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Letzte Haus links, Das (1972)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 3 / 10)
eingetragen am 09.05.2009, seitdem 687 Mal gelesen



The Last House on the Left
Das Letzte Haus links

Eins vorab, ich habe selten einen Film gesehen, der unter so vielen verschiedenen Alternativtiteln vertrieben wurde wie dieses Machwerk aus dem Jahre 1972.
Es ist die zweite Regiearbeit Wes Cravens und er verfasste auch das Drehbuch dazu. Produziert wurde der Film von Sean S. Cunningham, der vielen Zuschauern als Regisseur des 1980 erschienenen Slashers Freitag der 13. bekannt sein dĂŒrfte.
Die meisten Filminteressierten werden von dem Film „The Last House on the Left“ schon mal gehört oder den Film, der immerhin schon 37 Jahre auf dem Buckel hat, gesehen haben. Der Film gehört zu dem so genannten „Rape and Revenge“, also in Deutsch, „Vergewaltigung und Rache“-Subgenere. Das Thema ist natĂŒrlich heikel, vor allem die Vergewaltigung, filmisch darzustellen und somit werden Filme dieses Generes, wie zum Beispiel auch „Ich spuke auf dein Grab“ oder „Muttertag“ sehr stark geschnitten oder ganz aus dem Verkehr gezogen durch Verbot und Beschlagnahme. Hier in Deutschland ist von dem Film „Das Letzte Haus links“ nur eine sehr stark zerstĂŒckelte Fassung von ca. 63 Minuten und eine von ca. 70 Minuten zu erhalten, ich beziehe meine Rezension aber auf die deutschsprachige österreichische 81 Minuten Fassung, die Originalfassung ist ĂŒbrigen ca. 84 Minuten.

Da ja jetzt im Jahre 2009 das Remake in die Kinos kommt, wollte ich mir den alten Wes Craven Film „The Last House on the Left“ auch mal ansehen, um spĂ€ter einen Vergleich zum neuen Kinofilm ziehen zu können. Übrigens ist der Wes Craven Klassiker ja auch schon ein quasi Remake von Ingmar Bergmans 1960 erschienenen Film „Die Jungfrauenquelle“ und dieser wiederum beruht auf einer schwedischen Legende aus dem 14. Jahrhundert.

Die Story ist schnell erzĂ€hlt, zwei junge Freundinnen, Mari und Phyllis, sind auf den Weg in die Stadt zu einem Rockkonzert. Mari ist gerade an diesem Tag 17 Jahre alt geworden und kommt aus einem GutbehĂŒteten und wohlhabenden Akademikerhaushalt. Gleichzeitig fahndet die Polizei nach drei Schwerstkriminellen Verbrechern und einer Frau, die wegen Raub, Mord, Vergewaltigung und anderen Delikten gesucht werden und auf ihrer Flucht schon so manchen Menschen getötet haben. Vor dem Konzert wollen die zwei MĂ€dchen noch etwas zu kiffen besorgen und treffen dabei zufĂ€llig auf einen dieser Gesuchten, der ihnen auf seinem Zimmer Gras verspricht. Sie folgen ihm blauĂ€ugig in das Zimmer, aber dort warten die anderen drei schon. Die MĂ€dchen werden gefangen gehalten und Phyllis wird von der Gruppe zusammengeschlagen und vergewaltigt. Unterdessen machen sich Maries Eltern schon große Sorgen und alarmieren die Polizei. Am nĂ€chsten Morgen verlassen alle sechs das Motel, die beiden MĂ€dchen werden Bewusstlos in den GepĂ€ckraum verfrachtet, und sie machen sich mit dem Wagen auf Richtung kanadische Grenze, kommen jedoch nicht weit, da ihr Auto direkt vor Maries Elternhaus streikt. Kurzerhand werden die jungen Frauen aus dem Kofferraum geholt, in ein nahe gelegenes WaldstĂŒck gebracht, dort auf sadistischste und bestialischste Art und Weise gefoltert, gedemĂŒtigt, vergewaltigt und schließlich getötet. Nachdem sie sich das Blut abgewaschen und umgezogen haben, gehen die vier in Maries Elternhaus und bitten dort, unter VortĂ€uschung einer Autopanne, um Quartier fĂŒr die Nacht. Schnell wird Maries Eltern jedoch klar, wen sie da als Gast aufgenommen haben und sie nehmen blutige Rache fĂŒr den Tod ihrer Tochter.

