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L.A. Crash (2004)

Eine Kritik von filmimperator (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 20.10.2005, seitdem 474 Mal gelesen


Manchmal müssen Menschen regelrecht kollidieren, um sich gegenseitig wahrzunehmen. Diese Botschaft leitet diesen äußerst gelungenen Episodenfilm von Regisseur Paul Haggis ein. Eine größere Gruppe von Personen trifft in lose miteinander verwobenen Episoden im Laufe von 24 Stunden immer wieder aufeinander, wobei sie bis auf rassistische Vorurteile zunächst nichts zu verbinden scheint.

Die Story hier darzulegen, würde aufgrund ihrer Komplexität den Rahmen sprengen. „L.A. Crash“ handelt jedoch über Rassismus hinaus von Raub, Mord, (Überfremdungs-)Angst, Kommunikationsschwierigkeiten und durch Frustration verursachte Aggression. Los Angeles ist dabei der erhitzte multikulturelle Schmelztiegel, in dem es anfängt zu brodeln.

Haggis konnte mit Sandra Bullock („Miss Undercover“) als frustrierte und rassistische Ehefrau, Don Cheadle („Traffic“) als zerbrechendenden Ermittler, Matt Dillon („Wild Things“) als aggressiven Rassisten-Cop, Ryan Phillippe („Eiskalte Engel“) als dessen um Anstand bemühten (aber später um so fataleren) Newbee-Partner und Cuba Gooding Jr. („Jerry Maguire“) als unterwürfigen Serienregisseur ein exzellentes Ensemble gewinnen, dessen Charaktere äußerst differenziert und vielschichtig gezeichnet sind. Darüber hinaus erhielten Brendan Fraser („Die Mumie“) und Thandie Newton („M:I 2“) weitere Rollen, welche allerdings ungleich eindimensionaler gestaltet wurden.
Zwei herausragende Szenen möchte ich an dieser Stelle besonders hervorheben: Die Rettung von Thandie Newton durch ihren Peiniger Matt Dillon aus einem umgestürzten Auto sowie der Rachefeldzug des Persers gegen seinen Schlosser und seine dazwischen gehende Tochter. Beide Szenen sind schlicht genial inszeniert, wobei Mark Isham – der schon den Soundtrack zu „Hitcher-Der Highwaykiller“ beisteuerte – mit seiner melancholisch-schweifenden Musik und atmosphärischen Ethno-Klängen hier und im ganzen Film grandiose Arbeit ablieferte.

Auch wenn sich die Botschaft am Ende nicht eindeutig herauskristallisiert: Rassismus und ebensolche Vorurteile sind falsch und man ist in einer multikulturellen Gesellschaft der globalisierten Welt auf Ausländer angewiesen. Es gibt keinen Ausweg, man kollidiert zwangsläufig miteinander – die Frage ist nur, wie man dem „Crash“ begegnet und gegenübersteht.

Fazit: Ein Highlight des Episodenfilms, welches bisher gestandene Genrefilme wie „Short Cuts“ weit in den Schatten stellt. Trotz der leichten Überzeichnung der Rassismus-Problematik: ein hoch anspruchsvoller Geniestreich, der durch die Wucht einiger sehr eindringlicher und intensiver Szenen erschüttert und tief bewegt.

8,6 von 10 Punkten


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