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Tiefseetaucher mit Steve Zissou, Die (2004)

Eine Kritik von Frankie (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 22.02.2005, seitdem 1830 Mal gelesen


Dieser Text könnte einige Spoiler enthalten.


Filme von Wes Anderson sind immer etwas anders, als vieles, was aus Hollywood herüber schwappt. Sie zeugen immer von einem gewissen Witz, Skurrillitäten, verlieren jedoch nie den Bezug zur Realität und tragen meist eine tiefgründigere Botschaft in sich, als man zu erst vermuten könnte. Dies trifft grob gesagt auch auf „The Life Aquatic with Steve Zissou“ zu.

Besagter Steve Zissou (Bill Murray) ist ein großer Ozeanologe und Filmemacher, der seinen Zenit jedoch längst überschritten hat. Bei seiner letzten Expedition musste er mit ansehen, wie sein bester Freund Esteban von einem Jaguar-Hai, oder sowas Ähnlichem, gefressen wurde. Er schwört daraufhin Rache und möchte den Hai töten. Leider fehlt ihm nach seinem letzten Flop das Budget. Auch seine Frau Eleanor (Anjelica Huston), von der er sich entfremdet hat und die als Gehirn von „Team Zissou“ gilt, möchte ihm kein Geld vorstrecken. Doch aus heiterem Himmel taucht ein gewisser Ned Plimpton (Owen Wilson) auf, der behauptet, Steves unehelicher Sohn zu sein. Dieser ist bereit das nötige Geld vorzustrecken, welches er aus einer Erbschaft seiner Mutter erhalten hat. Doch Ned stößt schnell auf die Mißgunst von Klaus Daimler (Willem Dafoe), einem sehr kantigen Mitglied von Zissous Team. Zu allem Überfluss taucht auch noch die Reporterin Jane (Cate Blanchett) auf, die unbedingt einen Artikel über Steve schreiben möchte.
Nachdem die Startschwierigkeiten behoben sind, begibt sich der illustere Haufen auf See. Doch auch hier tauchen schon bald Probleme auf. Schnell hat Ned ein Auge auf die schwangere Jane geworfen und auch Steve und Klaus scheinen nicht ganz abgeneigt zu sein. Für Jane entpuppt sich ihr Idol Steve als großes Arschloch und auch die Ausrüstung der Crew ist kurz vor dem Exitus. Aus diesem Grund wird erst einmal das Hochseelabor von Steves Rivalen Alistair Hennessey (Jeff Goldblum) geplündert. Langsam beginnen auch Steve und Ned sich näher zu kommen, als plötzlich wilde Piraten das Schiff überfallen und den Aufpasser der Versicherung als Geisel nehmen. Schnell wird ein Rettungsplan entworfen, um die Geisel und die Bordkasse zu befreien. In einem halsbrecherischen Manöver riskieren Steve und seine Crew ihr Leben und es kommt zu Verlusten...

