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"The Man who shot Liberty Valance" ist ein bemerkenswerter Film, der sowohl auf inszenatorischer als auch inhaltlicher Ebene großes Kino bietet.

Senator Ransom Stoddard (James Stewart) und seine Frau Hallie (Vera Miles) kehren in das Örtchen Shinbone zurück, um ihren alten Freund Tom Doniphon (John Wayne) zu beerdigen. Ein Reporter der örtlichen Zeitung wird auf diesen unerwarteten Besuch aufmerksam und gemeinsam mit seinem Editor überreden sie Stoddard, ihnen die Hintergründe seines Besuchs zu erzählen - die Geschichte des Mannes, der Liberty Valance (Lee Marvin) erschoss...

John Ford hat mit diesem Film sein Meisterwerk abgeliefert.
Innerhalb der oben geschilderten Rahmenhandlung entfaltet sich als Rückblende die Geschichte von Stoddard der als junger Anwalt von der Ostküste nach Shinbone kommt, um Recht und Gesetz an die Frontier zu bringen. Dabei gerät er jedoch gleich bei der Anreise an seinen zukünftigen Gegenspieler Valance, der ihn erstmal ausraubt und übel zusammenschlägt. Mit dieser klassischen Good Guy - Bad Guy Konfrontation transportiert Ford verschiedenste Themenkomplexe. Da wären zunächst das Aufeinandertreffen der verregelten, "zivilisierten" Ostküstengesellschaft mit den rauen, urtümlichen Bewohnern der Frontier. Aus dieser Konfrontation und der Reaktion der Charaktere darauf resultiert mit der größte Reiz des Filmes. Stoddard ist entsetzt von der Unzivilisiertheit der Bewohner Shinbones, so dass er sofort beginnt, ihnen in einer improvisierten Schule lesen und schreiben beizubringen. Gleichzeitig ist er aber in einer Situation in der seine erlernte Tradition von Recht und Gesetz (auch aufgrund des feigen Sheriffs) gegen Valance wirkungslos verpufft, so dass er gezwungenermaßen und obwohl es ihm zuwider ist auf den Schutz von Tom Doniphon (der einen klassischen Western-Good Guy verkörpert) angewiesen ist. Für weitere Spannungen sorgt übrigens die romantische Nebenhandlung um Hallie, die die Beziehung zwischen Doniphon und Stoddard noch bereichert.
Je mehr es Stoddard gelingt, die Bewohner von Shinbone von seinen republikanischen und demokratischen Idealen zu überzeugen, desto mehr wandelt sich die Rolle von Doniphon vom Beschützer hin zum antiquierten Relikt - eine Wandel, dessen sich der Charakter auch durchaus bewusst ist. Dennoch - oder gerade wegen - dieses Umdenkens der Bevölkerung kommt es aber zum klassischen Shootout zwischen Stoddard und Valance, der überraschend aufgelöst wird (Achtung: Diese Pointe wird auf dem Klappentext hemmungslos gespoilert).
Ford wollte allerdings bewusst diese zugespitzte Konfrontation nicht in den Mittelpunkt stellen, so dass sie im Rahmen der Handlung um eine mögliche Staatengründung - mit allen damit verbundenen Schutzmöglichkeiten für die Stadtbewohner gegen die Outlaws - nur eine Episode darstellt. Konsequenterweise ist sie dann auch nicht der Endpunkt der Handlung; der Film endet erst, nachdem Stoddard und der Herausgeber der örtlichen Zeitung zum Staatsgründungskongress reisen und dazu beitragen, die Frontier weiter zurückzudrängen.

Insgesamt ist der Film dafür - das sollte nach dem bisher gesagten klar geworden sein - alles andere als ein typischer Western, eine Eigenschaft die den Film umso bemerkenswerter macht. Schauspielerisch gibt es eine Top-Besetzung, die exzellent aufgelegt ist und bis in die Nebenrollen (von wenigen Ausnahmen abgesehen) hervorragend aufspielt. Auch die Regieleistung ist erstklassig, insbesondere auch im Hinblick auf eine starke ikonographische Bildsprache, und die zwei Stunden Laufzeit vergehen wie im Fluge.

Fazit: The Man who shot LIberty Valance ist für mich neben Citizen Kane DER amerikanische Film schlechthin. Absolut empfehlenswert, nicht nur für Western-Fans.

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