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Stromberg [TV-Serie] (2004)

Eine Kritik von Trooper Death (Bewertung des Films: 10/10)
eingetragen am 02.12.2005, seitdem 1209 Mal gelesen


Quizfrage: Was würde eine Katze tun, wenn sie ein Pferd wäre? (Auflösung unten...)

Als ich Stromberg das erste Mal sah - zu meiner Schande muß ich gestehn, daß mir zu diesem Zeitpunkt weder Christoph Maria Herbst ein Begriff war, noch hatte ich von der Serie je zuvor gehört - hielt ich das Ganze kurzzeitig für eine dieser Reportagen, wie man sie heutzutage zu Hauf im Deutschen Fernsehen sieht. War eigentlich schon am Einschlafen. Zapp, zapp, irgendwas Stinklangweiliges mußte her. Bürohengste beim Smalltalk? Bingo! Genau richtig, um friedlich wegzuschlummern. Dachte ich ...

Bis, ja bis ich mich plötzlich senkrecht im Bett sitzend wiederfand! Hatte dieser hemdsärmlige Krawattenträger da eben wirklich gesagt, was mir meine Ohren im Halbschlaf vorgaukelten?! Behinderte sind praktisch auch Menschen?! Hundert pro?! Und all die anderen Randgruppen, Schwule, Frauen, alles supi soweit, solange es nur menschlich stimmt?! Näää, das hat der nicht gesagt! Oder doch? Konnte doch kein Zufall sein, daß meine Finger plötzlich Richtung Lautstärkeregler wanderten. Was mir in der Folge widerfuhr, kann man mit Worten nur unzureichend beschreiben. Wer eine ungefähre Ahnung bekommen möchte, stelle sich einen im Bett sitzenden Menschen vor, die Hände wieder und wieder auf das Deckbett schlagend, von einem Lachanfall in den nächsten hüpfend! Das Ganze lediglich unterbrochen von einem Gröhler hier, dutzenden Gröhlern da, muhahahaaaa! Also eins sag` ich euch, von dem Erlebnis erzähl` ich noch meinen Enkelkindern!

Kommen wir zu besagtem Krawattenträger! Bernd Stromberg heißt er, sieht aus wie `ne Mischung aus Heinz Rennhack, Rumpelstilzchen, Al Bundy und `nem früheren Klassenkameraden, an den ich mich nur äußerst ungern erinnere. Doch wer oder was ist denn nun eigentlich dieser Stromberg? Lassen wir ihn am besten selbst zu Worte kommen! Famlienstand: "Ledig ... also Single ... bzw. verheiratet ... aber momentan nicht ... also geschieden ... bald ... ." Soviel dazu! Was er sonst noch ist? Ressortleiter ist er, jawoll ! Bei der Capitol-Versicherung, zuständig für den Bereich Schadensregulierung, Buchstabe A bis L ... ääähh ... freudscher Verschreiber! M bis Z natürlich! Mit den "Vollverlierern" aus der Abteilung A bis L hat Stromberg nun wirklich nichts am Hut! Mit Türke Turculu, Chef der Vollverlierer, schon gar nicht! Doch Stromberg ist nicht einfach nur ein Ressortleiter. Weit gefehlt! Kompetent in jeder Beziehung ist er nämlich obendrein, führungsstark sowieso, außerdem immer fair und zuvorkommend gegenüber seinen Untergebenen, kurz: der geborene Chef ! Kein Mensch sieht das so, nicht einer! Doch wen kümmert schon, was ein Haufen "Diplomübelnehmer" über Stromberg denkt! Das Leben ist kein Wunschkonzert und den Vorgesetzten kann man sich nunmal nicht aussuchen! Schließlich würde er, der Stromberg, auch lieber in der Sonne liegen oder auf ner prallen 17jährigen!

Aufgemacht ist das Ganze als (Pseudo-)Reportage. Stromberg & Co. interagieren mit der Kamera, die sie in ihrem Alltag begleitet. Wer im "falschen" Moment reinzappt, könnte - wie bereits angesprochen - kurzzeitig auf die Idee kommen, es handele sich um eine echte Reportage. Spätestens wenn Stromberg das erste Mal den Mund aufmacht, dürfte der Groschen dann allerdings mit Lichtgeschwindigkeit fallen! Da Herbst allen die Show stiehlt, tritt der Rest der Darstellerriege - von Ernie mal abgesehen - naturgemäß etwas in den Hintergrund. Allerdings agiert die gesamte Mannschaft durch die Bank authentisch und professionell - da gibts im Grunde nicht viel zu meckern. (Selbiges gilt auch für die meisten Gastdarsteller.)

