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Dhoom - Die Jagd beginnt (2004)

Eine Kritik von Vince (Bewertung des Films: 3/10)
eingetragen am 11.03.2006, seitdem 349 Mal gelesen


Aah, diese Schmerzen!
Keine Ahnung, was mich dazu bewogen hat, mich zweieinhalb Stunden vor die Mattscheibe zu setzen, diesem Käse beim Zerlaufen zuzusehen und anschließend auch noch Zeit für eine Nachbetrachtung aufzuwenden - ich schätze, es war zum einen Kollegialität gegenüber (mindestens) zwei Herren, die womöglich irgendwo da draußen selbst schon an einem Review sitzen... zum anderen das Schließen einer Trendlücke, denn dies war mein erster (und letzter, soviel sei gesagt) Bollywood-Film überhaupt. Er erschien mir erträglich, weil er nicht die üblichen Schmonzetten (die ich allerdings nur vom Hörensagen kenne, Vorurteile sind in diesem Text also nicht ausgeschlossen, liebe Bollywoodler; ihr habt meine Erlaubnis, mich verbal niederzuprügeln) in den Vordergrund zu stellen versprach, sondern Action und Comedy. Und irgendwo muss man sich ja zumindest mal ein Bild machen, um zumindest in Ansätzen mitreden zu können bzw. sich nicht immer sagen lassen zu müssen, dass man sich doch wenigstens mal mit eigenen Augen ein Bild machen soll. So, hab ich gemacht. Schaut auf meine Note. Zufrieden?

Ich führe diese Informationen deswegen an, weil ich von vornherein klarmachen will, was man sich von meiner Kritik erwarten sollte. Es gibt hier keine Bezüge zu anderen Bollywoodstreifen, keine Auseinandersetzung mit der indischen Kultur und keine Beurteilung der schauspielerischen Entwicklung der Akteure, die mir allesamt zum ersten Mal über den Weg liefen. Was es hier gibt, ist das Statement von jemandem, der zwar Vorurteile hatte, aber mit gutem Willen an die Sache herangegangen ist. Jemand, der danach schaut, was ein Fan von Action und Buddy-Movies der amerikanischen oder westeuropäischen Sorte zu erwarten hat. Ich will auch für Bollywood-Abstinenzler das Auge eines Mannes sein, der sich auf fremdem Terrain verirrt hat und Schreckliches sah. Unbeschreibliches. Ich wäre überrascht, wenn ich die nächsten Nächte durchschlafen könnte, ohne nicht mal schweißgebadet aufzuwachen, vor dem geistigen Auge ein begattungsfreudiger Inder, der ein Weibsbild umbalzt wie ein Frettchen zur Paarungszeit.

Doch gar hätte es eine wundervolle Sache werden können, das Bollywood-Action-Gemisch. Der gemeine Actioner hätte hübsch persifliert werden können. Sich unheimlich wichtig nehmende Trendsportfilme, die zuletzt den amerikanischen und dann auch den europäischen Markt überschwemmten, hätten mal so richtig eine auf den Sack gekriegt. Denn dass “Dhoom” per se unmöglich ein Film hatte werden können, der sich einfach so mir nichts dir nichts “The Fast & The Furious” & Co. anschließt, war klar - es musste was mit Parodie zu tun haben oder wenigstens mit Selbstironie, so naiv kann keiner sein, dass hüpfende, tanzende Männchen als harte Kerle durchgehen würden.

Und so ist es dann auch geworden, der Film ist eine einzige Verarschung, und nichts an der Story gibt vor, innovativ sein zu wollen. Die Hauptquellen sind an zwei Fingern auszumachen: Ein bisschen “The Fast & the Furious”, jede Menge “Taxi”, das wohl deswegen zur bevorzugten Quelle gemacht wurde, weil es ein Musterbeispiel dafür ist, wie ein nicht-amerikanischer Film erfolgreich das internationale Parkett erobert. Nein, Gemecker über fehlende Originalität will ich nicht gelten lassen, das ist mit Verlaub total schnurz.

Das Problem ist folgendes: Der Film verarscht nicht etwa den euroamerikanischen Trend der Xtreme-Action-Movies... er verarscht sich selbst! Wahrhaftig. Das Bollywood-Flair kommt in Kombination mit dem Action-Subgenre so penetrant unpassend herüber, dass der ganze Film wirkt wie ein Idiot, der sich selbst ins Gesicht schlägt und wie irre darüber lacht, um den anderen zu imponieren. Die zelebrieren ihr eigenes Unvermögen, einen vollwertigen, glaubwürdigen Beitrag zum Genre vorzulegen. Nur ist das leider keine sympathische Selbstironie mehr, sondern beängstigender Unfug... und der persiflierende Angriff auf den Trend selbst bleibt obendrein auch noch aus.

