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Godzilla: Final Wars (2004)
Eine Kritik von Blade Runner (Bewertung des Films: 7/10) eingetragen am 09.12.2005, seitdem 2229 Mal gelesen
Nach 50 Jahren voller Städtezerstörungen und Monster-Wrestling geht nun also auch der altgediente Godzilla in Rente. Das Monster, das mir als Kind viele Sonntagnachmittage versüßte, sollte mit Pauken und Trompeten abtreten. Eine Rückkehr bleibt ungewiss, auch weil die Einspielergebnisse, „Godzilla: Final Wars“ mit eingeschlossen, sehr zu wünschen übrig ließen. Die letzten Abenteuer der radioaktiven Riesenechse waren rein kommerziell enttäuschend, weswegen Toho auch erst einmal die Notbremse zog
Um ihn mit Würde in den wohlverdienten Ruhestand zu schicken, verpflichtete das Traditionsstudio ausgerechnet Ryuhei Kitamura („Versus“, „Azumi“), der sich in den letzten Jahren als DER japanische Regisseur für kurzweilige, erfolgreiche Fantasyaction auszeichnete. Seine Aufgabe sollte es sein, die langjährigen Anhänger genauso wie das aktuelle Publikum anzusprechen, was schon kurz nach seiner Besetzung zur Folge hatte, dass die treuen Fans Proteste gen Toho richteten.
Ganz Unrecht hatten sie dann letztlich auch nicht, denn „Godzilla: Final Wars“ kann nicht halten, was im Vorfeld versprochen wurde, nämlich einen vorübergehend (?), denkwürdigen letzten Kampf des weltweit geliebten Städtevernichters abzuliefern.
Kitamura ist Fluch und Segen zugleich für die Franchise, denn kaum ein Godzilla-Film war in seinen zwei Stunden so kurzweilig, so effektreich und unterhaltsam, fühlte sich gleichzeitig aber auch so wenig der Traditionen verbunden.
Ab der ersten Minute drückt er gewaltig auf das Tempo, versenkt Godzilla in der Eröffnungsszene im ewigen Eis und präsentiert im Zeitraffer ein elegantes Intro über die 50jährige Geschichte Godzillas - von niemand anderen als Titel-Ikone Kyle Cooper (kreierte u.a. für „Se7en“ und „Spider-Man“) designt.
Kitamura steht für Dynamik, Eleganz und moderne Hektik. Daran ändert er auch hier nichts. „Godzilla: Final Wars“ präsentiert sich in einem schrillen Gewand voller Farbfilter, eleganter Kamerafahrten, monochromer Bildkompositionen und hochtechnisierten Settings. Überstilisiert und überinszeniert beräumt Kitamura ein Science-Fiction-Szenario ein, in der die ökologische Katastrophe die Monster sauer gemacht hat. Ihnen entgegen stellen sich Mutanten, weiterentwickelte Menschen, und die E.D.F. (Earth Defence Force) in ihren Raumschiffen. Die kommen dann zu Beginn auch gleich zum Einsatz, sehen sich aber einem geschlossenen Massenaufstand aller jemals Unruhe stiftender Riesenviecher ausgesetzt, die alles daran setzen, die komplette Erde in Schutt und Asche zu legen. Schön nah am totalen Untergang werden die Monster in letzter Sekunde von einem Raumschiff der X-Aliens gestoppt. Mit dem Vorwand die Menschheit vor einem riesigen Feuerball, der auf die Erde zurast, warnen zu wollen, streben sie an uns zu täuschen und die Erdbevölkerung untertan zu machen, indem sie die wichtigsten Köpfe der globalen Regierung flugs ersetzen. Ihr Vorhaben wird fast zu spät durchschaut, so dass nur noch eine kleine Gruppe übrig gebliebener Kämpfer der E.D.F. unter der Führung des urigen, bulligen Captain Gordon (einige coole Oneliner und DIE Sympathiefigur: Don Frye) in der Gotengo, einem Allroundraumschiff, losfliegt, um Godzilla aus dem ewigen Eis zu brechen, damit der sich den Monstern, die unter der Kontrolle der Aliens stehen, stellt und mit den Invasoren aufräumt. Der legt dann auch los...
