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Die ganze Filmwelt stöhnt über Remakes, dabei gibt es vor allem eine Geschichte, die bereits schon unzählige Male verfilmt wurde, ohne das sich jemand wirklich darüber aufgeregt hat. Die Sprache ist von Charles Dickens famoser Weihnachtsgeschichte um Ebenezer Scrooge und seiner Wandlung vom Geizhals zum Gutmensch. Einem wirklich zeitlosen Weihnachtsmärchen, das wohl ein für alle mal mit zu den schönsten und herzerwärmendsten Geschichten gehört, die sich die Welt je erzählt hat, ja vielleicht sogar die schönste Geschichte überhaupt ist. Kein Wunder also, dass diese Story schon wirklich X-Male verfilmt wurde und von der Version für Kleinstkinder, bis zur bluttriefenden Fassung für Erwachsene, schon in allen möglichen Variationen zu haben ist. Doch die wirklich guten Verfilmungen sind rar, so z. Bsp. die Version aus dem Hause Disney mit Mickey und Dagobert Duck und die grandiose Verfilmung mit Michael Caine und den Muppets. Doch im Jahre 2004 sorgte eine erneute Verfilmung des Stoffs für Furore und zwar die Musical-Version der Hallmark-Studios. Und fürwahr, Hallmarks Version ist wirklich atemberaubend.

Was das TV-Filmstudio hier auf die Beine gestellt hat ist bares Gold wert und definitiv einer der besten Weihnachtsfilme der letzten Zeit. Dabei ist die Geschichte natürlich altbekannt und kaum mit Überraschungen gespickt. Es geht logischerweise auch in dieser Version um den habgierigen Ebenezer Scrooge, der keinerlei Mitgefühl kennt und nur sein Geld im Auge hat. Weihnachten ist für ihn "Humbug" und wer dieses Fest feiert, der gehört für ihn mit einem Palmenzweig durchs Herz erstochen. In einer kalten Nacht allerdings erscheinen ihm drei Geister, die ihm sein Leben aus der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft zeigen. Und Scrooge soll sich ein für allemal ändern... Ja, ja, das liebgewonnene Charles Dickens-Märchen kennt ja nun wohl wirklich jedes Kind, egal wo auf der Welt. Doch so unberührt und ehrlich wie hier, ging es dennoch selten zu. Meist spinnen die Filmemacher allerhand neue Details in die Geschichte mit hinein oder passen sie in irgend ein Gewand, welches mal passt und mal nicht. Doch in dieser Hallmark-Version geht es durch und durch Buchgetreu zu, alle Figuren und Szenarien sind vorhanden und in keinster Weise werden irgendwelche unpassenden Ideen hinzu gesponnen. Quasi eine 1:1-Umsetzung des beliebten Märchens, wenn da nicht die Sache wär, dass hier (fast) nur gesungen wird.

Denn hier haben wir es schließlich mit einer Musical-Version zu tun und diese hat es wirklich von vorne bis hinten in sich. Es wird gesungen, es wird getanzt, dass es nur so eine Freude ist. Und dabei ist aber auch wirklich jedes Lied hochgradig unterhaltend oder stark berührend ausgefallen und nicht auch nur ein Song fängt irgendwann an zu nerven. Ja man kann von all dem Gesang einfach nicht genug bekommen. Egal ob nun Scrooge mit seiner rauen Stimme seine Hasstiraden singt, oder die liebliche Stimme Emilys ihren jungem Liebhaber Ebenezer ein Liebesständchen bringt. Liebe und Hass, Trauer und Fröhlichkeit, still und langsam oder schmissig und schnell. Das Liedgut dieses Films kennt hier wirklich keinerlei Grenzen und erzeugt dabei beim gewählten Zuschauer eine Stimmung, die schlicht als sensationell bezeichnet werden muss. Nur wer mit Musicals so gar nichts am Hut hat dürfte enttäuscht sein. Aber so jemand würde hier wohl eh nie und nimmer zusehen.

Die wunderbare Stimmung zum Höhepunkt bringt dann natürlich noch die grandiose Ausstattung des Films. Ganz genau wie es sich gehört, spielt sich die Geschichte vor altertümlichen Kulissen ab, die in ihrem Design einfach zum dahin schmelzen schön sind. Kitsch und Prunk gibt es hier nicht. Einzig und allein der Schnee lässt die Stadt zum richtigen Zeitpunkt leuchten. Doch auch die Innenausstattung ist prächtig geraten, vor allem Ebenezers verfallen wirkendes Haus ist schlichtweg sensationell. Dazu faszinierende Kostüme, eine unglaublich gelungene Arbeit aus der Maskenabteilung und vieles mehr. Selten wurde Charles Dickens Weihnachtsgeschichte soviel Ehre gebracht, wie hier.

Und diese Ehre wird nicht nur von den Leuten hinter der Kamera erbracht, sondern vor allem auch von den Menschen, die davor agieren. Ein großes Staraufgebot hat sich hier breitgemacht, von denen einer besser spielt als der Andere. Angefangen natürlich bei Kelsey Grammer, der hier einen Scrooge zum besten gibt, den wohl maximal noch Michael Caine mit seiner Performance toppen kann. Egal ob geizig und verbittert am Anfang, oder fröhlich und warmherzig zum Schluss, Grammer gibt seinem Ebenezer durchgehend das passende Gesicht. Dazu weitere Akteure, wie der grandiose Jason Alexander als geistesblasser Jacob Marley, Ally McBeals Jane Krakowski als Laternenjunge und Geist der Vergangenheit, Geraldine Chaplin als blinde Frau und Geist der Zukunft und natürlich die Herzallerliebste Jennifer Love Hewitt, in einem Kurzauftritt als Ebenezers ehemalige Flamme Emily. Allesamt erbringen sie hier wirklich Großartiges und geben dem Film den letzten Schliff, der "A Christmas Carol - The Musical" nun endgültig zu einem der ganz großen TV-Filme 2004 macht.

Fazit: Ohne Frage eine der wohl schönsten, herzerwärmendsten, treusten und weihnachtlichsten Charles Dickens-Verfilmungen aller Zeiten. "A Christmas Carol - The Musical" begeistert mit seiner werksgetreuen Geschichte, den durchgehend wunderbaren Songs, sowie einer Ausstattung die Berge versetzt und fernab jedweden übertriebenen Prunk und Kitsch ist. Selten sah das berühmte Weihnachtsmärchen so schön aus und selten konnte es einem so das Herz erwärmen und auf Weihnachten einstellen, wie hier. Freunde guter Musicals sowie netter Weihnachtsfilme, die auch vor der hundertsten Verfilmung des weltberühmten Stoffes nicht zurück schrecken, werden hier ein weihnachtliches Filmerlebnis haben, dass sie wohl schon lange nicht mehr gehabt haben. Gebe es die Version der Muppets nicht, dann wäre diese Version hier wohl die absolut beste Verfilmung des Stoffes, zumindest in letzter Zeit. Für mich persönlich jedenfalls nicht nur einer der besten Weihnachtsfilme, sondern vielleicht sogar einer der beste Filme, die ich dieses Jahr überhaupt gesehen habe. Einfach nur grandios!

Wertung: 9,5/10 Punkte

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