Demografen sagen voraus, dass in den südlichen USA in einigen Jahrzehnten die Hispano-Amerikaner die stärkste ethnische Gruppe sein werden. Hollywood reagiert seit einigen Jahren auf die Veränderung seiner Heimat-Kundschaft. Immer mehr Filme spielen zumindest teilweise in diesem ethnischen Milieu, immer mehr TV-Serien haben eine oder einen Quoten-Hispanic. In „Spanglish“ gibt es zum Teil sogar ausschließlich spanischsprachige Szenen (ohne Untertitel!), sodass der Zuschauer gleichsam in die Konfrontation mit dem Fremden hineinversetzt wird. Der Film zeigt auf lustige Weise –ausgehend von der üblichen Rollenverteilung der Latina als Haushälterin und der weißen Familie als Dienstgeber– jeweils aus Sicht der Hispanics und der weißen Mittelschicht zumindest ansatzweise das sprachliche und mentale Unverständnis füreinander.
Im Laufe des Films verschiebt sich der Fokus vom kulturellen und sprachlichen Clash, aus dem durchaus mehr hätte herausgeholt werden können, immer weiter zur Dreiecksbeziehung Ehefrau – Ehemann – Dienstmädchen. Zunächst kabbeln sich Ehefrau und Haushälterin wegen deren Tochter, die der Ehefrau als bessere Tochter im Vergleich zur eigenen erscheint und die die materielle Freiheit der weißen Vorstadt zu schätzen lernt. Dann geht es um das Nicht-Verständnis der Ehefrau für ihren Mann sowie die zwangsläufig entstehenden Gefühle des Ehemanns zu Flor und umgekehrt. Bevor der Film jedoch vollends in konventionelles Romantik-Kino umschlägt und ein Hollywood-Kitsch-Ende mit Friede, Freude, Eierkuchen droht, schließt sich der Kreis zum Anfang, wenn Flors Tochter erkennt, worauf es wirklich im Leben ankommt. Nun wird die leise gestellte Frage des Films beantwortet, ob materielle Sorglosigkeit denn zu immaterieller Verarmung führen muss. Der Zuschauer weiß allerdings nicht, ob die Ehefrau dies auch begreifen wird.
„Spanglish“ bleibt damit ein zwar nicht überragender, aber sympathischer und nett unterhaltender Film mit mildem Humor und ernsten Untertönen.