Eine Kritik von Red Shadow ® (Bewertung des Films: 7/10) eingetragen am 30.11.2005, seitdem 522 Mal gelesen
Das Thema Hooligans ist derzeit ein beliebter Aufhänger für diverse Produktionen. Während „The Football Factory“ überwiegend vorurteilsfrei ein halbwegs realistisch wirkendes Bild der Szene zeichnet, verfeinert Regiedebütantin Lexi Alexander mit „Hooligans“ nochmals die Darstellung.
Die Story um Matt Buckner (Elijah Wood), einem ehemaligen Harvard-Studenten, der seine Schwester Shannon (Claire Forlani) in London besucht und per Zufall in die hiesige Hooliganszene reinrutscht, ist ganz und gar nicht der Grund, weshalb sich „Hooligans“ vom Standard abhebt. Wenn man so will, kann man daran sogar oberflächlich die Glaubwürdigkeit anzweifeln, denn das Ganze wirkt letztendlich zu sehr als erzwungener Anlass, der ziemlich schnell vollzogen wird und eher unglaubwürdig einleitet.
Nein, im Wesentlichen ist die Qualität der Standpunkt, von dem Debütantin Lexi Alexander, die auch am Drehbuch mitschrieb, erzählt. Die Perspektive ist schlicht, eine Erzählung ohne direkte Wertung. Die unmoralische Herangehensweise gleicht einem Tanz auf der Rasierklinge, denn „Hooligans“ übersteigt die vorgefertigte Meinung von besoffenen Prügelknaben, die ganz gerne auch noch als arbeitslos gebrandmarkt werden. Das Urteil zum Thema Hooligans steht zumeist schon im Vorfeld fest und wenn der moralische Zeigefinger fehlt, landet man schnell in der glorifizierenden Ecke. Dabei wird Realismus erst erzielt, wenn man sich an die Motivation und Faszination für den vermeintlichen Irrsinn heranwagt. Mit Moral fährt man spätestens an dieser Stelle gegen die Wand, denn die Vorstellung, dass Hooligans einen IQ einer Morchel haben müssen, ist so falsch wie absurd.
Dass man storytechnisch bei null anfängt und als Leitfigur ausgerechnet Elijah Wood auswählt, mag für wenige viel versprechend klingen, birgt aber einige Überraschungen in sich. Im fiktiven Geschehen nähert man sich immer mehr der Wirklichkeit (existierende Vereine) und taucht nach und nach tiefer in die Szene ein. Der Betrachter bleibt auf dem Level des Protagonisten, begleitet ihn sozusagen auf dem Weg zur Green Street Elite, den organisierten Hooligans von West Ham United. Den unbedarft naiven Amerikaner umgeben zwei Mächte, die einen Wandel in ihm hervorrufen. Zum einen lernt er eine Kultur jenseits des „Soccers“ kennen – Fußball als Droge und Halt für Millionen von Engländer. Der Sport als Lebensinhalt, vereint mit Gleichgesinnten in Bars und sonstigen Treffpunkten. Brüderlichkeit und Zusammenhalt, Loyalität und bedingungslose Solidarität. Eine Gemeinschaft, die über allem steht und in der jeder für jeden kämpft – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Mitglieder sind alles andere als Stereotypen - nur die Sache verbindet sie.
Der personifizierte Moloch ist zweifelsohne Pete (Charlie Hunnam), der Bruder von Shannons Mann (Marc Warren). Pete ist das Sinnbild der charismatischen Gewalt der Szene – intelligent, nonchalant, aber immer wachsam und zum Risiko bereit. Er lebt zwei Leben – einerseits als Lehrer für Sport und Geschichte und andererseits für West Ham United. Hunnam füllt seinen Part mit der schauspielerischen Kraft, die notwendig ist, um den Wandel von Matt Buckner glaubwürdig darzustellen. Natürlich muss auch Wood seinen Teil dazu beitragen – und ja, es mag überraschend sein, aber er schüttelt das „Frodo“- Image völlig ab und legt eine überzeugende Leistung an den Tag. Die Überraschung siegt!
Im Endeffekt entwickelt sich durch Schauspiel und Darstellung eine Wirkung, die den Betrachter in den Bann zieht. „Hooligans“ charakterisiert nicht nur und gleitet in psychologische Erklärungen ab, es werden darüber hinaus oberflächliche Anreize und urmenschliche Bedürfnisse beleuchtet – eine Gefahr für jedermann!
Unmoralisch bedeutet nicht glorifizierend und trotz der Erklärung, was die Faszination auslöst, werden auch die Schattenseiten gezeigt. Loyalität und Verrat ist nicht weit voneinander entfernt.
Wie hoch der Preis für Blut, Schweiß und Tränen sein kann, wird ebenso deutlich, so dass man das Treiben unwillkürlich hinterfragt. Die Meinung bleibt ohnehin unberührt, der Film wandert auf dem schmalen Grat und entfaltet dadurch seine Finessen.
Inszenatorisch liefert man ordentliche Bilder, die in Schlägereien ihre Höhepunkte finden. Schnelle Schnitte sind nicht mit wildem Chaos gleichzusetzen und Lexi Alexander zeigt hier durchaus, dass sie ein Gespür dafür hat, wodurch Kämpfe realistisch aussehen, was aufgrund ihrer eigenen, langjährigen Kampfsport-Erfahrungen auch nicht verwunderlich ist. Wer die Action in deutschem Ton benötigt, sollte bei den synchronisierten Fangesängen vorweg abschalten, bevor er dazu gezwungen wird. Die Perversion von „Lost in Translation“!
Unser News-Bereich wurde überarbeitet und wird in Kürze weiter ausgebaut werden, damit Sie stets aktuell über alle Neuigkeiten rund um die Welt des Films informiert sind.