Leider passiert dies erst kurz nach der ersten Filmhälfte, denn bis dahin sieht man, abgesehen von den ersten Minuten des Films, nichts von Godzilla und das ist ehrlich gesagt ein bisschen wenig, wenn man den mies gelaunten Riesendinosaurier eigentlich einen ganzen Film widmen will.
Fraglos ist die erste Hälfte dank Kitamura ein Trashfest der besonderen Art, nur die Seele fehlt dem Ganzen halt. Kurzweilige Kämpfe gegen die Metropolen platt walzenden Monster mit fliegenden Raumschiffen und Bodeneinheiten garantieren einen Effektoverkill der besonderen Art. Von „The Matrix“ bis später auch „Star Wars: Episode VI - Return of the Jedi” zitiert Kitamura offensichtlich und ein wenig schamlos. Hinzu gesellen sich schrille Martial-Arts-Fights, Verfolgungsjagden per Motorrad oder Lieferwagen, schrille Klamotten und siffige Aliens. Für die jüngere Fraktion ist „Godzilla: Final Wars“ mit Sicherheit nicht mehr gedacht, weil er sie vor allem visuell komplett überfordern dürfte. Mit blutigen Shootouts und später auch rabiaten Monsterkämpfen richtet der Film sich an die Erwachsenen, nur fraglich ob die sich mit diesem Effektoverkill so recht anfreunden können.
Denn nebenher, immer nah am Trash, bleiben die Dialoge unglaublich hohl und deswegen auch meist dankbar reduziert. Ein bisschen Flirten und wenn notwendig ein paar neue Erkenntnisse, die dem Fortschritt der dünnen Story dienen, mehr Worte nötigt Kitamura seinen Darstellern nicht ab. Zu ihnen gehören neben Franchise-Veteran Akira Takarada auch Kitamuras Spezi Tak Sakaguchi („Versus“, „Alive“) und, die Cannon-Jünger dürften ihn noch aus ganz jungen Tagen kennen, Kane Kosugi („Revenge of the Ninja“, „Muscle Heat“). Alles keine Totalausfälle, aber teilweise zu überdreht, wobei angesichts des Rasanz des Films schauspielerische Qualitäten auch nie abgefragt werden.
Die erste Hälfte des Films ist damit die schwächere und nur selten charmante. Wenn sich denn ein Stuntman in Gummimonsterkostüm durch die Modellbauten einer Stadt pflügt, blitzt Nostalgie kurzfristig auf, doch damit weiß Kitamura nicht umzugehen. Lieber lässt er sie die agilsten Moves zelebrieren und effektreiche Zerstörungsorgien lostreten.
Der gesamte Plot um die Aliens und deren Entdeckung wird dankbar nahezu komplett in den ersten 60 Minuten abgehandelt, so dass sich in der zweiten Hälfte nur noch die Gotengo durch den Rumpf des Alien-Mutterschiffs bohrt, um es vor Ort direkt in Martial-Arts-Kloppereien und mit Laserwaffen mit den außerirdischen Invasoren aufzunehmen und Minilla, Godzillas Sohn und in meinen Augen die dümmste, peinlichste Reaktivierung des Films, seinem Papa entgegenreist.
Godzilla keilt sich derweil quer durch die Botanik und scheint seinen Riecher nicht eingebüßt zu haben. Ab nach Tokio soll es wieder gehen, Home Sweet Home, und von dem Weg lässt er sich nicht ablenken, egal wer da kommen mag. Ob sie sich allein oder im Trio ihm in den Weg stellen, Godzilla fertigt einiges an Monstern im Schnellverfahren ab. Was früher einmal einen ganzen Film gedauert hat, erledigt er jetzt in ein paar Minuten. Der Charme ist ob der Schnelligkeit endlich vorhanden und die modern-schnittigen Kämpfe tun dem mitunter akrobatisch fightenden, angefressenen Godzilla sichtlich gut, denn er ist in Hochform und zeigt sich kampflustig.
Ein höchst amüsanter Zwischenspurt ist der zu fetzigen Klängen einsetzende Shortie zwischen „unserem“ Godzilla und Roland Emmerichs CGI-Missgeburt in Sydney. Quasi im Vorbeigehen wischt Godzilla seinem U.S. – Pendant einen aus, stapft unbeeindruckt weiter gen Tokio und hinterlässt hinter sich eine Spur der Zerstörung: Brennende Städte, explodierende Raffinieren und Waldschneisen. Alles wie gehabt...