Wie man sicherlich feststellen konnte ist die Story gespickt mit vielen kleineren Handlungen, zwischenmenschlichen Begegnungen, die man gar nicht alle beschreiben kann. Ich habe versucht den groben Plot zusammenzufassen, an dem man aber auch erkennt, dass sich der Film nicht wirklich allzu ernst nimmt. Die ganze Ausstattung, die Sets und die Special Effects sehen aus wie aus einem Cartoon oder Traum. Das Schiffsmodell erinnert mehr an eine wacklige Theaterkulisse, als an einen Hollywood Film. Doch dies alles macht den Film viel sympathischer, als die überladenen Blockbuster. Auf den ersten Blick scheint der Film mehr oder weniger eine Parodie auf den Dokumentarfilm bzw. Film allgemein darzustellen, was durchaus auch richtig ist. Dazu tragen unter anderem die Szenen am Anfang beim Filmfestival bei, ebenso wie die Szene bei der Preisverleihung gegen Ende. Auch gibt es immer wieder Seitenhiebe auf die Entstehung von diesen Dokumentarfilmen, wenn z.B. gezeigt wird, wie man vertont hat, wie das Material geschnitten wurde oder auch die Anspielungen auf Jacques Cousteau. Dazu tragen unter anderem die total überzeichneten, klischeehaften Charaktere bei, was hier nicht negativ zu verstehen ist. Diese parodierenden Elemente kommen wirklich gut zur Geltung und diese Botschaft wird gut durch den Film transportiert. Auf der anderen Seite verdeutlicht der Film aber eben auch diverse zwischenmenschliche Probleme und Aspekte. So ist besonders die Entwicklung Steves zu seinen Mitkameraden, zur Ehefrau und zum angeblichen Sohn von entscheidender Bedeutung. Am Anfang erkennt man in ihm noch den Mann, der von seinem großen Ego geblendet wird und die Menschen dementsprechend schlecht behandelt. Im Laufe des Films kommt es jedoch zu einer Wandlung und Selbsterkenntnis, wodurch sich auch sein Verhalten gegenüber dem Team und seinen Liebsten ändert. Er wächst schier über sich hinaus, wenn es dann darum geht die in Gefahr schwebenden Personen zu retten, was sich dann in herrlichen Szenen wiederspiegelt, die aus einem billigen 70iger Jahre Actioner stammen könnten. Die Einmannarmee Zissou bahnt sich den Weg durch die gegnerischen Horden, die Munition schier unendlich, der Körper scheinbar unverwundbar. Typisch Wes Anderson könnte man dazu sagen.
Ein weiterer interessanter Charakter, den man näher betrachten sollte ist Ned Plimpton, der schon seit seinem Kindesalter ein riesiger Zissou Fan ist. Dieser behauptet nun Steves Sohn zu sein. Im Film gibt es jedoch immer wieder Andeutungen, dass dies nicht wahr sein kann, sodass hier das Wunschdenken Neds sein Antrieb ist. So lässt sich der Film aus einem anderen Winkel betrachten. Es kommt einem so vor, als wenn man sich vielleicht in einem Traum Neds befände, was dann auch die total überzogene Story, Effekte usw. erklären könnte. Dem muss jedoch nicht so sein. Auffallend ist auch, dass Steve anscheinend merkt, dass Ned nicht sein Sohn sein könnte, ihn jedoch wie seinen eigenen Sohn behandelt, da er ihm sozusagen den rechten Weg weist. Wie man den Film nun ansieht, klar ist jedoch, dass sich hinter der grotesken Schale, welche durch exzellente Kameraarbeit, ich verweise nur auf die Szene, wo man den aufgeschnitten Bootsrumpf sieht und die Kamera die Akteure von außern verfolgt, eingefangen wurde, ein Kern befindet, über den man sich ruhig Gedanken machen kann und sollte. Vielleicht ist ja einer der Charaktere sein Spiegelbild und man kann lernen sich selbst zu erkennen. Trotz aller positiven Eindrücke gibt es natürlich auch etwas zu mäkeln. Einige Szenen, so nett sie auch aussehen, sind doch ein bisschen zu lang gezogen und besonders zur Mitte hin verliert sich der Film, der eben auch durch seine Optik und Dynamik lebt, zu sehr in relativ belanglose Szenen und Dialoge. Hier entsteht zum Teil ein Gefühl von Langeweile. Zum Glück sind diese Passagen meist recht kurz, sodass einem der Film trotz seiner Laufzeit von knapp zwei Stunden nicht zu lang vorkommt.
Einprägend bei diesem Film ist aber auch die Musik, welche nahezu komplett von David Bowie stammt; wohl kaum ein Zufall. Der Clou hierbei ist jedoch, dass viele Stücke von einem Mitglied von Zissous Team auf portugiesisch neu interpretiert worden, und er sie mit der Gitarre begleitend, vorträgt. Dies ist schon fast ein Running-Gag, da diese Person immer wieder auftaucht und sein Liedlein trällert, was aber ebenso eine wohlige Atmosphäre schafft.

Wie sicherlich bemerkt wurde, strotzt dieser Film nur so von Stars. Das Hauptaugenmerk fällt sicherlich auf Bill Murray, der hier eine wunderbare Leistung abliefert. Sein Timing, der Wortwitz sind grandios, genauso wie sein Vermögen sich in den Charakter Zissous herein zu versetzen. Er gibt ihm diesen Schub Glaubwürdigkeit, man kann sich teilweise mit ihm identifizieren. Ihm zur Seite steht Owen Wilson, der hier beweisen darf, dass auch er Talent zum Schauspielern besitzt. Die Rolle des naiven Träumers Plimpton scheint ihm wie auf den Leib geschnitten zu sein und er geht wahrlich in ihr auf. Cate Blanchetts Darbietung ist gewohnt routiniert, kann jedoch den direkten Vergleich mit Wilson und Murray nicht ganz standhalten, da es nicht ganz so engagiert wirkt und der Funke nicht recht überspringen möchte.
Anjelica Huston scheint für die Rolle der Eleanor wie geschaffen zu sein. Ihre Gesichtszüge passen perfekt zu der Zigarillo rauchenden, leicht verbitterten Frau, die zum Ende hin wieder Herzblut hat und aufblüht.
Als letzter Schauspieler wird Willem Dafoe betrachtet, der für skurrile Rollen prädestiniert zu sein scheint. Auch er scheint große Freude daran empfunden zu haben, diese groteske Person Klaus Daimler darzustellen, was man an seinem herzerfrischende Spiel sieht.
Es gibt jedoch noch viel weitere Akteure in dem Film, die man eigentlich noch hätte erwähnen können, da sie eine wirklich gute Leistung abliefern, doch das würde zu lange dauern.

Wem kann man denn diesen Film ans Herz legen?
Grob gesagt sicherlich allen Wes Anderson Fans, freunden von skurrilen Komödien, die aber auch Interesse an der Story dahinter haben. Liebhabern von Filmen der Marke Dampfhammer, deren Witze oftmals tief unter die Gürtellinie gehen und eigentlich nur durch Fäkalhumor auffallen können, muss man hier sicherlich abraten.


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