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Born to Fight (2004)

Eine Kritik von Blade Runner (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 11.06.2005, seitdem 2427 Mal gelesen


Der Output der thailändischen Filmwirtschaft ist hoch, qualitativ aber mangelhaft, weswegen über die Grenzen des Landes hinaus nur selten Streifen zu Exportschlagern avancieren. Im Vergleich zu Südkorea, China respektive Hongkong oder Japan müssen sich die thailändischen Filmemacher zudem auch noch mit relativ niedrigen Budgets zufrieden geben.
Bereits vor zwei Jahren schaffte es man dann aber doch mal international für Furore zu sorgen und legte mit „Ong-Bak“ einen knüppelharten Prügelstreifen, von dem ich persönlich kaum angetan war, hin, der schnell zum Kult erhoben wurde.

Der damals als Martial-Arts-Choreograph für die dort, zugegeben, tollen Kämpfe, verantwortliche Panna Rittikrai nimmt nun selbst auf dem Regiestuhl Platz, schrieb zusammen mit Thanapat Taweesuk (Cutter bei „Ong-Bak“ wie auch bei „Born to Fight“) ein, nennen wir es mal zweckmäßiges, Drehbuch und fabriziert mal nebenher eine nahezu ohne Pausen durchgezogene 90minütige Actionorgie, die äußerst spektakulär ausfällt.

CGI ist teuer und wird hier deswegen knapp dosiert. Rittikrai setzt auf eine traditionelle Inszenierung und die passt auch genau zu diesem deutlich an die so herrlich naiven Actionklopper der Achtziger erinnernden Werk.
Der Plot bleibt dabei dürftig und beschränkt sich wirklich nur auf das Nötigste. Wir erleben hier einen Cop, der nach dem Tod seines Partners in ein mentales Loch stürzt und zur Ablenkung mit einer Gruppe Sportler in ein ländliches Dorf reist, um auf andere Gedanken zu kommen. Wie es der Zufall will, okkupieren die Anhänger des im einführenden Einsatzes festgenommenen Oberbösewicht eben dieses friedliche Dorf und drohen der Regierung mit Exekutierung der Geiseln (Fangen damit auch vorsichtshalber vor laufender Kamera schon mal an), sowie der Auslöschung Bangkoks mittels atomarer Langstreckenrakete, sofern ihr Chef nicht in ein paar Stunden wieder freie Luft schnuppern darf. Klar, dass es da einen Held geben muss und wer das darstellen wird, ist auch kein großes Rätsel.

Rittikrais Actioneufonie setzt sich vorwiegend aus Muay-Thai-Fights und kompromisslos-blutigen Shootouts auseinander. Der ein oder andere Effekt haut zwar mal daneben, aber die meisten Tricks sind gelungen. Die kleinen Mankos fallen in dieser Orgie eigentlich sowieso nicht auf, denn von der ersten Minute wird voll auf die Tube gedrückt und bis zum Schluss nicht abgebremst. In letzter Zeit, soviel sei hier versprochen, gab es nirgends so zügellose Actioneinlagen zu begutachten. Beginnend mit in Zeitlupen festgehaltenen bloody Shootouts, steigert sich der Film kontinuierlich. Hervorgehoben sei dabei die anschließende Verfolgungsjagd mit zwei Sattelschleppern. Unser Filmheld schwingt sich während der Fahrt auf eines dieser riesigen Exemplare, fliegt auf dem Dach zweihändig ballernd in Slowmotion durch die Luft, prügelt sich mit den Häschern und stürzt sie in den Tod. Die dabei gezeigten Stunts trotzen im Grunde jeder Beschreibung, denn sie sind, und das zeigt der Abspann sehr deutlich, echt. Ich kenne ja nun die dortigen Gesetze nicht, aber ohne Knochenbrüche dürften die Stunts kaum durchführbar sein. Entweder sind die thailändischen Stuntmen alle bekloppt, oder sie haben ein Schweinegeld dafür bekommen. Wer sich jedenfalls von einem fahrenden Laster fallen lässt, noch gegen die Wagenkante des zweiten knallt und dann haarscharf an den Rädern vorbei auf die staubige Fahrbahn knallt, hat, in my opinion, nicht mehr alle Tassen im Schrank. Freilich sieht das wahnsinnig spektakulär aus, der Gesundheit dürften die Dreharbeiten für bestimmte Leute aber sicherlich abträglich gewesen sein.