Dabei war das schon die richtige Richtung, aus der Sache einen Buddyfilm zu machen - einen, der sich voll und ganz der indischen Kultur hingibt (Uday Chopra) und einen, dem das alles zu blöd ist (Abhishek Bachchan). Aber wie das halt so ist, fängt der lässige Cop irgendwann auch an, mit den Hüften zu schwingen und lässt sich von den Bolly-Wogen mitreißen - eine Sache, die mir nicht passiert ist.
Im Gegenteil: Ich sass da und musste mit ansehen, wie ein total sinnlos eingefügter Fruchtbarkeitstanz nach dem anderen reingeklatscht wurde. Untertitel erzählten mir was davon, sich dem Moment hinzugeben, frei zu leben, Familien zu gründen und so weiter - es wurde mit Sexmetaphern um sich geworfen, dass Bolly-Mum ihrem Nachwuchs schon die Ohren zuhalten musste. Hasibär und kalkulierter Sympathieträger Uday Chopra kriegt sein Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht jedes Mal, wenn der Plot angehalten wird, um ‘ne Tanzeinlage reinzuschieben. Das jeweilige Begattungsobjekt hielt sich schon vor Freude den Bauch und fühlte, ob das Baby schon da war. Ich weiß, ich bin ein Ignorant, aber was das in einem solchen Film zu suchen hat, das soll mir erstmal einer erklären. Das war nämlich alles vollkommen ernst gemeint. Wie herrlich hätte man in diesen Tanzeinlagen sarkastisch die kleinen Substories aus “The Fast & The Furious” oder “Taxi” nacherzählen können - die Grillparty mit anschließendem Streit um Jordana Brewster oder was auch immer. Aber nöö. Hasibär grinste zwar, aber das war kein ironisches Grinsen, das war ein aufrichtiges Li-La-Launebärgesicht.

Aber besinnen wir uns zuletzt auf das Wesentliche - die Darstellung der Action. Regisseur Sanjai Gadhvi arbeitet viel mit neumodischen Schnittechniken und matrixhaftem Wirework, überzogener SFX-Ware à la “M:I - 2" und Special Effects du “Transporteur”. Die Bad Guys laufen angepisst und in Zeitlupe auf den Zuschauer zu, unterbrochen von Jump Cuts frei nach Robert Rodriguez’ “Desperado”. Und siehe da - das könnte man wegen der Überladenheit der Darstellung der Action glatt als Parodie auslegen. Andererseits - setzt man die diesbezüglichen Genreköniginnen, “Charlie’s Angels”, zum Vergleich an, sieht “Dhoom” doch ganz arm aus. Es ist ganz einfach: Um durch Überzogenheit der Effekte und Kampfsequenzen parodistisch zu sein, bleibt die Action hier erstens deutlich zu rar und zweitens, sofern sie dann mal in Erscheinung tritt, zu laff. Nehmen wir mal zwei recht gut gelungene Szenen - die Feuersache und die Boot-über-Brücke-Angelegenheit - aus der Gleichung heraus, so bleibt am Buffet nicht mehr viel übrig für den Action-Gourmet. Die weibische Art der “Helden” gibt dem Bemühen endgültig den Rest - das Prädikat “Sissi-Actioner” ließ sich nicht aus meinem Schädel vertreiben und hat es nun tatsächlich in die Kritik geschafft. Sicher, technisch gibt’s weit Schlimmeres, der finale Abgang wird nur noch durch den darauf folgenden Oneliner getoppt und ich will sicher nicht alles verteufeln, was man zu sehen bekam - unter einem Film, der rockt, verstehe ich aber etwas ganz anderes.

So wie ich das sehe, wurde hier die Möglichkeit vergeben, eine blöd rockende Parodie auf Trendsportfilme abzufeiern. Ob das überhaupt zu erwarten gewesen ist, weiß ich nicht - keine Ahnung, wie flexibel man dort in Indien diesbezüglich ist - zumindest die Songtexte bei den Tänzen, den unerträglichsten Filmmomenten seit der Erfindung singender Tiere durch Disney, sind ja sehr “flexibel”, um nicht zu sagen rollig. Bollywood hat sich jedenfalls in diesem Film als unflexibel erwiesen in bezug darauf, sich auf andere Genres einzulassen als auf die epenlange Romantikschleimspur eines Sharukh Khan. Aber bitte, greift zu, lasst euch nicht den Hunger verderben. Ich habe für mich jedenfalls folgende These verifiziert: Bollywood ist doof.
3.5/10


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