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Unglaublichen - The Incredibles, Die (2004)

Eine Kritik von Private Joker (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 23.12.2004, seitdem 388 Mal gelesen


So ein Superheld in Amerika hat es wirklich schwer - ein oder zwei nicht ganz geglückte Rettungen, und schon hat man hohe Schadensersatzklagen am Hals. So geht es dem mit gewaltigen Körperkräften gesegneten Mr. Incredible, der danach samt ebenfalls heldenkräftiger Angetrauter Elastigirl in ein unfreiwilliges Normalo-Leben mit 3 mehr oder weniger niedlichen Super-Kindern abgeschoben wird und bei einer Versicherung Klienten abwimmeln darf. Doch das Dasein als Burb und Großraumbüroinhaber ist so gar nichts für einen echten Helden, da kommt der vermeintliche Ruf zu neuen Taten gerade recht.

Kurz vor Ende des Deals mit Disney verlässt die Trickfilmschmiede Pixar erstmalig die eingetretenen Pfade. Keine Knuddel-Monster oder putzige Fischlein mehr, statt dessen gibt es ausschließlich (wenn auch eher skurrile) Menschenfiguren, und auch der bislang durchweg kinderkompatible Humor tritt streckenweise sehr weit in den Hintergrund. Optisch zieht der Film in der Tat alle Register. Von derart wilder und gleichzeitig perfekt aussehender Action können Realfilm-Regisseure vermutlich noch die nächsten 10 Jahre nur träumen. Egal ob Raketenangriffe auf ein Flugzeug, Duelle mit Robotern, Bond-artige Sequenzen in der Geheimbasis des Schurken, alles was in den letzten 50 Jahren im Action-, Abenteuer- und Agentenkino zu sehen war, ist hier im Angebot und wird in Punkto Einfallsreichtum und Speed nochmal getoppt. Dass die Computeranimation von Menschen nach wie vor ein Problem ist (Mr. Incredibles Gesicht etwa gerät streckenweise etwas teigig) fällt dabei dank des hohen Tempos und der fantastischen Hintergründe kaum auf.

Aber was ist mit dem Humor ? Da gibt es eine gewisse Erwartungshaltung an Trickfilme, die hier aber nur phasenweise erfüllt wird. Die erste halbe Stunde kann dabei noch als milde Satire auf den amerikanischen Way of Life durchgehen, nur was will der Film uns dabei eigentlich sagen: Wenn Du ein Superheld bist, zeig es auch ? "Nur" normal sein ist langweilig ?
Einige Szenen sind wirklich herrlich (vor allem die unter Beteiligung der putzigen Modeschöpferin), aber spätestens mit dem Auftauchen des Bösewichts (angeblich ein Lookalike des Regisseurs) treten der Humor und die Ironie zugunsten der Action fast völlig zurück. Die geniale Mischung aus Slapstick und Insider-Jokes a la "Shrek" erreichen die "Incredibles" wie eigentlich alle bisherigen Pixar-Produktionen jedenfalls nicht; vor allem die unvermeidlichen Film-Anspielungen sind dabei so kryptisch, dass sie ohne intensive Recherche kaum zu verstehen sind, insbesondere wenn sie sich auf Birds eigenes, wenig bekanntes Frühwerk "Der Gigant aus dem All" beziehen.

Mit der Diskrepanz zwischen genialer Optik und sehr zurückhaltendem Humor ist dann wohl auch zu erklären, dass der Film sowohl in Amerika als auch hier in Deutschland die Zuschauerzahlen der direkten Vorgänger vermutlich nicht erreichen wird. Irgendwie sitzt der Film zielgruppentechnisch etwas zwischen den Stühlen: Für die ganz Kleinen ist das Geschehen mit Sicherheit überfordernd und nicht niedlich genug, während sich der ältere Action-Zuschauer erst einmal daran gewöhnen muss, bei Disney fündig zu werden.

Noch ein paar Worte zur Synchronisation, die gerade hierzulande bekanntermaßen über den Erfolgsgrad von Trickfilmen maßgeblich entscheiden kann Nachdem die Sprecherauswahl in "Nemo" für meinen Geschmack ziemlich mißglückt war, hat man hier wieder überwiegend Volltreffer gelandet - M.M. Profitlich gewinnt alleine schon deshalb, weil er dem Hauptdarsteller verblüffend ähnlich sieht, ebenso Feuerstein als kleinlicher Boss. Einziger Ausreißer bleibt Kai Pflaume als Frozone.

Fazit: Wunderbar anzusehender, temporeicher und auf seine Art einzigartiger Action-Trickfilm, allerdings mit eher bescheidener Humordosis - als Superheldensatire bleibt das ganze etwas zu zahm. 8/10.


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