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Unglaublichen - The Incredibles, Die (2004)

Eine Kritik von Blade Runner (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 12.05.2005, seitdem 665 Mal gelesen


Pixar ist wieder da – dank „The Simpons“ – Kreativkopf Brad Bird (Regie und Drehbuch) reifer und erwachsener als jemals zuvor. Ein Umstand den ich persönlich sehr begrüße, weil die vorangegangenen Pixar-Welten zu sehr ihrer Infantilität frönten. Zwar fehlt noch der Anarcho-Humor meines unumstößlichen Lieblings Shrek, aber man ist definitiv auf dem richtigen Weg.

Schluss mit Spielzeug, Käfern, Monster und Fischen, nun dürfen endlich mal die Menschen heran und zwar eine ganz spezielle Spezies: Superhelden. „The Incredibles“ ist eine wunderbar kitschfreie Veralberung bekannter Superheldenmotiven, die gerade recht kommt, eroberten in jüngster Vergangenheit doch eine Marvel-Figur nach der anderen die Kinoleinwände. Mit deren alltäglichen Problem räumt Brad Bird hier so richtig auf.

Wer achtet schon darauf, was bei deren Rettungsmaßnahmen alles so zu Bruch geht? Eigentlich niemand, doch in Birds Welt zeigt die Bevölkerung sich langsam von den immensen Schaden, den die Helden während ihrer Aktionen fabrizieren, wenig begeistert und überzieht sie mit Schadensersatzfolgerungen. Folgerichtig müssen die Weltenretter ihren Anzug an den Nagel hängen und ihrer Scheinidentität nachgehen. Nicht jedem schmeckt das. Wie auch, wenn man jahrelang die Menschen vor allem Übel beschützt hat?

Mit viel Liebe zu seinen Figuren etabliert Pixar die Familie Parr. Zum Nichtstun verdammt, dürfen sie ihre Superkräfte nicht einsetzen. Vater Bob geht gelangweilt seinem Bürojob nach, die Kinder Dash und Violet probieren ihre Kräfte heimlich und Mutter Helen ist streng darum bemüht ein normales Leben zu führen. Nicht einfach, wenn die Tochter sich unsichtbar machen und Kraftfelder erzeigen kann und der Sohn schneller als das menschliche Auge ist. Als dann Bob des normalen Lebens überdrüssig ist und einen Geheimauftrag annimmt, steckt bald die ganze Familie im Kampf gegen einen größenwahnsinnigen Fiesling.

Technisch ist auch dieser Pixar wieder über jeden Zweifel erhaben. Man hat seit „Finding Nemo“ schon wieder enorme Fortschritte gemacht und speziell die finale Zerstörungsorgie in der Großstadt ist enorm beeindruckendes Pixelkino. Die wahren Stärken von „The Incredibles“ sind jedoch ihrer liebenswerten Charaktere und der intelligente Humor. Während das jugendliche Publikum die bunte Welt begafft, lacht der erwachsene Herz endlich mal über die unzähligen Anspielungen und die geschickte Demontage längst profilierter Superheldenmotive.

Da arten Streitigkeiten innerhalb immer wieder in größere Tumulte aus, weil Kräfte zu Hilfe genommen werden - alles in einem aufgepeppten Retro-Look gehalten. Der Superheld wird von alltäglichen Problemen überrollt, weil er seine Fähigkeiten nicht nutzen kann und und und. Die erste Hälfte verbringt der Film nahezu durchgängig mit jener Veralberung ehemals gestandener Superhelden.

Die zweite Hälfte schwenkt dann in Richtung Effektbombast um. Es gilt die Menschheit vor Schaden zu bewahren und das schweißt zusammen. Die Kinder müssen sich Beweisen, die Eltern sich auf sie verlassen, nur gemeinsam ist man stark. Das gilt auf der exotischen Südseeinsel genauso wie später in der Stadt. Das Spektakel setzt neue Maßstäbe im Animantionsbereich und macht ungeheuer Laune, denn vom dezenten Zitieren von Klassikern bis hin zur Selbstironie kennt Birds Kreativität keine Grenzen.

Weder gibt es etwas an der liebevollen deutschen Synchronisation, noch an der musikalischen, auch oft an klassische Scores angelehnten, Musikbegleitung auszusetzen. Da fahren die Pixar-Mannen mit gewohnter Souveränität auf. Überraschend hingegen wie hochwertig das Drehbuch diesmal ausfällt. Der Zuschauer sollte hier natürlich keine intellektuellen Tiefgänge erwarten, aber für einen Animationsfilm stecken vor allem bezüglich Familiengefüge, Identität und Midlife-Crisis einige Botschaften im Film, die zwar nur der erwachsene Zuschauer versteht, auf dem Sektor aber nahezu gänzlich neu sind.


Fazit:
Den Platz an der Sonne verwehre ich „The Incredibles“, weil der nun mal unumstößlich meinem Liebling Shrek gebührt, nah’ dran ist Pixar dieses Mal allerdings. Visuell wie akustisch bombastisch, inhaltlich überraschend reif und mit viel intelligentem Witz ausgestattet, dürfen sich hier alle Freunde der gepflegten Animation eingeladen fühlen. So gerummst hat es in Pixelfilmen noch nie.


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