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Marathon-Mann, Der (1976)
Eine Kritik von manhunter (Bewertung des Films: 9/10) eingetragen am 03.09.2006, seitdem 757 Mal gelesen
Thomas Levy (Dustin Hoffman), Student in New York, bekommt Besuch von seinem Bruder Henry (Roy Scheider), der angeblich erfolgreich im Ölgeschäft mitmischt, in Wirklichkeit aber für eine zwielichtige Agentenbehörde arbeitet und sich gerade in ernsthaften Schwierigkeiten befindet. Grund dafür ist Christian Szell (Laurence Olivier), ein alter Nazi. Thomas wird mit in die Sache hineingezogen, muss erkennen, dass auch seine neue Freundin aus der Schweiz in die Sache verwickelt ist und gerät so richtig unter die Räder, weil die Bösewichte meinen, sein Bruder habe ihm mehr heikle Informationen anvertraut, als es der Fall ist...
Der Film (nach dem Buch von William Goldman, der auch das Drehbuch schrieb) fängt an mit einer bizzaren Verfolgungsjagd, die in einer Explosion mit zwei Toten endet. Die darauf folgenden Geschehnisse bleiben dem Zuschauer lange Zeit ziemlich rätselhaft, aber nach und nach setzt sich das Puzzle zusammen und es entwickelt sich eine Geschichte um Missverständnisse, Gier, Lügen und Rache, die einen unglaublichen Drive erhält und in einem Finale endet, das einen schlicht und einfach atemlos zurücklässt. Regisseur John Schlesinger zieht die Spannungsschraube vom Anfang bis zum Ende beständig an, dabei kommt der Film ohne grosses Kawumm aus (abgesehen von angesprochener Explosion am Anfang, ein bisschen Kunstblut und ein paar Schüssen), sondern lebt vor allem vom intensiven und hervorragenden Spiel der Darsteller.
Dustin Hoffman leistet Grossartiges in der Hauptrolle, schafft er es doch, den harmlosen Studenten, der plötzlich sein Leben auf den Kopf gestellt sieht und in einem Wirbel um Betrug und Mord landet, absolut überzeugend zu geben. Er verwandelt sich im Angesicht der Gefahr nicht plötzlich in einen Superman, sondern bleibt ein Durchschnittstyp, der die Sache bloss mit grössten Anstrengungen, viel Glück und unter Todesängsten übersteht (besonders fies natürlich die berühmte Bohrerszene, da läuft es einem kalt den Rücken runter). Er ist auch kein durchgehend positiver Held, sondern scheint in der Angelegenheit eine verquere Möglichkeit zu sehen, seinen Vater zu rächen, indem er den amerikanischen Behörden eines auswischt, die zur Zeit von McCarthys Kommunistenhetze eben diesen in den Selbstmord trieben.
Laurence Olivier (THE BOYS FROM BRAZIL) als sadistischer Altnazi ist ein durch und durch hassenswerter und abscheulicher, von Gier getriebener Bösewicht. Wunderbar! Sehr gut auch die Leistungen von Roy Scheider (DER WEISSE HAI) oder William Devane (THE DARK).
Zu erwähnen bleiben noch die makellose Kameraarbeit und der bemerkenswerte Soundtrack von Michael Small (THE STEPFORD WIVES).
Fazit: DER MARATHON-MANN fängt etwas verhalten an, endet aber atemberaubend, hat alles in allem eine Energie, die man einem solchen klassischen Thriller (immerhin hat der schon dreissig Jahre auf dem Buckel) nicht zutrauen würde und ist überraschend brutal und düster. Ein genialer Film.
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