Hört sich schockierend an, ist es auch in Wirklichkeit, aber nicht in diesem Film oder so wie der Film gemacht worden ist. Ich bin so gespalten als Zuschauer, das erlebe ich selten. Die Musikuntermalung des gesamten Filmes besteht aus eigentlich ansprechenden MusikstĂŒcken, ich will nicht sagen Hippiemusik, aber doch schon sehr schöne Balladen, fĂŒr die Musik zeichnet ĂŒbrigens David Hess verantwortlich, der im Film den brutalsten der vier Verbrecher und ihren AnfĂŒhrer Krug mimt. Es kommen in der Geschichte zwei Polizisten vor, die ungelogen wie Dick und Doof aussehen und auch so spielen, Slapstick pur. Ja nun, aber was soll ich davon halten, da wird ein MĂ€dchen aufs brutalste gequĂ€lt, vergewaltigt, sie wird aufgeschlitzt, ihr werden die GedĂ€rme raus gezogen und ein Arm abgeschnitten und dazu ertönt ein seicht gesungener Song und Schnitt auf die beiden Polizisten, die gerade eine ihrer Slapsticknummern abziehen. Im gesamten Film folgen auf eine wirklich derb brutale Szene eine humorvolle Szene und dazu diese Relaxmusik. Was will oder wollte uns Wes Craven damit vermitteln? Vielleicht, dass er spĂ€ter mal die Nightmare Reihe auf den Markt bringt, die ja auch brutalste Szenen mit Sarkasmus und Witz verbindet oder die Teenieslasherreihe „Scream“, mit der Wes Craven das morden und abschlachten ins Jugendzimmer und den Fokus des sonst nicht so Horrorbegeisterten Publikums auf eine leichte und gut verdauliche Mörderstory lenkt.
Das scheint mir dann auch der Grund des so rigorosen KĂŒrzens, Schneidens und Verbietens des Filmes in Deutschland zu sein. Man kommt einfach mit dieser Machart nicht zurecht, Humor und schlimmstes quĂ€len, vergewaltigen und ermorden junger MĂ€dchen, das passt einfach nicht zusammen. Der Film, das Thema verliert total an GlaubwĂŒrdigkeit und man nimmt das Geschehene gar nicht mehr so ernst, wenn auf der einen Seite ĂŒberdrehte und ĂŒberdosierte Gewalt steht und auf der anderen Seite derber Humor, Slapstick und Witz. Der Film wird zur Farce, der Zuschauer fĂŒhlt nicht mehr mit und man zieht sich den Film nur noch so als Konsum rein. Zudem ist der Humor, Witz und Slapstick unterste Schublade und einfach nur doof. Das dies bei „Nightmare on Elm Street“ und „Scream“ so blendend funktionierte hĂ€ngt vielleicht auch damit zusammen, dass alles wohldosierter war und das Drehbuch viel, ja sehr viel ausgereifter.
„The Last House on the Left” ist nun mal der erste ernstzunehmende Spielfilm des damals noch unerfahrenen jungen Regisseurs. Man erkennt zwar schon da sein Talent als Filmemacher und seine spezielle Art, wie er uns den Horror bis heute in seinen Filmen prĂ€sentiert, jedoch ist das Werk noch total unausgegoren und verliert durch diese extreme Stereotypisierung alles an GlaubwĂŒrdigkeit. Der Zuschauer wird leider nur zum Voyeur degradiert, der ca. 80 Minuten das blanke Grauen gepaart mit erbĂ€rmlich schlechtem Humor, untermalt mit schöner Musik konsumiert und am Ende nicht weiß was er davon halten soll, denn unterhalten wurde er ja, langweilig wurde es aufgrund der relativ kurzen Spielzeit auch kaum. Aber ist das Thema nicht eigentlich zu bestĂŒrzend um sich davon auf diese Art einfach nur so berieseln zu lassen und nach kurzweiliger Unterhaltung schnell wieder zu vergessen, denn zum Nachdenken bringt der Film den Zuschauer eigentlich nicht. Aus diesem Grund ordne ich diesen nicht ernstzunehmenden Film als absoluten Trashfilm ein und eine JugendsĂŒnde von Was Craven.
Trotzdem sollte sich jeder der es möchte selbst ein Urteil bilden können und den Film, wenn er es denn will, in Originalfassung sehen können. Damit spreche ich mich noch mal gegen die herrschende Bevormundung aus, sprich Zensur in Deutschland, die wohl auf der Welt einmalig ist.
© www.filmania.de


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