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Million Dollar Baby (2004)
Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 8/10) eingetragen am 14.02.2006, seitdem 632 Mal gelesen
Nach „Mystic River“ liefert Clint Eastwood mit „Million Dollar Baby“ erneut ein gelungenes Drama ab, dass seine Oscarauszeichnungen redlich verdient hat.
„Million Dollar Baby“ erzählt keine megainnovative Geschichte, doch all dies auf sehr intensive Weise. Eine der Hauptpersonen ist der gealterte Boxtrainer Frankie Dunn (Clint Eastwood). Er ist als Trainer wirklich gut, doch einen Titelkampf hat keiner seiner Schützlinge bekommen – teilweise legt es an Frankies übermäßiger Vorsicht, zum anderen an anderen Managern, die den jungen Boxern mehr versprechen. Mit seiner Familie hat sich Frankie zerstritten, nur mit Eddie 'Scrap-Iron' Dupris (Morgan Freeman), dem Hausmeister seines Boxstudios, verbindet in eine 23 Jahre lange Freundschaft.
Eines Tages beginnt die 31jährige Maggie Fitzgerald (Hillary Swank) in seinem Studio zu trainieren. Frankie lässt sie gewähren, doch verkündet er würde keine Frauen trainieren. Nach einer Weile nimmt er sich jedoch Maggies an, bringt ihr das richtige Boxen bei und hat bald eine aufstrebende Fighterin am Start…
Eastwoods eindringlicher Film ist mehr als nur die weibliche Version von „Rocky“, auch wenn die Kämpfe noch ähnlichen Realismus wie die ersten Teile der Stallone-Saga besitzen. Realistisch und trotzdem ziemlich dynamisch werden die Boxereien dargestellt – und sind meistens schnell vorbei, da Maggie ihre Gegnerinnen meist zügig ausknockt. Trotzdem sind die Fights echte Spannungshighlights ohne wie oberflächliche Action zu wirken.
Die Geschichte der aufstrebenden Boxerin erzählt Eastwood zwar ruhig, aber nie langweilig oder langatmig. Vor allem die Kommentare Scraps, der den Film als Off-Erzähler begleitet, wecken auf ihre rückblickende, leicht sarkastische Art immer wieder das Zuschauerinteresse und sorgen für einen recht lockeren Ton. So bleibt die Geschichte fast durchweg kurzweilig, obwohl man die Story vom sportlichen Talent (Maggie schafft in anderthalb Jahren das, wofür andere vier brauchen) schon mehrfach gesehen hat und die Themen, die „Million Dollar Baby“ anschneidet (Ellenbogengesellschaft im Sportbusiness, Maggies Hintergrund in der Armutsgesellschaft usw.), auch nicht unbedingt Neuland betreten. Lediglich das Statement, das „Million Dollar Baby“ zum Thema Sterbehilfe trifft, gab es im US-Kino selten zu sehen (zumal das Thema dort eh kaum in den Fokus tritt).
Die große Stärke von Eastwoods Film sind daher vor allem die sehr glaubwürdigen und sympathisch gezeichneten Charaktere. Frankie hat die übliche kaltschnäuzige Attitüde, welche die meisten Eastwood-Charaktere so liebenswert macht: Er gibt sich zynisch, teilweise aber auch nur um eigene Unsicherheit oder Verletzlichkeit zu verbergen. Auch seinen Priester ärgert er gern mit dummen Fragen, sucht aber insgeheim spirituelle Lebenshilfe. Ähnlich plastisch ist Scrap, die gute Seele des Studios, der einmal sehr eindrucksvoll zeigt, dass mit ihm und seinen Schützlingen nicht alles machen kann, und Maggie, für die Boxen die einzige Flucht aus ihrer tristen Realität und ihren miesen Familienverhältnissen ist.
Lediglich im letzten Drittel lässt „Million Dollar Baby“ etwas nach. Die Wendung, die diesen Abschnitt einleitet, ist zwar ein echter Hammer, aber danach schleppt sich der Film ein wenig daher und tritt etwas auf der Stelle. Zudem wird es hier etwas klischeehaft (genau, was Eastwood vorher gut vermieden hatte), z.B. beim überzogenen zweiten Auftritt von Maggies Familie, bei dem „Million Dollar Baby“ zu sehr in schwarz-weiß-Malerei verfällt.
Schauspielerisch ist „Million Dollar Baby“ trotzdem über jeden Zweifel erhaben, vor allem ein gewohnt ausdrucksstarker Eastwood, der sich mal wieder kritisch mit dem eigenen Alter auseinandersetzt. Auch Morgan Freeman agiert mal wieder großartig und Hillary Swank vollbringt eine Glanzleistung: Schon allein das Training, das sichtbar in ihren Boxszenen zutage tritt, muss ziemlich extrem gewesen sein und zeugt von ihrer Hingabe für das Projekt. Die anderen Darsteller müssen da zurückstehen, bieten aber ebenfalls keinen Anlass zur Klage.
Zu Recht Oscarprämiertes, mit sehr glaubwürdigen Charakteren ausgestattetes Drama, das zwar im letzten Drittel etwas schwächelt, aber sehr bewegt.
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