirkt ihre Romanze mit Marco. Eine Zeitlang scheint „Der Gorilla“ gerade im Mittelteil dramaturgisch auf der Stelle zu treten und sich nicht recht dazu durchringen zu können, den gesellschaftskritischen Aspekt seiner Handlung näher zu beleuchten oder andere Charaktere konsequent stärker zu gewichten. Demgegenüber stehen jedoch Action- und Spannungsszenen, die gerade, weil sie nicht inflationär zum Einsatz kommen, ihre volle Brisanz entfalten – man denke beispielsweise an die Stunts im Fahrstuhl, die Szenen im Zug oder die finale Verfolgungsjagd zwischen demselben und einem Polizeiwagen.

So bleibt ein gerade für Genre-Freunde wahrlich sehenswerter Poliziesco bzw. Gangster-Streifen, den Testi gut schultert und der das damalige gesellschaftliche Klima auf die Leinwand zu transportieren vermag, ohne jedoch tiefer unter der Oberfläche zu graben und Erkenntnisse oder Wendungen mit Aha-Effekten zu bergen. Die Dreiecksgeschichte aus Personenschützer, klassischen Gangstern und dem mit seinem Reichtum provozierenden Opfer inkl. Familienanhang funktioniert auch so passabel, hätte jedoch auch das Potential für mehr gehabt. Insofern bin ich die Benotung betreffend nach dem Ersteindruck einer, dieser Rarität auf großer Leinwand etwas hin- und hergerissen und möchte es daher zunächst bei leicht unentschlossenen 6,5 von 10 Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen belassen.


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