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Grudge - Der Fluch, The (2004)
Eine Kritik von Blade Runner (Bewertung des Films: 3/10) eingetragen am 03.02.2005, seitdem 3165 Mal gelesen
Nachdem vor 3 Jahren Gore Verbinskis U.S. – Remake „The Ring“ den Markt bezüglich Neuauflagen asiatischer Gruselthriller erfolgreich antestete, steuert nun eine ganze Armada auf uns zu. Neben „Dark Water“ und „The Ring Two“ gehört auch “The Grudge” zu dieser hoffentlich nicht zu langlebigen Welle. Denn im Fall von „The Grudge“ ist es eines der überflüssigsten Remakes seit langem. Regisseur Takashi Shimizu bereitet seine Idee nämlich nun zum sage und schreibe fünften mal auf. Zwei TV-Versionen, folgten zwei weitere Kinofilme und nun ruft auch noch Hollywood, um das ganze mainstreamgerecht und angepasst an den westlichen Markt zu inszenieren.
Der Erfolg scheint dem kommerzorientierten Konzept recht zu geben, denn der von Sam Raimi produzierte Film schlug am amerikanischen Boxoffice wie eine Bombe ein und spielte knappe 110 Millionen Dollar ein. Warum bleibt fraglich. Vielleicht weil die Amerikaner die Vorgänger noch nicht kannten?
Grundsätzlich hat „The Grudge“ nämlich kaum Variationen zu bieten. Lediglich einige erzählerische Änderungen und teurere Effekte unterscheiden den Film von seinen Vorgängern. Anstatt den Versuch zu unternehmen, das Szenario in eine amerikanische Großstadt zu verlegen, blieb man Tokio treu. Während einige Nebenrollen wieder von den gleichen japanischen Darstellern bekleidet werden, nimmt die Hauptrolle nun Sarah Michelle Gellar („Buffy the Vampire Slayer", „Cruel Intentions“) ein. Die zusammen mit ihrem Freund Doug (Jason Behr, „The Shipping News“) in der Metropole lebende Studentin engagiert sich in einem Pflegezentrum und wird zu der an altersbedingter Demenz leidenden Emma Williams (Grace Zabriskie) geschickt. Die wohnt zusammen mit ihrer Familie in einem verfluchten Haus, wo vor Jahren eine Familientragödie geschah und alle das Haus betretenden Menschen eines mysteriösen Todes sterben. Nu is’ die Kacke am Dampfen...
Ich will hier jetzt nicht mühselig mit den vier Vorgängern vergleichen und alles auseinander klamüsern, aber wer sie kennt, weiß was passieren wird und wie es ausgehen wird. Episodenhaft werden rückblickend weitere dem Fluch zum Opfer fallende Schicksale vorgestellt, die fast durch die Bank weg von bekannten Gesichtern wie Clea DuVall („The Faculty“, „Ghosts of Mars“), KaDee Strickland („The Stepford Wives“, „Anacondas: The Hunt for the Blood Orchid“), Bill Pullman („Malice“,„Independence Day“), Sams Bruder Ted Raimi (zig Cameos in Raimis oder Rob Taperts Produktionen) oder Grace Zabriskie („Twins Peaks“, „The House on Turk Street“) verkörpert werden. Sie alle liefern keine grandiosen Vorstellungen ab, glänzen jedoch mit Routine, was in diesem Fall ausreicht. Einzig von Sarah Michelle Gellars schauspielerischen Qualitäten wird man einmal mehr enttäuscht. Die ohnehin nicht gerade mit Rollenangeboten überschüttete Vampirjägerin vermag auch hier nicht zu punkten und schaut mitunter sehr müde und verbraucht aus.
So ungewohnt unbequem und anders „The Grudge“ auch herkommt, Takashi Shimizu geht ganz auf Nummer Sicher und nutzt die Locations oft 1:1. Bei mir stellte sich dabei aber genauso wenig Gruselatmosphäre wie bei dem Kinovorgänger ein. Es ist ein Film der Momente, der den Schock punktgenau serviert, den Zuschauer im Sessel zusammenfahren lässt, dazwischen nur leider zu wenig zu bieten hat – vielleicht muss man auch unbedingter Genrefan sein.
„The Grudge“ ist genreüblich düster inszeniert und hat mit zunehmender Spieldauer mit seiner Einfallslosigkeit zu kämpfen. Die ewig gleich und tödlich ablaufenden Begegnungen fördern jedenfalls nicht gerade den Überraschungseffekt. Die schwachen, mit ihrer Künstlichkeit so gar nicht in die Umgebung passenden CGI-Kreationen sind dabei alles andere als hilfreich. Dafür ist er storytechnisch wesentlich zugänglicher als sein zu verschachtelter Vorgänger, dem ich zu folgen so meine Schwierigkeiten hatte. Die Kapitelstruktur wurde zwar nicht aufgegeben, aber weitaus simpler gestaltet.
Das Tempo ist während dieser nicht ganz 90 Minuten (netto) mäßig, sorgt mit regelmäßigen Auftritten der Geister, aber für Unwohlsein beim Zuschauer. Trotzdem fehlt dem Stoff die Spannung, weil der Film eben in einzelne Häppchen zerfällt und die Substanz für einen Kinofilm kaum ausreicht. Die Rahmenstory von der nach der Wahrheit strebenden Karen (Gellar) nimmt ja wirklich nur einen Bruchteil des Films ein, während der Rest sich aus den Schicksalen der einmal das Haus betretenden, später tragisch versterbenden Besucher besteht. Die erfahren auch keine weitere Tiefe, sondern werden (wie vorhergesehen) flux von den Geistern besucht und verhalten sich allzu genretypisch (also immer so, wie es der gesunde Menschenverstand eigentlich verbietet).
Natürlich ist „The Grudge“ sauber inszeniert. Die düsteren Bildkompositionen, die Schockeffekte, die voyeuristische und Unheil ankündigende Kameraarbeit und die Nackenhaare aufstellende Soundkulisse tut schon einiges, um das Publikum auch ja nicht zur Ruhe kommen zu lassen. Nur angesichts des schon in der Skriptstruktur verankerten Problems, einfach keine durchgängig erzählte Story geboten zu bekommen, stellt sich das Gruseln einfach nicht so recht ein. Zudem mangelt es an Kreativität. Da gibt es keinen neuen Schockmoment oder ein extravagantes Abtreten. Alles wirkt zu „üblich“, zu „schon oft gesehen“ – gerade so als wollte Takashi Shimizu auch ja nirgends ein Risiko eingehen. Bloß beim erfolgreichen Althergebrachten – also rätselhafte Telefongeräusche und weit aufgerissene Augen, etc. - bleiben.
Fazit:
Überflüssiges U.S. – Remake, das sein Original nur unwesentlich variiert. Westliche Darsteller, eine vereinfachte und damit zugänglichere Story, sowie eine ausgefeiltere Inszenierung unterscheiden „The Grudge“ von seinem Vorgänger. Wer den schon kennt, der braucht sich das hier ohnehin nicht anzutun. Dank nicht sonderlich überragender, darstellerischer Leistungen und dem Kernproblem, dass hier aufgrund der Erzählstruktur einfach kein Spannungsbogen entsteht, rate ich eher ab. Es bleibt ein Film, der seine Momente sicherlich hat, insgesamt jedoch kaum fesselt.
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