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Havoc (2005)
Eine Kritik von sebolon (Bewertung des Films: 2/10) eingetragen am 04.08.2006, seitdem 377 Mal gelesen
Als erster Vergleich kam mir Black&White von James Toback aus dem Jahre 1999, ein überaus mäßiger Film...der selbe Eindruck drängt sich mir bei Havoc auf. Er ist auch nur ein sehr mäßiger Film. Barbara Kopple ist zwar gewillt etwas von ihrer grundlegenden Dokumentation abzuweichen und einen richtigen Spielfilm zu machen, allerdings kommen die Elemente des Dokumentarischen dann doch wieder sehr stark zum Vorschein. Dies heißt zwar nicht gleich, dass ein Film über dieses Thema schlecht sein muss.Was uns die beiden Protagonisten da an Ghettodokumentation unterbreiten ist dann aber doch eher mangelhaft. Doch ich will nicht ganze Zeit über zwei Filme sprechen, sondern beim eigentlichen Thema Havoc bleiben.
Also, der Film ist eine Mischung aus Dokumentation und Drama. Mir kommt es so vor, als könnte sich Barbara Kopple nicht ganz entscheiden, was ihr lieber ist, ob sie jetzt mal ein richtiges Drama vom Stapel lassen will oder doch in ihrem gewohnten Gebiet der Dokumentation bleiben will. Hier finde ich dann aber schlimm, dass die dokumentarischen Sequenzen doch eher fiktiv gesehen werden müssen, da sich solche Klischeehaftigkeiten doch wohl eher niemals in der Realität durchsetzen können. Ohne Frage gibt es auf der Welt Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben einen gewissen Lebensstil zu kopieren, eine gewisse Art von Musik zu hören und auch einen gewissen Code zu sprechen. Das diese Plagiate dann aber so klischeehaft zu Werke gehen und zum Teil so plump handeln wie in Havoc, das, denke ich, dürfte dann wohl eher zur Ausnahme der Regel gehören und keinesfalls representativ sein. Mich macht es fast schon traurig, mit welcher "Eleganz" Barbara Koople hier im Porzelanladen haust. Ein Elefant wäre wohl sensibler gewesen...
Als Gesellschaftsdrama lasse ich den Film dann aber auch nicht durchgehen, da die Verhaltensmuster so ungenau gezeichnet worden sind (man erfährt über die Hintergründe der Personen rein gar nichts). Es macht keine Spaß sich den Film unter den dramturgischen Beweggründen, die er zwangläufig hat, wenn es um Latinos in Ghettos geht, zu beobachten. Man kann sich schlichtweg nur berießlen lassen von unterdurchschnittlichen Schauspieler, die irgendwie versuchen das Thema, das ihnen Barbara Koople vorgegeben hat, krampfhaft dramatisch auf die Leinwand zu bekommen.
Für mich versagt der Film einfach auf ganzer Linie, überhaupt nach den Gesichtspunkten, die er sich selber auf die Fahnen geschrieben hat. Es ist unverständlich, warum Barbara Kopple nicht sensibler und mit mehr Recherche an den Film gegangen ist. Auch in Sachen Brutalität oder Skandalösität ist der Film einfach grottenschlecht. Es ist kurz gesagt ein Kindergarten-Film für pubertierende Jugendliche.
Die einzigen Pluspunkte bekommt der Film von mir dafür, dass zum Teil die Rap-Lieder, die für den Film ausgewählt worden sind, aller erste Sahne sind. Aber dies kann das Gesamturteil des Films auch nicht mehr in die Höhe ziehen.
Vergleich mit Filmen von Larry Clark lasse ich ebenfalls auch nicht gelten, da Filme von diesem Regisseur wesentlich brutaler und grenzenloser sind, als dies was uns bei Havoc gezeigt wurde. Man muss ich nur einmal zehn Minuten von Havoc und dann zehn Minuten von Ken Park reinziehen, dann merkt man sofort mit welcher Schlagzahl Larry Clark arbeitet und im Vergleich dazu seine Herausforderin Barbara Kopple. Da muss sie schon noch einige Jahre in die Lehre gehen, bis sie annähernd mit dem großen Meister des grotesken Jugenddramas Schritt halten kann...
Man kann sich diesen Film schon anschauen, allerdings ist es einem oft peinlich, wie "behindert" sich die Protagonisten zum Teil aufführen. Man kommt sich manchmal vor, wie in der Anstalt. Sie sind nicht mal Plagiaten von O.G.'s würdig. Ehrlich gesagt ist der Film am besten mit dem Video von einem Lied von The Offspring - Pretty Fly (for a white guy) - vergleichbar. Dieses Lied ist allerdings Sarkasmus pur, also ein völlig anderer Stil als der, den Barbara Koople mit ihrem Film ausdrücken wollte.
2.0/10 Punkte
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