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Hooligans (2005)

Eine Kritik von Quentin_ (Bewertung des Films: 7/10)
eingetragen am 06.06.2006, seitdem 283 Mal gelesen


Hooligans

Fällt der Begriff „Hooligans”, gelten die ersten Assoziationen sofort einer Masse von gehirnamputierten, glatzköpfigen Vollidioten, die sich aus Spaß gegenseitig die Fresse einhauen, randalieren, Polizisten und andere Außenstehende attackieren und vielen damit den Spaß am Fußball verderben. Vor allem die berüchtigten englischen Hooligans haben einen ganz finsteren Ruf.
In ihrem ersten Film versucht die Regisseurin Lexi Alexander den Zuschauer einmal näher ans Geschehen zu bringen und zu zeigen was für Leute diese Hooligans eigentlich sind und warum sie sich so verhalten, wie sie es tun.

Um dem Zuschauer größtmögliche Nachvollziehbarkeit zu gewährleisten, bringt sie mit dem jungen Matt (Elijad Wood) eine möglichst „normale“ Identifikationsfigur in das Geschehen. Matt ist ein junger, intelligenter Journalismusstudent, der seine Schwester in Großbritannien besucht und dabei über den Bruder ihres Ehemanns in die besagte Szene involviert wird. Zunächst scheu und verängstigt über die Gewalt, findet Matt schon bald gefallen an der Sache...

Das Thema Hooligans ist ein sicherlich nicht ganz einfaches, genau dadurch aber sehr interessantes Thema für einen Film, welches einen schwierigen Drahtseilakt erfordert, um überzeugend zu wirken. Zum einen müssen jene Hooligans vom gängigen Klischee gelöst und als wirkliche Menschen mit charakterlicher Tiefe dargestellt werden, zum anderen darf natürlich keine Legitimation oder gar Glorifikation des Ganzen erfolgen. Nachvollziehbarkeit und dennoch Kritik gilt es zu kombinieren und mit beiden hat der Film so seine Probleme.
Zunächst einmal erscheint es schon verwunderlich, dass ausgerechnet der zaghafte Elijad Wood die Rolle des prügelnden Hooligans Matt übernehmen durfte. Zwar bewies er schon mit „Sin City“, dass er durchaus in der Lage ist sein Frodo-Image abzuschütteln und eine weitaus düsterere Rolle überzustreifen, dennoch wäre die Besetzung eines anderen, kräftigeren Schauspielers vermutlich besser gewesen. Er schlägt sich zwar (im wahrsten Sinne des Wortes) recht gut, dennoch hat er manchmal doch recht Mühe, gegen sein kindliches Erscheinungsbild anzukämpfen und als brutaler Schläger überzeugend zu wirken.
Das weitaus größere Problem des Film ist allerdings sein oft unglaubwürdiges Drehbuch. Die Entwicklung vom pazifistischen Studenten zum prügelndem Hooligan geschieht viel zu schnell und wird kaum durchleuchtet. Eh man sich versieht läuft Wood auf einmal mit in der grölenden Menge und langt selbst kräftig zu - und er geht immer wieder hin, obwohl die Gewalteskapaden auf den Zuschauer alles andere als einladend wirken.

Auch die Handlungsweisen der mit Wood befreundeten Hooligans lassen einen diverse Male stutzen, scheinen sie doch selbst aus den schlimmsten Vorfällen nichts zu lernen. Der Versuch, sie abseits der Fußballspiele als völlig normale Menschen darzustellen, scheitert bei der Rolle des mit Matt befreundeten Pete daran, dass er als Geschichts- und Sportlehrer einfach völlig unglaubwürdig wirkt. Denn im Grunde sieht man ihn und seine Kameraden nur wie sie saufen, prügeln und darüber sprechen, wann sie das nächste Mal saufen und prügeln.
Dennoch gelingt das Einführen in die Hooliganszene und die Vermittlung von Loyalität und Brüderlichkeit innerhalb der einzelnen Gangs relativ gut. Was Lexi Alexander wohl ebenfalls zeigen wollte, nämlich dass den Hooligans der Sport selbst keinesfalls egal ist oder nur als seichte Legitimation für die Gewaltorgien dient, scheitert allerdings daran, dass es eben genau so wirkt wie beschrieben. Denn wer nun in welche Gang geht scheint anhand des Beispiels von Matt, welcher völlig zufällig in irgend eine hineinstolpert, völlig willkürlich – letztlich scheint es nur darum zu gehen in einer zu sein, um andere als Feinde zu haben. Inwiefern dies wohl der Realität entspricht, sei mal dahin gestellt.
Inhaltlich engagiert, aber dennoch sehr holprig kann „Hooligans“ zumindest einen wirklich ordentlichen Unterhaltungswert vorweisen. Der Handlungsverlauf ist spannend, die Optik überzeugend und die Massenprügelszenen sind inszenatorisch sehr gelungen. Es bleibt also ein durchaus interessantes Actiondrama, bei dem aber hinsichtlich der inhaltlichen Schwächen durchaus mehr zu holen gewesen wäre.

Was ist es nun, dass in regelmäßigen Abständen Hunderte Fußballfans dazu bringt, sich gegenseitig halb tot zu prügeln? Worin liegt der Reiz, die Faszination für diese Gewaltausbrüche? Nach dem Konsum von Lexi Alexander’s Regiedebut ist man nicht wirklich schlauer, wurde dafür aber 100 Minuten sehr gut unterhalten und hat immerhin einen interessanten Einblick gewonnen, wie es denn in etwa in diesen Gangs abläuft.
7/10


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