Jack the Ripper - Der Dirnenmörder von London (1976)
Eine Kritik von bobfrost (Bewertung des Films: 5/10) eingetragen am 26.03.2009, seitdem 447 Mal gelesen
Eines der knapp 200 Werke des B (oder C-)-Vielfilmers Jess Franco. Nur von B oder gar C ist hier nicht viel zu sehen. Ähnlich wie schon bei Liebesbriefe Einer Portugiesischen Nonne und den anderen Filmen mit dem Schweizer Erwin C. Dietrich (Sexfilmer und -produzent), die Mitte der 70er Jahre entstanden, kann man auch hier eine exquisite Kameraarbeit durch Peter Baumgärtner und schöne Kulissen bewundern-was einen unbedarften und vielleicht etwas voreingenommenen Franco-Film-Verreißer erst einmal irritieren wird.
Ja, auch der gute Jesus Franco kann, wenn er will...oder wohl eher, wenn er muss. Denn diese technisch höher gelegten Ansprüche sind wohl eher dem Produzenten zuzuschreiben. Vielen eingefleischten Franco-Fans wird eben diese, insgesamt qualitativ gesehen beste, "schweizer" Phase seines Schaffens nicht so sehr ansprechen.
Man muss jedoch gestehen, dass es sich hier neben Love Letters... um seinen wohl massentauglichsten Film handelt. Ob dies gleichbedeutend damit ist, dass Jack The Ripper sein bester Film ist, sei dahingestellt. Ich bin jedenfalls nicht dieser Meinung.
Zum ersten ist da das Problem, dass der Film nicht die rechte englische Atmosphäre aufkommen lässt. Man sieht einfach, dass es sich hier nicht um die Themse handelt. Zum anderen ist da ein Klaus Kinski (natürlich als The Ripper-wer sonst),der zwar sehr gut den von inneren Konflikten zerrissenen Dr. Orloff (! - Genre-Fans wissen, auf wen Senor Franco hier zurückgreift) darstellt, der aber auch sehr routiniert agiert. Anscheinend war nur Werner Herzog ein paar Jahre später imstande, das wirklich Letzte aus dem Egomanen herauszukitzeln. Vielleicht lag es ja auch an seiner Einstellung: "...dann dreh ich halt da zwei Wochen diesen Scheiß runter in der Schweiz..." oder so ähnlich waren seine Worte.
Aber an Kinski scheitert das Vorhaben natürlich nicht, dem Altbekannten eine neue Seite abzugewinnen. Aber das war wahrscheinlich ohnehin nicht das Ziel des Regisseurs. Man weiß von vornherein, wer der Täter ist und man konzentriert sich vielmehr auf die psychologischen Aspekte, wie es dazu kam und was ihn weiter antreibt. Natürlich spielt dabei die Mutter eine entscheidende Rolle.
Die Morde sind relativ brutal dargestellt-so z.B. auch eine wirklich abstoßende nekrophile Szene, in der The Ripper sich an seinem toten Opfer vergeht.
Richtiggehend langweilig wird es, wenn der Inspektor-gespielt vom sichtlich lustlosem Andreas Mannkopff-oder dessen Geliebte-dargestellt von einer einfallslosen Josephine Chaplin (Tochter des großen Charles Chaplin)-ins Spiel kommt. Andererseits wird es äußerst interessant, sobald der gute Herbert Fux auftaucht, der den Zuseher sofort für sich gewinnen kann. Und natürlich-über jeden Zweifel erhaben-Klaus Kinski.
Somit stellt dieses Werk ein ziemlich zweifelhaftes cineastisches Vergnügen dar. Es ist ein handwerklich solider Film mit teilweise guten Darstellern, aber doch-meines Erachtens-weit von Francos besten Arbeiten entfernt.
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