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Oh du schöne Exploitation Zeit... Wo sonst würde man zur us-amerikanischen Nationalhymne Hakenkreuzfähnlein im Publikum wehen sehen? Nachdem Bullitt die actiongeladene Autovervolgungsjagd neu erfand, Easy Rider quasi den Weg für den neuen amerikanischen Roadmovie ebnete, Asphaltrennen und Fluchtpunkt San Francisco die vierrädrige Fahrt durch den Kontinent etablierten, H.B. Halicki zur ultimativen Metall-Lawine in Die Blechpiraten blies und John Hough mit Kesse Mary - Irrer Larry um Peter Fonda quasi die amerikanische Straßenversion von Die Außenseiterbande inszenierte, war es an Paul Bartel, der zuvor Endstation Horror für Gene Corman und Liebe böse Mama in der Second Unit für dessen Bruder Roger Corman gedreht hatte, das Autorasergenre mit Frankensteins Todesrennen auf eine wilde, verrückte, parodistische wie auch futuristische Art zu revolutionieren.
So ist es dann auch Bartel selbst, der als unspezifizierter Doktor die im deutschen titelgebende Figur Frankenstein (David Carradine) der gierigen Presse vorstellen darf. Carradine sprang übrigens für Peter Fonda ein, der die Rolle abgelehnt hatte. Gerade zwei Wochen nachdem er die Produktion für Kung Fu endgültig verlassen hatte, war dies ein wichtiger Schritt zurück ins Filmgeschäft, um sich nach dieser besitzergreifenden Rolle freizuschwimmen. Kein unlogischer Anschluß, hatte er doch zuvor in Martin Scorseses Die Faust der Rebellen gespielt, einer Produktion an der wiederum Roger Corman beteilligt gewesen war. Doch es gibt noch weitere Kontinuitäten, war Sylvester Stallone, hier als Machine Gun Joe Viterbo, doch zum Beispiel im selben Jahr auch in Cormans Capone als italo-amerikanischer Ganove zu sehen.

Fachlich-enthusiastisch von einem typisch-amerikanischen Sportkommentator beurteilt, bricht eine Schar moderner Gladiatoren zu einem transkontinentalen Straßenrennen auf, bei dem es Zusatzpunkte für umgefahrene Fußgänger gibt - Höchstzahl einhundert Punkte für jeden Menschen über fünfundsiebzig Jahren. Die zum Großteil auf VW-Chassis gebauten Phantasiekarossen verfügen hierzu über martialisches Zubehör. Während der Präsident die Nationalsportart im Jahre 2000 über den Klee lobt und der Sprecher die Jagd auf Spaziergänger abfeiert, wobei Sanitäter hier auch schon mal ein paar Rentner im Rollstuhl auf der Straße entsorgend zum Abschuß freigeben, folgen wir der Mediensatire Frankensteins Todesrennen als recht flotte Berichterstattung, die zumeist zwischen verankerter Kamera am Wege bei teils beschleunigten Aufnahmen und Innenansichten während der Dialoge wechselt. Vereinzelt sind im späteren Verlauf jedoch auch point-of-view Einstellungen zu betrachten, die Rennszenen mal stilvoll mit Klassik untermalt, mal Prog Rock.
Glücklicherweise ist es Bartel nicht nur bewußt, daß er ein billiges Filmchen dreht, er macht auch das Beste daraus, legt den Film als politisch inkorrekten Drive-In Klamauk an, bei dem neben ein paar blutigen Unfällen auch nacktes Fleisch auszumachen ist. Da sich Frankenstein, der in einer rein körperlichen Kampfszene wie das fehlende Bindeglied zwischen Adam Wests Batman Darstellung und Darth Vader anmutet, und Machine Gun Joe nicht die ganze Zeit auf der Straße beulen können, wird kurzerhand das Pausenleben am Etappenziel gleich integriert. Dies gibt auch dem Publikum Zeit zu verschnaufen und die Aufmerksamkeit zu rehabilitieren, um sich auf das Streckengeschehen konzentrieren zu können. Um auch während der heißen Phase Abwechslung zu bieten, gibt es während der Berichterstattung immer wieder Schaltungen ins Studio, die einer gewissen Komik nicht entbehren.

Über die politische Relevanz des Films braucht man sicher nicht diskutieren, ist Frankensteins Todesrennen, vielleicht als der B-Film zu sehen, der die Wirkung von Die Killerautos von Paris ins Zeitalter von Rollerball rettet, doch so anarchisch, wie die Drehbedingungen selbst. Allerdings gibt es eine durchaus reale Inspiration, denn seit 1971 hatte Brock Yates, seinerzeit beschäftigt beim amerikanischen Car and Driver Automagazin und später Autor des Films Auf dem Highway ist die Hölle los, illegale Rennen von New York nach Redondo Beach als Tribut an Erwin "Cannonball" Baker und das US Interstate Highway System sowie als Protest gegen das neue Geschwindigkeitslimit von 55 mph veranstaltet. Witzigerweise waren diese Rennen dem Time Magazine aber erst wenige Tage nach dem Kinostart von Frankensteins Todesrennen eine Story wert.
Sylvester Stallone und David Carradine haben einen Großteil ihrer Fahrerszenen selbst gedreht. Sowas ging damals noch. Mary Woronov hingegen kann kein Auto fahren und wurde für Nahaufnahmen hinter einem Truck hergezogen, genau wie für ihre Rolle in Bartels Nachfolgefilm Cannonball. Da die Fahrzeuge jedoch keine Zulassung besaßen, weigerten sich die Stuntleute, auf öffentlichen Straßen zu fahren. Kurzerhand übernahm dort Roger Corman selbst das Steuer. Bei dieser Spontanität verwundert es dann auch kaum, daß Saboteure die Kontrahenten mit Torbögen von Pappe zum Sturze in die Schlucht locken, oder plötzlich die französische Luftwaffe einen Bombenangriff startet.

Zur damaligen Zeit schon von anderen Produktionen an Schock-Charakter übertroffen, muß man sich jedoch verdeutlichen, wie Frankensteins Todesrennen, der mit heutigen Augen nur noch als unterhaltsam plätscherndes Filmchen funktionieren mag, damals trotzdem mit seiner Verrücktheit und den zeitgenössischen Bezügen beeindrucken konnte; immerhin folgten beeinflußte Endzeitfilme wie Mad Max erst einige Zeit später, um dann eine ganze Welle dieser Zunft loszutreten. Erst retrospektiv betrachtet mag dem Film etwas die Puste fehlen, war er eben mehr durchgeknallter Spaßfilm denn als Meilenstein geplant. Liebhabern des Genres ist er allerdings als sehr angenehm unterhaltsamer Zeitvertreib willkommen, während er dank soliden Tempos und witzigen Ideen auch heute noch zu den herausragenderen Werken der kreativen Siebzigerjahre Drive-In Epoche zählt und so gern Neuinteressenten auffallen darf.

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