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Rattennest (1955)

Eine Kritik von noface (Bewertung des Films: 6/10)
eingetragen am 03.10.2006, seitdem 754 Mal gelesen


Aus der illustren Galerie all jener literarisch wie filmisch ausgiebig dokumentierten hard-boilded-guys unter den US-amerikanischen Privat- schnüfflern ragt die von Mickey Spillane geschaffene Figur des Mike Hammer in ihrem buchstäblich handfesten Zynismus noch um ein weniges gegenüber ihren möglicherweise prominenteren Konkurrenten Spade, Marlowe und Archer heraus. In Robert Aldrichs Kiss Me Deadly von 1955 bemüht sich denn auch Ralph Meeker in der Hauptrolle mit zynisch versetzter Seele und Hingabe um die Aufklärung einer mysteriösen Mordserie, welche um ein bis zum (dramaturgisch enttäuschenden) Ende unerklärliches, grauenvolles Geheimnis kreist.

Sehr schnell wird klar, daß dieser Film weniger von dem eigentlichen Handlungsverlauf als solchem, sondern vielmehr von der auf den äußersten Punkt getriebenen Atmosphäre und Optik des späten film noir lebt: also von den wirkungsvoll eingefangenen s/w-Bildern nächtlicher Straßen, Treppenhäuser, Tankstellen, Bars und Garagen. Die Verhältnisse, in denen sich die Protagonisten bewegen, sind überaus gewalttätig, dunkler und nächtlicher Natur, ja geradezu mörderisch; menschliche Beziehungen auch sich nahestehender Personen bleiben auf eine merkwürdige Weise distanziert und wirken wie abgebrochen. Die unmittelbare, kaum sublimierte physische Gewalt durchwirkt einen Großteil des Filmes, und dennoch erscheint die FSK-18- Klassifizierung der DVD trotz einiger expliziter Gewaltdarstellungen (Kloppereien, Schußwechsel, Folter) unangemessen und aus heutiger Sicht massiv überzogen. Zudem wird die durchgehend düstere Grundstimmung konterkariert durch die unfreiwillige Komik beispielsweise jener Szenen, in denen Mike Hammer seinen stattlichen Körper aus dem schnittigen, sportlichen Zweisitzer schält bzw. sich in ihn hineinzwängt. Auch die zeitgeschichtlich bedingte Limitierung des Stoffes durch die Charakterzeichnung gerade der weiblichen Akteure (Stichwort: libidinös stimuliertes Overacting) sowie die auf heutige Beobachter schlußendlich lächerlich wirkende Offenbarung des gesuchten „Schatzes" in Form eines in Lederhülle gekleideten, handlichen Koffers, gefüllt mit gleißendem atomarem Material, führen dazu, daß trotz aller filmischen Qualitäten knappe 6/10 Punkten ausreichen müssen.


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