Es ist immer etwas zwiespältig, wenn man einen Film betrachtet, den jemand über ein Metier gedreht hat, in dem er zuhause ist, jedoch in einer Position, die für ihn noch relatives Neuland bedeutet. Natürlich könnte man mit Totschlagargumenten arbeiten, die einem Stuntman den Regieversuch ohnehin nicht zubilligen, aber soweit möchte ich nicht gehen. So richtig einfach macht es mir Jesse V. Johnson dabei aber auch nicht. Natürlich hat er mit seinem für Hollywood geringfügigen Budget von $ 600.000 (Allein die durch das FBI angedrohte Urheberrechtsstrafe im Vorspann beträgt knapp die Hälfte dieser Summe!) und nur 13 Tagen Drehzeit die harte Tour gewählt, doch die Frage stellt sich, ob der Zuschauer hier in seiner Betrachtung Milde walten lassen müßte, da dieser Umstand ja auch nicht auf dem Cover erwähnt wird. Selbst 20th Century Fox zeigt auf ihrer DVD-Veröffentlichung das Key-DVD-Logo, welches für das reanimierte B-Movie-Sublabel Key-Video steht, also die Ansprüche zurecht rücken könnte, erst im Vorspann. Dabei erfuhr Pit Fighter tatsächlich eine Menge Lob, welches ich nach Sichtung des Films nur beschwerlich nachvollziehen kann.
Wenn man den Schwerpunkt auf Action legt, dann nimmt der Film die richtige Abkürzung. Jack Severino (Dominiquie Vandenberg) wird angeschossen aufgefunden und erinnert sich an nichts mehr. Flüchtig zusammengeflickt erkennt Manolo (Steven Bauer) in ihm ein Potential als Kämpfer und schickt ihn für Kleinmafiosi in den Ring der schmutzigen Geheimclubs. Die Kämpfe verzichten auf Schickimicki. Treffer gehen schnörkellos direkt auf den Mann und man erinnert sich ein wenig an die Prämisse aus Fight Club. Das ist allerdings optisch nur eine gewisse Zeit interessant. Pit Fighter versucht dem mit Brüchen und Platzwunden entgegen zu wirken, kann in seiner billigen DV-Optik mit stellenweise einfach zu hektischen Zwischenschnitten jedoch nicht verbergen, daß mit Robert Hayes zwar ein alter Hase für die Kinematographie sorgt, dieser aber anscheinend seit Phönix - The Warrior keinen Ausweg aus dem langweilig photographierten Videoallerlei gefunden hat.
Leider verpaßt es nun Johnson, mit seinem Drehbuch dem etwas rauchig-verwaschenen Digitalfilter-Look eine Substanz entgegen zu stellen, die den Zuschauer aus seinem lusziden Schlummerzustand reißt. Stattdessen prescht Pit Fighter am Publikum vorbei, ohne eine emotionale Rührung zu provozieren, was insbesondere anbetrachts der gezeigten Brutalität ein großes Manko darstellt. Severinos Haltung zu den Kämpfen bleibt weitestgehend unverständlich. Seine Zuwendung zur Religion wirkt zwar wie ein Reinigungsvorgang von seinem bisherigen Leben als eiskalter Killer, welches uns in Rückblenden gezeigt wird, bleibt aber unerklärt und wirkt daher eher willkürlich. Diese Alibifunktion scheint jedoch der gesamte Plot einzunehmen, der einzig auf eine Schießerei irgendwo zwischen The Wild Bunch und Scarface zusteuert. Dies ist bei einem Mafiakonflikt wegen rückgängiger Wettgewinne noch nachvollziehbarer als bei Jacks Vergangenheit, die ihn zielsicher einholt.
Kann man von einem amerikanischen Actionfilm aus dem Jahre 2005 mehr erwarten? Nun, immerhin liegt seit Rocky eine Wettkampf-Tradition von knapp 30 Jahren zu Grunde, die sich unter dem Einfluß des asiatischen Kampfsports mehrfach gewandelt hat und in den Neunzigern schwindenden Budgets erlag. Zwar bietet Pit Fighter dezent ausgeklügeltere Kulissen als der typische Hinterhof mit Benzinfässern, kann sich jedoch nicht über den Status "gut gemeint" erheben. Ähnlich billig und sinnlos, dafür aber wesentlich stimmiger konnte im selben Jahr sogar der deutsche Kampfansage 3 - Der letzte Schüler glänzen. Jesse V. Johnsons Film krankt ganz bestimmt auch daran, daß man ihm im Gegensatz zu älteren Kampfgurken keine Guilty-Pleasure-Boni mit nostalgisch weit geöffnetem Herzen entgegen bringt. Daß man mit ein bisschen Geschick trotzdem einen interessanten Kampffilm schaffen kann, hat nicht nur Johannes Jaeger bewiesen, sondern zu gleicher Zeit auch Prachya Pinkaew mit Tom Yum Goong, ganz zu schweigen von Lexi Alexander mit ihrem auch auf direkte Gewalt setzenden Drama Hooligans. Letzterer Film spielt jedoch in einer ganz anderen Liga, in die Johnson mit platten Dialogen, die von seinen Darstellern zudem noch wenig ambitioniert vorgetragen werden, sicherlich nicht vordringen kann. Es bleibt die manchmal ganz nette Action in einem leider viel zu schwachen Gesamtbild. Da sich dieses aber auch ohne Geld hätte aufpolieren lassen, kann man diese Schwäche einfach nicht entschuldigen.