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Rattennest (1955)

Eine Kritik von Osthunter (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 11.04.2010, seitdem 302 Mal gelesen


1955 verfilme Robert Aldrich Mickey Spillanes Roman "Kiss Me Deadly" mit Ralph Meeker in der Hauptrolle des hard-boiled-Detektivs Mike Hammer.
Spillane legte dabei seinen Ermittler (in den Romanen) anders an als die vergleichsweise seicht und sanft anmutenden Kollegen Marlowe (Chandler) oder Spade (Hammett): Mike Hammer ist in jeder Hinsicht ein Typ, der erst einmal zuschlägt, bevor er Fragen stellt und die meisten Gangster an Kaltblütigkeit und unverhohlenen, blanken Zynismus übertrifft.
Dies setzt Aldrich auch in diesem Film um. Permanent hängt hier die Gewalt in der Luft, selbst wenn es mal friedlicher zugeht. Dies wirkt gelegentlich schon comichaft überzogen, ist aber bewusst so gestaltet. So schlägt in einer Szene Hammer einen alten und körperlich weit unterlegenen Mann, um an Informationen heranzukommen, die dieser nicht kennt. Auch in anderen Situationen wird die Figur sehr zwiespältig angelegt. Das sonst saubere Image des "private eye" wie noch bei Chandler wird hier deutlich relativiert zugunsten einer Sicht, dass der Zweck alle Mittel heiligt.
Dennoch ist dies ein typischer (später) Vertreter des film noir, gelingen hier doch einige sehr gelungene Schattenspiele und ungewöhnliche Kameraperspektiven.
Die eigentliche Krimihandlung wandelt sich dabei im Laufe der Geschehnisse um in eine mysteriöse Suche nach einem Koffer/einer Kiste mit brisantem Inhalt. Erst am Ende erfahren wir, warum für den Inhalt über Leichen gegangen wurde. Das Ende ist geradezu apokalyptisch, erinnert beinahe an einen Endzeitfilm, wenn in einem gleißenden Licht und mit einem (im wahrsten Sinne) furchtbarem Schrei offensichtlich so etwas wie eine Art Minikernwaffe ein Strandhaus und dessen Umgebung zerstört. Oft werden im film noir unterschwellig und subtil die Ängste der Menschen thematisiert, wird Unterbewusstes durch Licht- und Schattenspiele sichtbar gemacht. Nur dass Aldrich hier die zu dieser Zeit zumindest in den USA noch nicht so verbreitete, kollektive Angst vor der Bombe in den Fokus stellt.
Das Ende lässt (für diese Gattung typisch) auch den Detektiv Hammer  desillusioniert zurück.
Toller Film, den sich Freunde des film noir nicht entgehen lassen sollten.

8/10


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