Bjarne I. Mädel spielt den geborenen Verlierer Berthold "Ernie" Heisterkamp, dem Samariter Stromberg am liebsten `ne Stunde im Puff spendieren würde, "damit das Elend mal aufhört, da untenrum". Lars Gärtner ist Becker, der neue Chef, von dem sich Stromberg, der sich ohnehin für den besseren Chef hält, wie "Karl Arsch bei der Musterung" behandelt fühlt. Vorher tötete ihm Chefin (und Turculu-Sympathisantin) Tatjana Berkel - von Stromberg "Tuberkel" genannt - den Nerv. Oliver "Deisler" Wnuk mimt Ulf Steinke, der mit Kollegin Tanja (Diana Staehly) verbandelt ist. Und dann wäre da natürlich noch Sachbearbeiterin Erika Burstedt, dargestellt von Martina Eitner-Acheampong, die mit den "dicken Wurstfingern", von der Stromberg - wenn er sie nicht gerade mit Hitler vergleicht - schonmal "Blitz-Herpes" kriegt. Eigentlich hat Stromberg den Haufen ganz gut unter Kontrolle. Oder auch nicht, wie man`s nimmt. "Büro ist, wie unter lauter Haien zu schwimmen. Du brauchst nur einmal Nasenbluten zu kriegen und schon ist Feierabend. Die warten ja nur alle darauf, daß du ... ääh .. da kannst du jahrelang die Kuh gewesen sein, die den Karren vom Eis ... sobald du einmal bockst, sobald du einmal einbrichst im Eis, sind die Haie gleich da!" Strombergs Analyse der Dinge. Wie man sieht, gibt sich der Gute (oder Böse?) keinen Illusionen hin, was seine Beliebtheít anbelangt.

"Ich komm mir vor wie Jesus am Ostersonntag! Kreuz weg und so weiter und jetzt nochmal tüchtig in die Hände gespuckt!" Nur ein Geniestreich von vielen, die einem Folge um Folge unterkommen! Warum ich hinter fast jeden Satz `n Ausrufezeichen setze? Sonst eigentlich nicht meine Art. Da, schon wieder eins! Und noch eins! Nicht annähernd genug! Besser eins zuviel als eins zu wenig, denn dieser Stromberg ist tatsächlich, was er im Namen trägt: ein Berg! Ein Riese von einem Komödianten, wie er nur alle 100 Jahre geboren wird! Doch ist Herbst überhaupt ein Komödiant? Klar ist er einer, allerdings keiner im herkömmlichen Sinne. Fängt bereits damit an, daß man dem Manne das Schauspielern nicht wirklich anmerkt. Hört sich komisch an, ist aber so. Der scheint so zu sein, scheint zu sein, was er darstellt ... spielt nicht, LEBT ... lebt die Rolle, ist Stromberg! Ein Zyniker, Egomane, Stinkstiefel, aber einer zum gern haben! Sowas gibts nicht? Jetzt schon!

Wie war das noch gleich mit Adam und Eva? Egal, bei Stromberg heißt es eh: "Adolf und Eva". (Mit Jesus steht er trotzdem auf du und du!) Wie? Zuviel schwarzer Humor tut nicht gut? Tut sogar weh? Klar doch, den Lachmuskeln! Situationskomik in Perfektion, sarkastische Wortspielchen & fiese Seitenhiebe am Fließband (inklusive passendem Blick in die Kamera!), die ganze Klaviatur, hoch und runter, runter und hoch, durch und durch professionell umgesetzt, bombastisch! Und der Clou ans Janze: der Mann kennt keinerlei Tabus! Wenn`s unter die Gürtellinie geht (falls sowas bei Comedy überhaupt möglich ist), bekommt beinahe jede Minderheit ihr Fett weg! Beispiel gefällig? "Der Türke kann Kaffe, Döner, Bauchtanz, mehr nicht! Das ist kein Vorurteil, sondern historisch erwiesen! Die alten Griechen, die haben historisch was geleistet, aber der Türke - da wirds eng!" Fast schon ein Mythos ist die Sache mit dem Diplom - selbst unter den eingefleischtesten Stromberg-Fans ist man sich nicht einig, was er denn nun wirklich genuschelt hat: "Jodeldiplom" oder "Judendiplom" ? Was auch immer er gesagt hat, zuzutrauen ist Stromberg alles! Und das ist gut so! (Stromberg über sich selbst: "Ich bin einfach offen und ehrlich!") Apropos "weh tun", wenn bei Stromberg irgendwas WIRKLICH weh tut, dann sind das die oberpeinlichen Momente, in denen Stromberg sich mal wieder voll in die Nesseln setzt! Von allen ignoriert zu werden, sich vor versammelter Mannschaft zu blamieren, obwohl er sich doch solche Mühe gibt, den coolen Chef raushängen zu lassen, aua, das tut RICHTIG weh!

