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Demystifying the Devil: Biography Marilyn Manson (2000)

Eine Kritik von kinjo (Bewertung des Films: 3/10)
eingetragen am 04.02.2012, seitdem 103 Mal gelesen


Der Untertitel von DEMYSTIFYING THE DEVIL: AN UNOUTHORIZED BIOGRAPHY warnt den Betrachter bereits vor: von Herrn Manson selbst ist bis auf einige Ausnahmen nur wenig sehen.
Vielmehr richtet sich die Dokumentation an diejenigen, die sich für jene Ära interessieren, in der "Marilyn Manson and the Spooky Kids" Floridas Club-Szene der frühen 90er Jahre aufmischten. Der Fokus liegt daher auf Interviews mit zahlreichen Menschen, die damals Kontakt mit der Band hatten (ehemalige Bandmitglieder sowie als größtes Plus Mansons Exfreundin Missy Romero). Dabei strebt der tatsächliche Informationsgehalt allerdings mitunter bedrohlich gegen Null, wenn etwa irgendwelche Penner auf der Straße ihre Meinung zum Besten geben dürfen.
Einer Kunstfigur wie Marylin Manson, die sich hinter immer neuen Masken verbirgt, beizukommen und den Menschen Brian Warner dahinter freizulegen, gelingt auf diese Weise natürlich nicht. Aufschlußreicher sind da schon eher die kurzen Heimvideos, in denen Manson & Co. Passanten erschrecken oder in der Unterwäsche einiger Mädels wühlen - doch auch derartige authentische Aufnahmen gehören letztlich zum Selbstverständnis (und in gewissem Sinne zur Selbstinszenierung) eines Bürgerschrecks, der auszog, der amerikanischen Scheinmoral den Spiegel vorzuhalten, indem er durch gezielte Tabubrüche die Reflektion konservativer Wertvorstellungen erzwingt. Nur fallen diese in der Spooky-Kids-Zeit eben noch verhältnismäßig zahm und pubertär-verspielt aus.

Als Manson-Enthusiast kommt man aufgrund dieser Heimvideos, des Interviews mit Missy Romero sowie des nachträglich geführten Interwies mit dem aufgrund seiner Drogenprobleme aus der Band gemobbten Gidget Gein (das darum nur auf der DVD-Veröffentlichung zu finden ist) natürlich nicht um diese Dokumentation herum. FEAR OF A SATANIC PLANET gelingt aber insgesamt eine bei weitem differenziertere Darstellung der Spooky-Kids-Ära (wenngleich auch hier durch die Überbetonung des "satanistischen" Aspekts in Mansons Werk der Mythos vom Antichrist Superstar eher zementiert als demystifiziert wird). Und das Buch "Dissecting Marilyn Manson" von Gavin Baddely macht im Grunde genommen beide Filme überflüssig (dem Church of Satan-Mitglied Baddely sollte man allerdings ebenfalls nicht allzu leichtfertig trauen).

spookykids.net zufolge ist übrigens die DVD trotz 18er-Freigabe (die im Gespräch mit der  aus Mansons Autobiographie bekannten Domina Adina Slotsky - die mit dem Fleisch - begründet liegt, denn die Lady hat natürlich ihren Sklaven dabei und züchtigt ihn zwischendurch) leicht zensiert. Allerdings fehlt die kurze Szene, in der Manson seine Boa füttert auf der englischen VHS komplett, während sie auf DVD zumindest ansatzweise vorhanden ist. Man kann nun über Sinn und Unsinn solcher Sequenzen, die zum Alltag jedes Schlangenbesitzers gehören bzw. ihre (Geschmacks-)Zensur und damit genau die Art von politisch korrekter Heuchelei streiten, die Manson stets aufs Neue provoziert - oder aber (und das ist m. E. die beste Alternative) man besorgt sich die frühen Demo-Aufnahmen der Spooky Kids und erlebt so ganz unmittelbar, wie damals alles angefangen hat.

"I wanna grow up, I wanna be a big Rock and Roll Star!" (Lunchbox)

Geschafft hat er's jedenfalls!


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