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O Brother, Where Art Thou? - Eine Mississippi-Odyssee (2000)

Eine Kritik von D-EVIL (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 28.12.2001, seitdem 511 Mal gelesen


O BROTHER, WHERE ART THOU ist wohl der optisch schönste Film der Coen-Brüder.
Der ganze Film wurde nämlich digital nachbearbeitet um ein verwaschenes, golden schimmerndes Bild zu erzielen. Dieses "warme" Aussehen des Filmes paßt wunderbar zu der während der großen Depression (30er Jahre) in einem herbstlichen Louisiana angesiedelten Geschichte um die heimkehr des "Man of Constant Sorrow" Ulisses Everett McGill (Clooney), der sich allen Widrigkeiten zum Trotz als Pater Familias behaupten kann.
Und Widrigkeiten gibt es viele bei dieser sehr freien Bearbeitung der Odyssee; man muß schon über einige Literatur- aber auch Filmkenntnisse verfügen, um alle Anspielungen zu verstehen.
Doch auch ohne Vorkenntnisse gibt es viel zu lachen, denn O BROTHER ist eigentlich purer Nonsens, eine absurde Situation folgt der anderen, und die allesamt geistig etwas langsamen Charaktere sind liebevoll und sorgfätig gezeichnet.
In der stilvollen Inszenierung der Coens verwandelt sich das Amerika der Weltwirtschaftskrise in ein wundersames Märchenland, in dem es von schwarzen Musikern, die ihre Seele dem Teufel verkauft haben bis zu tanzenden KuKluxern, singenden Sirenen beim Waschtag und bibelverkaufenden Zyklopen (John Goodman) nichts gibt, was es nicht gibt.
Am Ende stehen Ulysses und seine Gefährten (Tim Blake Nelson und John Turturro) gar dem Leibhaftigen, dem skrupellosen blinden Marshall mit seinem großen Hund (=Hades und Cerberos) gegenüber, bevor eine große Flut die Bösen hinwegschwemmt und die geläuterten Ex-Knackies belohnt werden. Doch diese religiöse Ebene des Films, eingeleitet bereits zu Beginn durch die Prophezeiungen des blinden Draisinenfahrers, wird genausowenig ernst genommen wie die politische Nebenhandlung um den mit Besen und Zwergen ausgetragenen Wahlkampf der beiden Gouverneurskandidaten.
Zu erwähnen ist übrigens auch der gelungene Score von T Bone Burnett, der Gospel, Blues und Country-Musik vermengt, wodurch O BROTHER beinahe zu einer Art Musical wird; tatsächlich wird viel gesungen und getanzt, "Man of Constant Sorrow", ein Lied , das Clooney und Co zum besten geben, um an etwas Geld zu kommen, entwickelt sich gar zu einem Hit.

Der Film dürfte innerhalb des künstlerischen Werkes der Coens somit etwas aus dem Rahmen fallen, ist man soviel Wärme und Menschlichkeit von den beiden doch gar nicht gewohnt, aber nichtsdestotrotz beweisen die Coens ihr Gespür für skurile Dialoge und absurde Situationen, wodurch O BROTHER zu einer erfrischend eleganten Komödie wird, die positiv aus der Masse herausragt.


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