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Elektra (2005)
Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 3/10) eingetragen am 05.01.2006, seitdem 421 Mal gelesen
Nachdem ihr Charakter in „Daredevil“ so gut ankam, spendierte man Elektra eine eigene Comicverfilmung – mit enttäuschendem Ergebnis.
Schon der Stil ist direkt anders: Wo bei „Daredevil“ noch Gossenfeeling mit leichtem Comiceinschlag herrschte, ist hier Fantasykuddelmuddel angesagt, das schon im Prolog beginnt, hier erfährt man etwas über einen Geheimbund namens „Die Hand“ und eine Prophezeiung in diesem Zusammenhang. Beides wird später noch mal aufgegriffen, ist später aber fast selbsterklärend (sofern man den Fantasyaspekt akzeptiert), sodass Film und Zuschauer an sich ohne den Prolog leben könnte.
Elektra (Jennifer Garner), die (ohne Wunder) die Geschehnisse aus „Daredevil“ überlebte, arbeitet als Killerin für „Die Hand“. Skrupel kennt sie nicht und ist von Hass zerfressen, weshalb sie der blinde Meister Stick (Terence Stamp), der sie nach ihrer Verletzung hochpäppelte, auch aus seinem Trainingsprogramm warf. Seitdem also Morden für, wie man es zig anderen Filmen auch kennt.
Fast genauso groß ist die Anzahl der Filme, in denen der Killer Gewissenbisse kriegt. In Elektras Fall ist dies dann, als sie den Witwer Mark Miller (Goran Visnjic) und seine 13jährige Tochter Abby (Kirsten Prout) über den Jordan schicken soll. Elektra beschützt die beiden und darauf von ihrer eigenen Organisation gejagt…
Beim Sehen von „Elektra“ beschleicht den Zuschauer immer wieder das Gefühl, die Macher hätten bereits das Sequel im Sinn gehabt – oder eher derer fünf. „Die Hand“ kommt nicht ernsthaft zu Schaden, Elektra meuchelt lediglich Kirigi (Will Yun Lee), den Sohn des Obermotzes Roshi (Cary-Hiroyuki Tagawa), und dessen Killertruppe, die Jagd auf Mark und dessen Töchterchen machen. Da wirken selbst die Enden von als Trilogie angelegten Filmen wie „Star Wars“ oder „Matrix“ geschlossen gegen.
Ansonsten ist das Werk komplett vorhersehbar, es gibt insgesamt eine einzige, ansatzweise überraschende Szene und zwar als Stick erklärt, was hinter dem Ganzen steckt (OK, das ist dann hanebüchen und konstruiert bis zum geht nicht mehr, aber vielleicht gerade deshalb überraschend). Spannung will daher keine aufkommen, zumal man den Ausgang der Geschichte eh fast bis ins kleinste Detail vorhersagen kann. Hinzu kommen Klischees noch und nöcher, angefangen bei der Tatsache, dass sich Elektra und Mark nach wenigen Augenblicken zusammen direkt verlieben, über den Helfer, der sich für die gute Sache opfert, bis hin zu den Ränkespielchen in der Fieslingsorganisation. Dazu ist noch ein „Die Hand“-Mitglied der Mörder von Elektras Mutter, aber nicht Obermotz, obwohl die Rückblende sehr an Cary-Hiroyuki Tagawas Elternschnetzelei in „Showdown in Little Toyko“ erinnert, sondern dessen Sohnemann (liegt wohl daran, dass der Boss hier noch nicht dran glauben muss). Hinzu kommen diverse, nichtssagende Rückblenden aus Elektras Vergangenheit, das erwähnte Finden von Muttis Leiche gibt’s gleich zigmal um die Ohren geknallt, wohl für die ganz Doofen im Publikum.
Wäre ja alles weniger tragisch, wenn wenigstens die Action stimmen würde, doch auch da heißt es weitestgehend Pustekuchen. Die Konfrontationen sind selten und oft werden Gegner entweder blitzschnell mit einem läppischen Dolchwurf abserviert (darunter sogar groß in Szene gesetzte Spezialkiller) oder im Off bekämpft (u.a. beim Auftakt, bei dem Elektra zwar zig Wachleute plus Boss plättet, aber kaum was davon zu sehen ist). In den vorhandenen Kämpfen stören dann noch CGI und Wirework (ganz schlimm im so versauten Endfight), also auch kein Vergleich zu Martial Arts Granaten wie „Drive“ oder „Red Force“. Dabei haben einige Akteure gute Moves drauf und ein paar Kämpfe (z.B. Elektra gegen den zweiten den Attentäter in der Holzhütte) machen durchaus was her.
Die Gegnerschar ist illuster und hat Potential, aber leider kommen die meisten Attentäter kaum zur Geltung – ähnlich wie man sich um viele Fights drückt (da rückt zum Schluss noch eine kleine Ninjahorde an, aber die lapidar weggesprengt und nicht richtig bekämpft). Da helfen auch ein paar nette Ideen (z.B. die lebenden Tatoos eines Killers oder die sterbende Vegetation um eine giftsprühende Attentäterin) und die durchaus schicke Optik nur wenig.
Ganz besonders enttäuschend ist Jennifer Garner in der Titelrolle, vielleicht hätte irgendjemand sagen sollen, dass ein Stoneface Marke Seagal nur dann wirkt, wenn man dabei die Coolness von Seagal hat. Bei ihr wirkt es nur lächerlich, sodass man ihr die eiskalte Killerin nicht abkauft. Goran Visnjic ist OK, während Filmtochter Kirsten Prout gerade mal mittelmäßig agiert. Terence Stamp gewinnt seiner kleinen Rolle viel Würde ab, Cary-Hiroyuki Tagawa darf nichts weiter tun als am Tisch sitzen und wird so verschenkt, obwohl er als Fiesling immer klasse ist. Will Yun Lee hingegen ist hier kein überzeugender Bösewicht, sondern sieht eher wie der schwule Bruder vom Crouching Tiger oder meinetwegen auch vom Hidden Dragon aus.
Die Werbesprüche „Born to Fight“ und „Trained to Kill“ kennt man auch als Titel für B-Actionfilme, doch Action bietet „Elektra“ und die überzeugt nur teilweise. Ist aber neben ein paar netten Regieeinfällen noch das beste am Film, denn der Plot ist kreuzlangweilig und zusammengeklaut, die Darsteller meist mäßig und Atmosphäre hat das Teil kaum.
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