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O Brother, Where Art Thou? - Eine Mississippi-Odyssee (2000)

Eine Kritik von MäcFly (Bewertung des Films: 6/10)
eingetragen am 31.08.2002, seitdem 679 Mal gelesen


Die drei Kettensträflinge Ulysses (George Clooney), Pete (John Turturro) und Delmar (Tim Black Nelson) flüchten von der Zwangsarbeit und begeben sich auf die Suche nach einem Goldschatz, den ihnen Anführer Ulysses verspricht. Doch bis sie ans Ziel gelangen, müssen sie zahlreiche Abenteuer bestehen und sich gegen einen Sheriff, einen Bibelverkäufer und verführerischen Sirenen behaupten.

Die Meßlatte lag hoch für die Coen Brüder nach so (zurecht) gefeierten Meisterwerken wie "Fargo" oder "The Big Lebowski". Und mit "O Brother, where art thou?" schufen sie einen weiteren bemerkenswerten Film, der jedoch nicht ansatzweise so überzeugen kann wie die vorher genannten Titel.

Die Geschichte ist angelehnt an Homers "Odyssee" . Wer die Geschichten daraus kennt, wird sich freuen, denn zahlreiche Anspielungen auf das berühmteste Werk eines der bekanntesten Schriftsteller der Antike sind in "O brother..." zu finden. Wer sich mit den Geschichten, so wie ich, nicht so gut auskennt, wird häufig recht ratlos auf die Leinwand starren. Viele Witze waren für mich kaum verständlich, wodurch der Film bei mir allenfalls ein müdes Lächeln bewirkt hat.

Die Optik ist sehr beeindruckend geworden. Man merkt, dass der Film komplett digital überarbeitet wurde. Vieles sieht golden aus, Grüntöne verschwanden nahezu völlig. So kämpfen sich die drei Hauptfiguren durch schöne Landschaften, entkommen Gefahrensituationen stets mit mehr Glück als Verstand. Wer genau hinschaut, wird bemerken, dass der Film im Grunde genommen nichts anderes ist als eine Aneinanderreihung von Geschichten, in denen die Darsteller immer verschiedenen Gefahren begegnen. Dabei laufen ihnen viel Absurditäten über den Weg, die auch der Zuschauer nicht eindeutig klären kann. Typisch Coen eben!

Was mich stört ist, dass der Film meiner Ansicht nach viel zu offensichtlich auf intellektuell getrimmt wurde. Die Farbtöne, die absurden Situationen, die vielen interpretationswürdigen Figuren (Sheriff = Teufel?) die merkwürdige Filmmusik (die mir im Gegensatz zu anderen nach einer gewissen Zeit nur noch auf den Wecker ging), die Anleihen bei Homers Odyssee, das alles lässt mich vermuten, dass die Coens dieses Mal ein Meisterwerk beabsichtigten und nicht einfach unbekümmert einen Film machten.

Einen bleibenden Eindruck hinterlässt der Film dennoch. Die Schauspieler können ziemlich überzeugen, obwohl ich George Clooney seine Rolle nicht so ganz abkaufe. Dafür sind John Turturro und Tim Blake Nelson als liebenswerte Idioten große Klasse. Ihr ratloser Gesichtsausdruck ist wirklich zum schießen. Die Besetzung also top, doch das ist ja immer so in den Filmen der Coen Brüder. Ich jedenfalls halte "O brother..." für einen ihrer deutlich schwächeren Filme; die Leute, die den Film für ein Meisterwerk halten, mögen mit verzeihen. Das Werk besitzt weder die charakterliche Tiefe eines "Fargo" noch den genialen Humor von "The Big Lebowski". Nach dem Film behält man dann die Optik im Gedächtnis und nimmt die Gewissheit mit, dass kluge Filme meistens eben doch weniger Spaß machen.


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