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Terkel in Trouble (2004)

Eine Kritik von Karotte84 (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 20.03.2009, seitdem 325 Mal gelesen


 Wie beinahe immer in einer Schulklasse, so gibt es auch in diesem Film zwei Verlierer: einen männlichen - Terkel die Heulsuse, und einen weiblichen - Dorit, die fette Kuh. Beide werden sie gemobbt, Terkel regelrecht verfolgt. Als in Verdacht kommt, dass beide ein Liebespaar seien, wehrt sich Dorit tapfer mit der Frage, was daran denn so schlimm wäre. Terkel aber lässt sie im Stich und schließt sich dem Mobbing an, warum sollte er denn auf so eine fette Kuh stehen. Von da an ist Terkel nicht mehr die Zielscheibe und zählt seine ehemaligen Peiniger sogar zu seinen Freunden. Dabei vernachlässigt er seinen einzigen wirklichen Kumpel Jason.

Der Film enthält somit ein Storykonstrukt aus dem viel Pathos herausgeholt werden könnte und lässt dieses am Ende absichtlich, im Austausch gegen ein klischeehaftes, abgedrehtes und an den Haaren herbeigezogenes, Actionende, gegen die Wand fahren. Entweder kann dies nun als pädagogisch völlig wertlos bezeichnet werden oder man erkennt es als Chance, welche dem Zuschauer gegeben werden soll, nämlich sich seine eigene Meinung zu bilden.

Dies habe ich getan und es hat seine Zeit gedauert bis ich mich entschlossen habe,  "Terkel in Trouble" als ein wahres Juwel im Jugend- und Animationsbereich zu betrachten. Der Film wirbt im übrigen damit "bunt, schrill, drastisch" und eben auch "pädagogisch völlig wertlos" zu sein. Allerdings kann ich mich nur den ersten Eigenschaften anschließen, denn tatsächlich enthält Terkel sehr wohl jede Menge Moral. Erfreulicher Weise wird dem Zuschauer eben nicht der Zeigefinger vorgeführt, - letzten Endes versucht der Film in der Schlußszene sogar durch den Erzähler noch den Inhalt jeglicher Moral abstreiten. Geschickt gemacht. Der Inhalt macht umso mehr Spaß, da schwierige Aussagen stets mit einem Augenzwinkern versehen sind.
Als Beispiel möchte ich das Lied "vom kleinen Quan" anführen, welches von Ex-Waldorf-Lehrer Gunnar auf einem Schulausflug vorgetragen wird. In diesem geht es um das Schicksal eines verarmten und verwaisten Kindes in Thailand. Sollte das Geld, welches er mit Perlentauchen und Prostitution verdient, nicht für Nahrung reichen, kauft er eben eine Tube Kleber. Ich denke, dass der Inhalt dieses Liedes recht beeindruckend das schwarzhumorige Potential des Filmes aufzeigt. Die falsche Reaktion einer Zuhörerin auf die dem Lied innewohnende Moral ("Der Quan tut mir irgendwie total Leid und dann machts bei mir Wow, also... sowas könnte mir mal ja auch mal passieren...") verstärkt diese noch, da dieses Verhalten sofort als heuchlerisch durchschaut wird.

Ohne weiter auf Story und Details einzugehen, kann ich dem Film eine Drastik zusprechen, welche beim ersten ansehen überrascht und teilweise aufstoßen lässt. Dabei ist es schön zu sehen, dass diese gezielt gesetzte Übertreibungen und Provokationen für das Publikum sind. In diesem Zusammenhang wird auch die FSK12 gern erwähnt und das diese erstaunlich niedrig gewählt sei. Ich denke das kommt daher, dass die FSK dem Film durchaus abnimmt, dass die entsprechenden Momente eben nicht zum Selbstzweck enthalten sind. Eine der Szenen die wirklich vom Hocker haut, ist zum Beispiel Resultat des Mobbings. Aus meiner Sicht finde ich es wichtig Auswirkungen und Folgen von Gewalt (auch psychologischer) zu zeigen. Dies wird ja gerne mal verschwiegen (hat hier jemand etwa RTL2 gesagt?).

Ein weiteres Merkmal, welches "Terkel in Trouble" als einen Film der besonderen Sorte auszeichnet, ist die Mitarbeit von Bela B. Felsenheimer von "Die Ärzte". Dieser spricht sämtliche Charaktere und ist auch für die deutschen Texte der Songs verantwortlich. Das erste Lied des Film ist noch wie im Zeichentrick erwartet, aber zu dem Zeitpunkt hält der Zuschauer den Film auch noch für harmlos. Für meinen Teil kann ich sagen, dass ich die restlichen Songs sehr mag und in der Tat manchmal die DVD nur einlege um mir die Lieder anzuhören. Das Liebeslied "Lady mit Stil" ist ein echter Ohrwurm und passt zum sonstigen Repertoire von Bela. Es gibt also nichts was dagegen spricht den Film im Regal neben "Richy Guitar" zu stellen.

Gesamt: 9/10


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