„Born to Fight“ ruht sich aber nicht auf seinen schon zu Anfang eingeheimsten Sympathien aus, so dass der Actionpurist aus dem Staunen nicht mehr herauskommt. Ab der Geiselnahme wird im Grunde nur noch gekloppt und geschossen und ab Filmmitte gibt es sogar gar keine Pause mehr. Die eingangs erwähnten Anhänger schaffen es zwar mit roher Gewalt und kompromisslosen Vorgehensweisen die Einwohner und die Sportler zusammenzutreiben und einzuschüchtern, doch mit dem jungen Polizisten haben sie nicht gerettet, so dass der die Geiseln zum Widerstand bewegen kann.

Doch auch „Born to Fight“ hat seine Mankos. Die sind zwar angesichts des Actionfokus minimal, doch sie sind unübersehbar. Die Darsteller sind beispielsweise durchweg erstklassige Fighter, schauspielerisch aber talentfreies Nirvana. Nun erwarte ich in solchen Streifen auch gar keine Oscar-würdigen Leistungen, aber insbesondere unser Filmheld (Wie auch immer der nun heißt, ich kann kein Thai..) könnte eine ordentliche Portion Charisma vertragen und nicht ganz so austauschbar dreinschauen. Hinzugesellen sich ein paar superkitschige, pathetische Szenen, wie das Verteilen von Geschenken an die arme Dorfbevölkerung und das spätere Erheben selbiger zur Nationalhymne, sowie ein Abschied mit Tränendrüsendauerfeuer. Dagegen ist Michael Bay fast ein Chorknabe.
Auch die Inszenierung hat kleinere, vernachlässigbare Schwächen. Der einsilbige Farbfiltereinsatz ödet auf die Dauer an, spannend ist „Born to Fight“ eigentlich auch nicht und die Musikbegleitung hätte durchaus energischer ausfallen können. So ein Reißer benötigt einfach einen Score, bei dem sich die Nackenhaare aufstellen. Mit etwas Glück wird eventuell bei der internationalen Auswertung da nachgesteuert. Eine englische oder deutsche Synchronisation würde ich mir sowieso wünschen. Thai klingt in meinen Ohren reichlich unmelodiös – auch wenn hier soviel nicht gesprochen wird.

Nichtsdestotrotz bleibt der Film nahezu eine Klasse für sich. Die äußerst akrobatischen und mit Sicherheit auch sehr schmerzhaften Stunts sind beispiellos, die harten Fights ein Genuss. Das Gunplay, übrigens zwischendurch von einem hervorragend gefilmten Longshot festgehalten, wird von Brutalität, Explosionen (wirklich imposant!) und jeder Menge blutiger Shootouts (Headshots inklusive) dominiert. Dabei müssen auch Unschuldige und Kinder dran glauben, denn zimperlich geht es hier wirklich nicht zur Sache. Auf ein paar kreative Albernheiten, wie die Rettung des Babys, hätte man dabei verzichten können.

Das Wichtigste an „Born to Fight“ ist die Tatsache, dass das abgebrannte Actionfeuerwerk auf die Dauer nicht eintönig wird. Rittikrai bringt soviel abwechslungsreiche Moves und Gimmicks unter, dass dem Publikum immer wieder die Kinnlade herunterklappt. Hier mal ein über brennende Fässer springendes Motorrad oder ein sich überschlagender, fackelnder, sich durch Blechhüten fräsender Truck, dann wieder blutige Shootouts oder Kloppereien der härteren Gangart – übrigens mit einer stylischen „Ich schnür mir das Stirnband zum Endkampf“ – Szene. Zu verdanken hat er die beeindruckend unterschiedlichen Kampftechniken vor allem der Sportlerriege, die jeweils ihren Sport in die Knochen brechenden Kämpfe mit einfließen lässt.


Fazit:
Gut, ich komme aus dem Schwärmen nicht mehr raus – aus gutem Grund. Wann gab es so was denn auch das letzte Mal? „Born to Fight“ richtet sich nahezu mustergültig an die Geeks und Actionpuristen, die von harter Gewalt, seien es Ballereien oder Martial-Arts, nicht genug bekommen können. Von Charakteren oder einem Plot daher keine Spur. Ja, sicher, ein paar ganz lütsche Defizite hat der Film sicherlich, doch die verzeih ich Rittikrai angesichts des Restmaterials großzügig. Soviel ist jedenfalls sicher: Was man hier an Stunts, insbesondere in Bezug auf die Verfolgungsjagd zu Beginn, und Martial-Arts zu sehen bekommt, dürfte selbst Hongkong vor Neid erblassen. Selbst die Pyrotechnik erinnert an gutes altes Kino der Marke Cannon. Atemberaubend, extrem kurzweilig, mitreißend, brutal, humorlos, spektakulär, einfach geil. Der Overkill schlechthin...


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