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Asphalt-Kannibalen (1980)

Eine Kritik von McHolsten (Bewertung des Films: 5/10)
eingetragen am 01.07.2004, seitdem 537 Mal gelesen


Die meisten Kannibalenfilme spielen im Dschungel (oder was einen für Dschungel verkauft werden soll), wo sich schlecht angepinselte „Darsteller“ um die besten Magenstücke reißen. „Asphalt – Kannibalen“ bewegt sich von dieser Thematik fort hin zum Großstadtthriller. Durch Einflechtung des Vietnam Traumatas entstand eine originelle Abwandlung, wobei man mehr aus dem Film hätte machen können. Insbesondere Freunde kannibalistischen Treibens kommen ein wenig zu kurz.

Während eines Einsatzes in Vietnam kann Offizier Hopper (John Saxon) zwei ehemalige Kumpel aus den Klauen des Vietcong befreien - doch wer hat hier wen in der Hand? Denn die beiden haben sich irgendwie einen Virus eingefangen der ihnen kannibalistische Gelüste bereitet und sie von den Leichen Gefallener zehren lässt. Wieder zurück in der Heimat kommen die beiden in die Geschlossene; Hopper selber hat außer einem Biss von einem der beiden und dem üblichen Vietnam - Trauma keine bleibenden Schäden. Dennoch quälen ihn immer wieder Alpträume; er ist verwirrt, da auch sein Appetit auf Fleisch wächst. Was er noch nicht weiß: der Virus wird durch Wunden, seien sie noch so klein, übertragen und lassen den Infizierten langsam aber sicher ebenfalls zu einem Kannibalen werden...als einer der beiden "Freigang" hat breitet sich der Virus nach und nach in der Stadt aus!

Neue Impulse werden ganz klar gegeben, jedoch sind diese zu oberflächlich und zu banal. Woher der Virus kommt und wie er wirkt wird nicht erklärt, in dem kurzen Vietnam - Abschnitt wird außer mäßiger Action nichts geboten, was interessant oder erklärend ist. Schade! Demnach dümpelt die Story in der Stadt nur so vor sich hin, ohne das es mal wirklich spannend oder interessant wird.

Ausnahme bildet das letzte Drittel (mit dem guten, wenn auch vorhersehbaren Ende), wo besonders Effektliebhaber auf ihre Kosten kommen.

Für einen Kannibalenfilm sind die gebotenen F/X eindeutig zu wenig. Die Fressszenen sind zwar annehmbar, halten sich jedoch grafisch zurück und erreichen nie die „Klasse“ und Schockwirkung der Dschungelstreifen. Auch die anfängliche Vietnamsequenz ist milde. Die wenigen, über den Film verstreuten Splatterszenen sind jedoch gut gemacht.

Aber als reiner Splatterfilm will „Asphalt – Kannibalen“ auch gar nicht verstanden werden. Eigentliche Intention des Regisseur war es einen "Antikriegsfilm " Film zu drehen, was er dann doch nicht tat und auf den Zug der Kannibalenfilme mit aufsprang - nach einem gewissen Druck der Produzenten. Einen wirklichen Spagat machte er jedenfalls nicht, denn wie gesagt ist das Thema Krieg und Vietnam nur am Rande gestreift.

Die Darsteller sind okay, John Saxon als Hauptakteur ist am bekanntesten und besten und spielt seinen Charakter als halbwegs normal Traumatisierter ganz gut. Seine beiden anderen Kriegskameraden geben sich zwar nicht viel, der Darsteller des Charles B. ist aber gut psychopathisch dargestellt. Auch die anderen Nebendarsteller sind annehmbar.

Natürlich gibt es auch hier viele in ihrer Darstellung witzige Szenen, wie die Rocker die Anfangs noch Joggerinnen belästigen und kurz darauf jedem Pfadfinder zum Vorbild dienen könnten oder die Beziehung zwischen Officer Hopper und Mary, die ihn umgarnt. Anfangs wundert man sich noch über Sinn dieser Szenen - später allerdings erklären sich diese von selbst; wenn auch wieder einige Fragen offen bleiben. Das ist Schade, denn "Asphalt - Kannibalen" hebt sich sonst aus dem üblichen Einheitsbrei hervor.

Positiv zu erwähnen ist noch der Score, der zwar nicht von Goblin kommt, auch nicht annähernd so klingt, aber trotzdem sehr positiv ist und in den atmosphärischen Szenen - so wenig sie auch sind - noch einmal die richtige Würze gibt.

In allem ein merkwürdiger Kannibalenfilm, der zwar nicht hält was der reisserische Titel verspricht, jedoch passable Unterhaltung für Freunde des italienischen Trashkinos ist.


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