Man stelle sich einen lästernden Harald Schmidt in zehnter Potenz vor, denke sich das Gesicht von Herbst hinzu, das feixend, unschuldig oder auch beschämt in die Kamera schaut und stelle sich am Ende die Frage, ob man Stromberg überhaupt übel nehmen KANN, was er da so von sich gibt ... (erstmal können vor Lachen!) ... oder ob man dem großartigen Darsteller nicht einfach Respekt für seine bestechende schauspielerische Leistung zollt! Keine Frage, ich tendiere 150%ig zu letzterem und verneige mich bis zu den Zehenspitzen vor einem der größten Könner, der mir im Fernsehen je untergekommen ist! Der Vergleich mag hinken, da Stromberg mehr der Selbstdarsteller ist, doch was sein fehlendes Unrechtsbewußtsein (die Selbstverständlichkeit, mit der er "sein Ding" durchzieht) anbelangt, ist er noch am ehesten mit "Ekel Alfred" zu vergleichen, der es bekanntlich wie kein Zweiter verstand, sich auf Kosten seiner Mitmenschen zu profilieren. Stromberg toppt ihn! (Wenn DAS kein Gütesiegel ist, was dann?!) Allerdings kann er auch anders. Als es darum geht, die dicke Erika wegen Diebstahls vor die Tür zu setzen, macht er sich für sie stark und zeigt deutlich Mitgefühl. Ganz so eindimensional tickt er dann doch nicht!

Die Art des Humors lehnt sich an den bereits erwähnten Harald Schmidt an, der sich als einer der ersten erfolgreich an bissiger Comedy versuchte. Ob Stromberg ihn ebenfalls toppt? Schwer zu sagen, da Schmidt zweifellos ein Großmeister seines Fachs ist. Aber adelt ihn nicht schon, mit einem Monument wie Schmidt in einem Atemzug genannt zu werden?! Und PS.: Es gibt nur einen Stromberg!

Fazit:
Daß sich an Stromberg die Geister scheiden, dürfte klar sein. Ebenso klar dürfte sein, für welche Zielgruppe sich Stromberg definitiv NICHT eignet. Wer mit "Schwarzem Humor" nichts anzufangen vermag, sollte um Stromberg besser einen Bogen machen. Wer ausländischer Herkunft, dick, behindert, schwul oder weiblich ist (schauen Frauen eigentlich Stromberg?), sollte idealerweise die Kunst beherrschen, über sich selbst lachen zu können, andernfalls stauen sich womöglich Agressionen auf. Kleiner Tipp: am unbeschwertesten lacht, wer seine ihm anerzogene "korrekte" Weltsicht vor dem Einschalten komplett ablegt - hat man den humoristischen Tabubruch erstmal akzeptiert, bleiben innere Konflikte von ganz alleine aus. Im übrigen ist Schadenfreude immernoch die schönste Freude! (Oder war`s die Vorfreude ... ?) Notorischen Miesmuffeln, Spaßverderbern und sonstigen Spießern sei an dieser Stelle der alte Goethe mit auf den Weg gegeben: "In den Werken des Menschen wie in denen der Natur sind eigentlich die ABSICHTEN vorzüglich der Aufmerksamkeit wert!" Und daß es Strombergs alleinige Absicht ist, das Publikum zum Lachen zu bringen, dürfte doch wohl außer Frage stehen! Alles andere ist und bleibt reine Geschmackssache! Amen ..

Was meine Wertung betrifft: weder fällt mir was Vergleichbares/Gleichwertiges im Deutschen Fernsehen ein (maximale Originalität), noch gibt es an der schauspielerischen Leistung (Professionalität) irgendwas zu mäkeln. Hinter jeder Ecke des Büros verbergen sich Lacher (Humor garantiert), sofern man diese Art von Humor mag. Was auch immer gegen eine Höchstwertung sprechen mag, mir jedenfalls fällt nichts - aber auch wirklich gar nichts - ein!

Deutsche Comedy auf Höchstniveau (selten genug!): 10/10

Da es heilige Pflicht eines jeden Stromberg-Fans ist, jede sich bietende Gelegenheit zu nutzen, rufe - nein BRÜLLE - ich den Produzenten im Namen der stetig wachsenden Stromberg-Community noch eben kräftig ins Ohr: erbarmt euch unser! Wir wollen die 3. Staffel !!!

Auflösung: DEN BAUM HOCHREITEN !
(Stromberg)

PS.: Ach übrigens ... gut möglich, daß die Katze da oben im Baum den Teufel trifft ! Wie? Der Teufel sitzt nicht auf Bäumen? Typischer Fall von DENKSTE ! Der sitzt da! Wer`s nicht glaubt: Stromberg schaun und lernen ... . ^^


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