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Alone in the Dark (2005)
Eine Kritik von Blade Runner (Bewertung des Films: 3/10) eingetragen am 14.05.2005, seitdem 3738 Mal gelesen
Sofern man sich nicht mit einer Anti-Boll-Hasskappe bestückt an „Alone in the Dark“ heranwagt, nur das Kino besucht, um später einen möglichst blumigen Verriss zu schreiben oder einfach nur dem „Anti Boll“ - Trend folgen will, kann man sich von seinem jüngsten Werk mit Abstrichen zumindest einigermaßen unterhalten lassen. Zweifellos ist Uwe Boll mit seinen utopischen Ambitionen zwar auch hier wieder weit über das Ziel hinaus geschossen, denn mehr als eine Direct-to-DVD-Vermarktung hätte sein jüngstes Machwerk nicht verdient gehabt, ein passables Stück B-Kino ist es dennoch geworden. Da kann letztlich man nur froh sein, dass er „Doom“ nicht bekommen hat und stattdessen demnächst „Bloodrayne“ ausschlachtet.
Dass er kein besonders guter Filmemacher ist, offenbart er leider auch wieder bei „Alone in the Dark“. Schon der Prolog-Text ist viel zu lang, die erste Actionsequenz überfrachtet er mit Zeitlupen, später montiert er immer wieder sehr holprig Szenen aneinander, hier passt nicht wirklich viel. Im Vergleich zu „House of the Dead“ kann man jedoch konstatieren, dass Boll dazu gelernt hat und sich besser vermarktet. Musikvideos, der recht fetzige Trailer und Lions Gate als Publisher sprechen dafür. Außerdem sind hier ja nun auch ein paar namhafte Darsteller mit an Bord.
In Unkenntnis der Game-Vorlage nehme ich die Prämisse mal so hin: Die ausgestorbene Abkani-Zivilisation öffnete vor Uhrzeiten mal ein Tor zur Welt der Dunkelheit und verschwand danach vom Antlitz der Erde. Seitdem findet man immer wieder mysteriöse Artefakte dieser Zivilisation. Die paranormale Aktivitäten überwachende Regierungsinstitution „7-13“ hat eben diesen Objekten oberste Priorität eingeräumt, schließlich muss man die Welt vor so etwas schützen und demzufolge wegschließen.
Ein Mitarbeiter dieser Abteilung hat zudem früher einmal Experimente an Waisenkindern durchgeführt und die scheinen jetzt durchzudrehen. Reichlich kryptisch was dem Zuschauer da zunächst vorgesetzt wird, aber man schluckt es in Hoffnung auf Antworten.
Die sollen auf sich warten lassen. Zwar philosophiert Edward Carnby (Christian Slater, „Windtalkers“, „Mindhunters“), ein flüchtiges Exemplar der seinerzeit auserwählten Waisen, gleich zu den Themen Dunkelheit und Böse (Wer ruft hier Pyun?), so recht weiterhelfen will uns das aber nicht und deswegen gibt es erst mal eine Verfolgungsjagd mit anschließender Klopperei und tödlichem Ausgang. Carnby ist nämlich in Besitz eines solchen Artefakts und dahinter scheint irgendwer her zu sein.
Reichlich unmotiviert schon dieser Auftakt und Bolls nicht vorhandenem Verständnis für Stilmittel. Fast jede Aktion der Prügelei in Zeitlupe (vorzugsweise das Fallen durch Glasfenster), garniert mit einer völlig überflüssigen und längst nicht mehr modischen Bullet-Time. Das sieht zwar alles schick und stylisch aus, nur ein Händchen für visuelle Spielereien lässt er dabei nicht durchblicken. Schön wenn man sie beherrscht, aber nicht einzusetzen weiß.
