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Jack the Ripper - Der Dirnenmörder von London (1976)

Eine Kritik von Schwarz (Bewertung des Films: 6/10)
eingetragen am 14.07.2004, seitdem 515 Mal gelesen


In London geht ein Dirnenmörder um, die Polizei tappt bei der Suche sowohl nach dem Täter als auch nach dem Motiv im Dunkeln. Der Zuschauer wird hingegen sehr schnell damit konfrontiert, dass Klaus Kinski tagsüber ein angesehener Arzt ist, der großzügig Arme versorgt und als höflicher Gentleman gilt, nachts jedoch Frauen bestialisch tötet. Unser liebster Trashfilmer Jess Franco erklärt das Verhalten mit einem Trauma aus seiner Kindheit, wo Jacks Mutter als Hure für sein Seelenheil abträglich war. So werden wir dann gewahr, wie dank eines Blinden Geruchssinn, einer unverständlich aufopfernden Ballerina und einigen Huren als Opfer der berühmteste Frauenkiller der Neuzeit zur Strecke gebracht wird. Die wenigen sichtbaren Mordszenen sind absolut trashig umgesetzt, schocken tut das sicher niemanden, eher die francophile Gemeinde erheitern, die die rote aufgemalte Plakafarbe ja so lieben. Genau so verhält es sich mit den typischen Sleazeszenen, welche hier ganz annehmbar gestaltet sind und nicht so sinnlos deplaziert, wie in vielen Vergleichswerken, vor allem aber nicht so ätzend abstoßend wie in manch anderen. Dass der Film damals in Deutschland indiziert wurde, ist heute kaum noch nachzuvollziehen, sieht man mal davon ab, dass es sich inhaltlich um einen Serienkiller handelt, der eine Verquickung von Sex und Gewalt personifiziert. Trotz der unspektakulären Sex &Goreeinlagen kann "Jack The Ripper" als Spielfilm überzeugen. Das liegt zum Teil daran, dass Franco es schaffte, in Zürich so etwas wie nebliges London zu inszenieren, die schönen Altstadtsets können sich sehen lassen und verleihen dieser Schmuddelverfilmung des Frauenmörderklassikers eine durchgehende Atmosphäre. Die ist auch stark geprägt von den obskuren Gestalten, die der Billig- & Schnellfilmer vor die Kamera holte. Klaus Kinski als Ripper ist teils filmbestimmend das Zepter an sich reißend, jedoch stellenweise sichtlich unterfordert, wenn er mit drittklassigen Darstellern zusammen agiert. Josephine Chaplin wirkt in ihrer plumpen Art keineswegs wie eine Ballettänzerin und nicht zuletzt schräge Typen wie Herbert Fux sorgen für das besondere Billigflair mit Schmunzelgarantie. Das gilt auch für die freie Erweiterung der Fakten um einige Ungereimtheiten, die Franco dazudichtet, während er die Kamera für diesen netten Streifen zum Glück an Peter Baumgartner abgab, der seine Arbeit sauber machte. Damit ist "Jack The Ripper" einer der wenigen Filme von Jesus Franco, der auch nicht francophile Zuschauer erreichen könnte und dann durchaus atmosphärische Unterhaltung bietet, ohne allerdings in Schockergefilde vorzustoßen.

Fazit: Komisch und atmosphärisch gleichzeitig, Siebzigertrasher mit Kinski, eher etwas untypisch für Franco. 6/10 Punkten


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