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Mathilde - Eine große Liebe (2004)

Eine Kritik von Cinegate (Bewertung des Films: 7/10)
eingetragen am 01.12.2005, seitdem 649 Mal gelesen


Und wieder einmal untermauert die FSK ihre Sinnlosigkeit - Jean-Pierre Jeunets Kriegsfilm ist nicht so blutrünstig ausgelegt wie seine Kollegen von der anderen Seite des großen Teichs, besitzt aber noch genügend explizite Szenen, die meiner Meinung nach nicht für zwölfjährige Kinderaugen geeignet sind - so erinnert eine "Slasher"-Szene quasi 1:1 an einen Mord aus dem Puppen-Horror "Chucky und seine Braut". Wer weiss, anscheind stumpft zuviel Horror dann doch ab...
Zum Film! Audrey Tautou - 2001 durch "Die wunderbare Welt der Amelie" Ikone von diversen Pseudo-Cineasten (...man konnte das durch unzählige Studenten-Cafes grassierende "Französischer Film! Wunderschön!" kaum noch hören...) - sucht als körperbehinderte Mathilde nach ihrem Verlobten, der seit den Wirren des 1. Weltkriegs verschollen ist.
Jeunet inszenierte im Grunde einen Krimi im Kriegsfilm-Gewand, Mathilde bewerkstelligt dabei ihre Nachforschungen mit Bauernschläue und Mut zum Risiko. Die Regie legt da allerdings ein extrem hohes Tempo vor und man wird zuweilen sehr gefordert, um alle Details und deren Zusammenhänge zu erfassen, während die Informationen auf einen einprasseln und man dabei versucht, sich an den Bildern zu laben. Aber zum Finale werden alle Fäden geschickt zusammengeführt und es ergibt das stimmige Ganze.
Jeunets Inszenierung bietet im Grunde keine wirklichen Überraschungen - genauso so stellt man sich einen Kriegsfilm von dem "Amelie"-Regisseur vor. Was aber keine Anklage sein soll, denn die Bildgewalt ist schier überwältigend! Glitscht man in den Szenen der Bretagne gerne mal in den Postkarten-Kitsch, bilden diese aber einen effektiven Gegenpol zu den Rückblenden und dem Grauen an der Front. Die Action-Szenen sind ausgesprochen überlegt inszeniert und entbehren damit jeglichen dokumentarischen Anspruch. Sie besitzen eine wuchtige Kraft und vermitteln eindringlich das endzeitliche Flair.
Die Schlachtenbilder verklären trotz ihren malerischen Charakters nicht das Drama und Jeunet übt sich in flascher Bescheidenheit, wenn er im (sehr gehaltvollen) Audiokommentar Spielbergs "Saving Private Ryan" als besten Kriegsfilm überhaupt anpreist. So manche Kampf-Szene erinnert zwar in handwerklicher Sicht an Spielbergs berühmte erste 20 Minuten - die Jeunet auch freimütig als Inspiration angibt - doch im Gegensatz zum Ami-Epos bezieht Jeunet keine Stellung. Es gibt weder den heldenhaften Franzosen, noch den niederträchtigen Deutschen. Die Soldaten liegen alle im gleichen Dreck und jeder kämpft ums pure Überleben ohne hehre patriotische Ziele. Diese bedingungslose Einigkeit der Schicksale betont eine Facette des Films, die man bei anderen Kriegsfilmen eher vermisst - Menschlichkeit.
Mathildes unbeirrbarer, fast krankhafter Wille ihren Verlobten trotz aller Widrigkeiten lebend zu finden sowie diverse göttliche Fügungen untermauern die Romantik des Films, verleihen "Mathilde" Wärme, Hoffnung und das große Gefühl, dass am Ende die Liebe über jede Katastrophe obsiegt.

Französischer Film! Wunderschön!


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