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Eyes of Crystal - Die Angst in deinen Augen (2004)

Eine Kritik von Dr. Phibes (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 05.03.2006, seitdem 1734 Mal gelesen


Fans des Giallo-Sektors wurden in letzter Zeit nicht wirklich verwöhnt. Einzige Hoffnung war Dario Argento, der mit „Non Ho sonno“ seine alte Klasse bewies, dann aber mit „The Card Player“ wirklich nur noch Hardcore-Fans befriedigen konnte. Lange war es still im Giallo-Sektor, doch „Occhi di Cristallo“ sorgt für eine Wiederbelebung.


Zwei Männer und eine Frau werden auf einem Feld von einem unbekannten Person erschossen. Als Inspektor Amaldi (Luigi Lo Cascio) sich die Leichen näher anschaut, bemerkt er, dass der Frau eine Brust fehlt, diese aber sorgfältig rekonstruiert wurde. Ging man zunächst von einem simplen Mord aus, so findet Amaldi heraus, dass der Täter bewusst tötet. Es sterben weitere Frauen und immer fehlen ihnen Körperteile, die durch entsprechende Teile einer lebensgroßen Puppe ersetzt wurden. Ferner gibt der Killer den Polizisten Rätsel auf, wer das nächste Opfere wird, doch immer ist die Polizei zu spät dran.
Zur gleichen Zeit meldet sich die hübsche Giuditta (Lucia Jimenez) bei Amaldi. Sie wird seit einiger Zeit von einem irren Stalker verfolgt, der sie anruft und belästigt. Amaldi und Giuditta kommen sich näher und es scheint auch eine Verbindung zum Killer zu geben...


Der König ist tot, lang lebe der König. Wenn man jetzt das Wort „König“ durch das „Giallo-Genre“ ersetzt, sind wir schon beim Punkt. Man hatte ja kaum damit gerechnet, dass es überhaupt noch mal einen vernünftigen Giallo-Beitrag geben würde. Umso erfreulicher ist, dass es ab und zu doch noch Ausnahmen gibt. „Occhi di Cristallo“ ist diese Ausnahme.

Das Giallo-Genre hatte seine Höchstzeit in den 70ern und 80ern. Besonders geprägt wurde es durch keinen anderen als Dario Argento, der mit „Profondo Rosso“, „Tenebre“ und „Opera“ wahre Meisterwerke verbrachte. Doch jeder Stern beginnt irgendwann zu sinken. Ein kurzes Aufbäumen folgte noch einmal mit Argentos „Non ho Sonno“. Alte Tugenden waren zu erkennen. Es gab die klassische Giallo-Musik, brutale Morde und die typischen Argento’schen Kamerafahrten. Als man glaubte, Argento sei wieder auf dem besten Weg, so folgte „The Card Player“. Selbst unter den absoluten Argento-Fans ist dieses Werk mehr als umstritten, der Großteil lehnte es ab, weil Argento alles wegließ, was ihn auszeichnete. Damit war eigentlich alles klar. Selbst der Meister himself war nicht mehr in der Lage, einen ordentlichen Giallo abzuliefern, das Genre kann man also begraben. Nicht ganz, denn der bis dato unbekannte Eros Puglielli schuf einen modernen Film, den man endlich auch mal wieder als gelungenen Giallo bezeichnen kann.

Wenn ich modern sage, meine ich auch modern. Die eigentlich immer bei Gialli benutze Goblin-Musik hat hier ausgesorgt, man bekommt dafür gleich zu Begin eine Art keltische Musik zu hören. Schon recht ungewöhnlich, denn sonst ist man andere Sachen gewohnt. Aber Puglielli verändert noch mehr. Der ganze Film wirkt optisch sehr modern, Ähnlichkeiten zu Dario Argentos Filme gibt es kaum. Was bleibt, sind die typischen Elemente des Gialli. Der Killer ist dem Zuschauer natürlich total unbekannt und nie zu erkennen. Erst am Ende erfährt man, wer der Täter ist und aus welchem Grund er so handelt.

Von der schauspielerischen Sorte überzeugt der Film. Ein wenig ist der Film mit „The Card Player“ vergleichbar, zumindest von der Art des Auftretens der beiden Protagonisten. Dennoch hat man es hier zum Glück weniger mit Knalltüten zu tun, die man so oft in diesem Genre findet. Ein Giallo ist nie wirklich realistisch, doch die beiden Hauptakteure wirken ziemlich überzeugend. Lucia Jimenez ist eine hübsche noch dazu.
Verdächtige gibt es natürlich wieder immens viele. Doch muss man sagen, „Occhi di Cristallo“ ist ein wenig vielschichtiger als andere Vertreter dieses Genre, auch wenn die Stoty natürlich inhaltlich nicht viel neues zu bieten hat. Die Rätsels Lösung steckt natürlich irgendwo in der Vergangenheit, Erinnerungen an Argentos „Profondo Rosso“ werden wach. Aber wie schon oben beschrieben, Eros Puglielli hat seinen eigenen, besonderen Stil, der vielleicht auch nötig ist, um diesem Genre wieder mal ein wenig Farbe zu verleihen.

Eine Besonderheit des Genre sind natürlich die Morde, die unter Dario Argento ihren Höhepunkt erreichten. Argento ging ziemlich drastisch vor, fast sadistisch ließ er seine Opfer leiden. Auch Puglielli geht nicht gerade zimperlich mit seinen Opfern um. Dennoch watet Puglielli nicht im Blut. Die Morde passieren meistens im Off, der Zuschauer bekommt fast immer nur die beeindruckenden Resultate des Killers präsentiert. Doch dies reicht eigentlich schon, denn „Occhi di Cristallo“ ist humor- und kompromisslos. Für die Effekte war der Film sogar für das italienische Pendant zum amerikanischen Oscar nominiert.
Wie man es sich wünscht, gibt es natürlich ein Finale. Der Täter fällt nicht vom Himmel und man kann vielleicht sogar drauf kommen, auch wenn man wieder eine Menge an Auswahl hat. So werden die knapp 107 Minuten auch nie langweilig, ganz im Gegenteil.


Fazit: Sicherlich ist das Giallo-Genre im 21. Jahrhundert so gut wie tot, doch ab und zu erholt es sich doch noch mal. Einen großen Anteil daran hat Eros Puglielli. Puglielli gibt dem Giallo einen etwas modernen und optisch anderen Touch, die Grundelemente bleiben aber erhalten. Absolute Gorefreaks kommen sicherlich nicht auf ihre Kosten, aber selbst die Argento’schen Werke waren ja keine Schlachtfilme. Die Effekte werden gut und effektiv eingesetzt. Hier stimmt eigentlich das ganze Gerüst des italienischen Giallofilms, auch wenn dies eine italienisch-spanische Produktion ist, selbst Bulgaren sind beteiligt.
Lange musste man warten, endlich kann man sich mal wieder einen neuen und wirklich guten Giallo anschauen. Eros Pugliellis „Occhi di Cristallo“ wird zu Recht als neuer Vertreter des Giallo-Genre gefeiert. Fans werden um diesen Film nicht herumkommen, sofern sie sich einige Neuheiten im Genre gefallen lassen. Pugliellis Film kann zwar nicht ganz mit den bekannten Meisterwerken von Argento mithalten, ist aber um einiges besser als z.B. "The Card Player".


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