Der weitere Verlauf des Films ist auch eher genretypisch gehalten, an sich ein formelhaftes Drehbuch vom Reißbrett, das jeder mittelmäßig begabte Autor hinbekommen hätte. Zunächst muss die Gefahr auf den Plan gerufen werden, wir erleben eine reichlich mysteriöse und tödlich verlaufende Entdeckung, noch mehr Relikte und viel Rätsel- und Entzifferversuche der selbigen. Alles nicht sonderlich prickelnd. Hier wird dann auch Tara Reid („American Pie“, „Van Wilder“) als Kuratorin Aline Cedrac eingeführt. Bald soll sie mit von der Partie sein, denn Carnby ist zufällig ihr Ex, den sie für tot hielt.
Mit Auftauchen von Stephen Dorff („Blade“, „Riders“) als „7-13“-Anführer und Carnbys Ex-Vorgesetzter Richards steigert sich „Alone in the Dark“ nach seinem ersten Durchhänger dann wieder etwas. Immerhin dürfen seine Kampfeinheiten im Museum erste Monster zu Metall-Mucke plätten. An sich eine gute Idee, aber Boll versagt bei der Inszenierung vollständig. Anstatt hier „Aliens“, „The Relic“ oder „Starship Troopers“ zu kopieren, zeigt er hier nur komplette Dunkelheit, die von Mündungsfeuer unterbrochen wird – festgehalten in einem Schnittstakkato. Das treibt dem mündigen Zuschauer schon die Zornesröte ins Gesicht. Was soll so was?
Völlig aus dem Nichts gerissen, bricht Boll in Folge immer wieder mit der gerade mal mühsam aufgebauten Spannung, wirft aus dem Nichts plötzlich eine Bettszene mit Aline und Edward ein oder unterbricht das stimmig-dunkle Museumsszenario mit knüppelnden Metall-Tönen. Da ist nicht mal ansatzweise inszenatorisches Fingerspitzengefühl vorhanden und das soll noch schlimmer werden.
Bis es dann vor und in einem Bergwerk zum Showdown Spezialeinheit vs. Monsterhorden kommt, herrscht reichlich Leerlauf. Menschen werden mir Parasiten gefügig gemacht, es gilt ein Geheimnis zu enträtseln und viel überflüssiges Gesülz zu ertragen. Nun hofft man darauf, dass die gestandenen, wenn auch abgehalfterten, Ex-Stars etwas reißen können. Christian Slater wie Stephen Dorff mussten und müssen sich mühen Kinorollen zu ergattern, deshalb dürften sie hierfür auch budgetschonend unterschrieben haben. Beide machen ihre Sache solide, wirken aber wenig motiviert und deshalb bestenfalls routiniert. Dorff kommt, weil charismatischer und bissiger, etwas besser dabei weg.
Totalausfall ist indes mal wieder Tara Reid. Als Partyhäschen mag sie aufgrund ihres Aussehens brauchbar sein, schauspielerisch ist sie jedoch talentloses Nirvana und das stellt sie hier mal wieder eindrucksvoll unter Beweis. Da kann auch ein seriöses Äußeres (Brille, Frisur) nie helfen.
Enttäuschend dann der Showdown selbst. Zwar gönnt Boll dem Zuschauer dann endlich mal Bilder dieses Scharmützels, aber er bleibt bei den paar Frames. Bei einem Budget von 20 Millionen Dollar darf man da etwas mehr erwarten. Das gilt dann auch für den explosiven Ausgang, den Negativhöhepunkt: Die finale Rettung inklusive Heldentod ist so was unaufgeregt und undramatisch gefilmt, als hätten sich schon alle Beteiligten ins Wochenende verabschiedet. Oder war einfach das Budget erschöpft?
Fazit:
Die mageren Einspielergebnisse sprechen im Grunde schon für sich. „Alone in the Dark“ bleibt hinter „House of the Dead“ zurück, weil er nie dessen trashigen Charme entwickelt. Dank einer lieblosen Regie und einem katastrophal, ideenlosen Drehbuch (Plot wie Dialoge) kommt Bolls Machwerk nicht mal auf den unteren Durchschnitt. Die Creature-Effects gehen zwar soweit in Ordnung, doch da man in den permanent dunklen Kulissen nie die Scharmützel zu sehen bekommt, bleibt die Enttäuschung bestehen. Schlimmeres gibt es zwar, Besseres allerdings auch...
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