Dort bekommt er es in einer postapokalyptischen Kulisse es dann mit besonders hartnäckigen Gegnern zu tun, die dem immer noch ausdauernden aber schon ein paar Fights hinter sich habenden, längst nicht müden Godzilla ganz schön zusetzen. Aber Hilfe kommt dann noch im richtigen Moment.
Dem Finale fehlt dann leider die Dramatik, weil das Monster-Wrestling einfach keine wahren Höhen und Tiefen besitzt. Die Monster rappeln sich gleich wieder aus dem Schutt auf, bleiben nie vorübergehend reglos liegen. Es ist schlicht eine Orgie, bei der irgendwann einer den Kürzeren ziehen wird und wer das nicht ist, wissen wir ja. Gigantismus ist die oberste Maxime. Mit Godzilla fiebern wir diesmal leider nicht und das ist das Hauptmanko der Kämpfe.
Die parallel stattfindende Schlacht im Raumschiff der Aliens unterbricht leider immer wieder sein Treiben und verdrängt ihn zu einem Nebenschauplatz. Die Scharmützel dort drinnen sehen dank guter Martial-Arts-Choreographie und Laserwaffen freilich schick aus, nur eigentlich interessiert den Zuschauer doch viel mehr, was Godzilla draußen eigentlich anstellt.
Die Anzahl der Monster ist dieses Mal enorm und ein neuer Rekord innerhalb des Godzilla-Universums, bringt aber auch das Problem mit sich, dass ihnen unmöglich der nötige Platz eingeräumt werden kann. Einige von ihnen werden deswegen auch in wenigen Sekunden zerlegt. Der Platz war für so viele Monster nie da und dem einen oder anderen weint man wegen seines fixen Dahinscheidens auch hinterher, weswegen hier meist weniger mehr gewesen wäre, aber Kitamura war nie daran gelegen kleine Brötchen zu backen. Wenn schon, denn schon.
Liebgewonnene Relikte sind nur noch im Ansatz vorhanden. Die Modellbauten wurden natürlich nicht aufgegeben und sind immer noch offensichtlich, was dann hin und wieder für Charme sorgt. Viel mehr bleibt dann auch nicht.
Ich will nicht leugnen, dass „Godzilla: Final Wars“ einen hohen Unterhaltungswert hat, doch der Tradition seiner Vorgänger folgt er nur noch marginal. Er ist ab der erste Minute lediglich ein infantiles Panoptikum mit dazu passenden Musikstücken, dass Kitamura sich selbst erschaffen hat, um darin so richtig zu toben. Sogar Selbstironie keimt mal auf, wenn schliddernde Monster mit einem Quietschen zum Stehen kommen, nur um wieder loszupreschen.
Alles was möglich war, ist drin, nur ob das auch nötig war, ist eine andere Frage. Wenn er selbst ein Fan der Franchise ist, dann hat er sich mit diesem megalomanisch, wüsten Overkill jedenfalls keinen Gefallen getan.
Fazit:
Das soll jetzt nicht heißen, dass ich mich von „Godzilla: Final Wars“ nicht gut unterhalten lassen habe. Ganz im Gegenteil, mit seinen knapp 120 Minuten ist der Film sogar überaus kurzweilig, laut und effektreich ausgefallen. Ständig gibt es etwas zu sehen, Längen treten keine auf und Godzilla selbst finde ich nach wie vor richtig knuddelig.
Nur an der Zielvorgabe inszeniert Ryuhei Kitamura komplett vorbei. Obwohl die traditionellen Modellbauten nach wie vor ihren Einsatz finden, ist daraus ein schriller, effektreicher und modern inszenierter Fantasystreifen für die junge Generation geworden. Alteingesessene Fans könnte das abschrecken, auch weil sich Insidergags in Grenzen halten und die Bemühungen so viele Monster wie möglich unterzubringen, sowie eine verkappte, futuristische Geschichte um die Zukunft er Erde nebenher auch noch zu erzählen, dem Film viel Charme kosten. Unwürdig aber unterhaltsam.
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