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Hooligans (2005)

Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 7/10)
eingetragen am 28.12.2008, seitdem 623 Mal gelesen


Ein Amerikaner in England – „Hooligans“ zeichnet ein gelungenes Bild der englischen Hooligan-Szene heutiger Tage, ähnlich wie es der Auftakt von „Footsoldier“ für die vergangener Tage tat.
Allerdings muss man erstmal einen mäßig gelungenen Beginn verkraften: Matt Buckner (Elijah Wood) fliegt aus Harvard, da man die Drogen seines Mitbewohners bei ihm fand, der ein klischeehafter Schnöselarsch wie aus dem Bilderbuch ist. Allenfalls Matts angedeutete Annahme von Bestechungsgeld bringt da etwas Ambivalenz rein, letztendlich dient das Ganze nur dazu, um Matt nach England zu verfrachten, wo er seine Schwester Shannon (Claire Forlani) und deren Mann Steve (Marc Warren) besucht. In Rekordzeit steht Steves Bruder Pete (Charlie Hunnam) vor der Tür und nimmt Matt von Steve gezwungen mit zum Fußball.
Pete ist Hooligan und Chef einer „Firma“, wie man die Truppen nennt, Chef der GSE (Green Street Elite). Auch hier verkürzt „Hooligans“ sehr, denn relativ schnell nimmt Matt an den Ausschreitungen teil…

Nach dem holprig-übereilten Beginn nimmt „Hooligans“ stetig an Qualität zu und zeichnet ein glaubhaftes Bild der Szene. Alle Mitglieder haben zivile Jobs, teilweise Freundinnen oder Familien, sind dort sehr nette Menschen – Pete bietet einer Frau seinen Platz im Bus an usw. Dabei stellt „Hooligans“ dies nicht als Ausnahme dar, auch die anderen Firmen dürften ähnlich funktionieren. In jeder Firma gibt es auch Ausnahmen, Leute, die vor allem Gewalt suchen, wo auch dies Begründungen hat: Der Chef der übelsten Rivalenfirma verlor seinen Sohn bei einem Kampf gegen die GSE, war liebender Vater, wie der Film an mehreren Stellen klarstellt – der Tod seines Kindes machte ihn schließlich zum Gewaltsucher.
Während „Footsoldier“ schilderte, wie die Hauptfigur nach verstärkten Polizeieinsätzen ausstieg, bringt „Hooligans“ auf den Punkt, wie die Szenen der Gegenwart funktioniert: Man vermummt sich gegenüber den allgegenwärtigen Überwachungskameras, umgeht besonders gezielt Polizeitruppen usw. Doch wie eh und je versucht man gegnerische Firmen zu übertölpeln, in Fallen zu locken. Die Prügeleien sind dann auch nach dem Motto „Mittendrin statt nur dabei“ inszeniert: Wackelige Kamera, schnelle Schnitte, einige Unschärfen. Meist mit Rock oder Punk überlegt, nur die beiden Schlägereien, die Wendepunkte markieren, werden von ruhigerer Musik gerahmt.
Gleichzeitig erzählt „Hooligans“ eine Initiationsgeschichte: Der schüchterne College-Student wird zum Schläger, findet unter den Hooligans Kameradschaft und Freunde, die er sonst scheinbar vermisst hat, fasst das Selbstvertrauen sich jenen zu widersetzen, die sonst immer über seinen Kopf entschieden. Gleichzeitig glorifiziert „Hooligans“ die Szene dabei nicht zu stark: Am Ende des Films stehen bittere Lektionen über Konsequenzen und Schuld, es sind Leben zerstört oder genommen worden, weil man es zu weit trieb. Pete formuliert das Gesetz, dass man niemanden mehr trete, der am Boden liegt, obwohl es andauernd gebrochen wird und genau daher zu schweren Konsequenzen kommt.

Stellenweise wirkt „Hooligans“ dabei leicht konstruiert, doch das stört kaum. Auch die anfänglich nur am Rande stehende Familiengeschichte um Matt, Shannon und Steve wird schließlich sehr effektiv in das Geschehen eingewoben – auf absolut unerwartete Weise. Gerade im letzten Drittel ist „Hooligans“ sehr stark und fesselnd, wenngleich die Endszene auf der Restauranttoilette etwas handelsüblich daherkommt.
Elijah Wood entpuppt sich als großartige Wahl für die Hauptrolle, da er ein echter Wolf im Schafspelz ist, dem man sowohl den schüchternen Studi als auch den enthusiastischen Hooligan abnimmt. Noch besser ist allerdings Charlie Hunnam als charismatischer GSE-Chef, der trotz seiner Fehler nicht zum Unsympathen abgestempelt wird. Claire Forlani ist guter Support, kommt aber anfangs etwas kurz, während Marc Warren anfangs etwas klischeehaft wirkt, sich aber mit zunehmendem Filmverlauf steigert.

Trotz einiger Schwächen im dramaturgischen Aufbau ist „Hooligans“ ein wirklich gelungenes Drama über die Hooligan-Szene, das interessante Einblicke liefert und von seinen beiden Hauptdarstellern toll gespielt. 7,5 Punkte von mir.


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