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Jack the Ripper - Der Dirnenmörder von London (1976)
Eine Kritik von Die Schaufel von Gnaghi (Bewertung des Films: 9/10) eingetragen am 19.11.2010, seitdem 244 Mal gelesen
Wenn es Nacht wird in London, der Nebel langsam durch die Straßen zieht und die Rülpser und Lacher aus den Bordellen nur noch gedämpft ins Ohr der Nachtgestalten dringen, dann zieht er los: Dr. Orloff, der getriebene Psychopath, den alle nur „Jack the Ripper“ nennen und den im finsteren London des Jahres 1885 noch nie jemand zu Gesicht bekommen hat, der dies nicht auch mit dem Leben bezahlen musste. Seine Opfer zerstückelt er auf brutale Weise, dann entsorgt er sie, unterstützt von einer geistig minderbemittelten Gehilfin, in der Themse. Tagsüber ist er ein geschätzter und freundlicher, wenn auch stiller Arzt, der aufopferungsvoll den Armen und Schwachen der Gesellschaft beisteht. Inspektor Selby von Scotland Yard, der gegen den wahnsinnigen Mörder ermittelt, tappt lange im Dunkeln und ruft das Mitleid seiner hübschen Braut Cynthia derart mächtig hervor, dass diese sich anschickt, sich als Freudenmädchen zu verkleiden und den Dirnenmörder selbst zu suchen. Eine eher suboptimale Idee ...
Er hat es tatsächlich getan: Jess Franco hat einen guten Film gedreht! Diese Version der Geschichte um den geheimnisvollen Mörder, dessen Identität niemals zweifelsfrei geklärt werden konnte, darf ohne Zweifel als die beste bezeichnet werden. Die historisch belegten Umstände der Mordserie sind dabei bestenfalls zweitrangig: Gedreht wurde in Zürich, die Themse weckt Assoziationen an den Maunzenweiher im Offenbacher Stadtwald, und die Band im Puff wird begleitet von einem heißen Jazz-Drummer. Geschenkt: Jess Franco macht aus dem Stoff den perfekten filmischen Mythos, auch und vor allem durch die überragende Besetzung der Hauptrolle mit dem unsterblichen Klaus Kinski. Kamera, Ausstattung, Schnitt und Musik sind grandios, und anders als in praktisch allen anderen Franco-Filmen gibt es kaum unfreiwillige Komik. Lediglich einmal gerät das Timing ein wenig außer Kontrolle, als Lina Romay deutlich zu lange von Kinski durch einen Park gejagt wird, jedoch gipfelt diese Szene in einen unvergesslichen Höhepunkt, wenn der Ripper sein Opfer abschlachtet und vergewaltigt – jawohl: gleichzeitig! Auch sei erwähnt, dass das Ende beinahe etwas dröge wirkt, allerdings sollte dabei bedacht werden, dass es ja tatsächlich niemals zu einer Verurteilung des Rippers gekommen ist. Allen Liebhabern des 70er-Bahnhofskinos sei dieser Film daher wärmstens ans Herz gelegt. Wer dagegen Wert auf historische und politische Korrektheit legt, sollte eher „Frontal 21“ gucken.
Fazit: Eine ästhetisch ansprechende und sehr unterhaltsame B-Movie-Perle mit anbetungswürdiger Titelfigur
9/10 Punkte
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