"Does police stand for absolute superiority ?"
"Yes ! Of course !"
Der Weg zum Ruhm, im gleichnamigen Film die Weihe der Royal Hong Kong Police Force, betrifft die Persönlichkeit als solche und deren Vorstellung von Anderen und sich selbst, als eine Gemeinschaft, eine Einheit prinzipientreuer, pragmatischer und visionärer junger Menschen. Zumindest wird dieses Bild innerhalb der 98min von Regiedebütant Jimmy Yeung Yee-Woh nach einem Skript des ehemaligen hochdekorierten Gesetzeshüters Phillip Chan gezeichnet. Der Eintritt als probationary inspector in die örtliche Polizeischule schon als die Rechtschaffenheit im Handeln und als Wandel der noch einen weiten Weg vor sich Habenden schlechthin. Das Training als innere Buße, Katharsis oder auch Bekehrung, als Lehre für das Leben. Der Abschluss sechs Monate später als das eigentliche Dasein des Subjekts, als Verbindlichkeit und Notwendigkeit, als Bewusstsein und Selbstbewusstsein.
Viel Platz für Verbrechensbekämpfung selber bleibt dort noch nicht, allerdings wird bereits außerhalb des Trainings samt Kitschallüren, wie als prophezeiende Ankündigung zumindest einmal schon das Lehrbuch in Richtung Faustrecht und persönlicher Willkür mit den Mitteln einer auf staatlichen Basis operierenden Organisation übergangen. Recht und Gesetz in die eigenen Hände genommen und die Probleme mit Unterstützung herrschaftlicher Instrumente sowie nachfolgend Beziehungsklüngel auf gewaltsame Weise gelöst, in der man Worte mit Taten rechtfertigen kann, ohne selber den Pfad von Rechtswesen und Gerichtsbarkeit zu beschreiten. Eine Androhung von noch kommender Selbst- und Sonderjustiz, die nicht nur von den meisten Vorgesetzten gebilligt, sondern wenigstens im Geheimen sogar bewilligt und mit individueller Verständigkeit und Diskretion gutgeheißen wird. Die Vorbereitung auf die Polizeilaufbahn der future upholder of law and order zwischen zweckdienlicher und spekulativer Vernunft. Zwischen Formellem und Gehaltlosem:
Als David Tang [ Max Mok ], Wayne Kwun [ Christopher Chan ], Gable Chiu [ Cheung Kwok-Keung ] und Sandy Hu [ Money Lo ] neben anderen Kadetten in die Akademie für Anwärter aufgenommen werden, tritt Jeder mit anderen Wünschen, Hoffnungen und Erwartungen an die neue Aufgabe heran. Für Manche war die Zusage zur Immatrikulation wie ein Ausweg aus der bisherigen Gegenwart, für Andere ein Schutzbrief oder auch Freifahrtschein, oder eine Verpflichtung, die zwangsläufig von der bereits ebenfalls und sogar geschlossen in den Kreisen der Sicherheitsbehörde arbeitenden Familie kam. Trotz unterschiedlicher Herkunft, Ausbildung und Charakteristik, dafür geeint durch den gleichen "Feind" – Commandant Yu [ Norman Chu ], Chief Inspector Carson Chow [ Melvin Wong ], class instructor Lam [ Adam Cheng ] und senior squad leader Rocky [ Michael Chow ] – lernen die Neulinge schnell, was es heißt, sich aufeinander verlassen zu können und gemeinsam alle privaten und beruflichen Schwierigkeiten zu meistern. Anfängliche Sorgen bereitet den Anwesenden zu Beginn nur der mysteriöse Alan Cheung Pak - lun [ Rehauge: Wilson Lam ], der auf seine Art auch eine Sonderbehandlung genießt und verdient.
Das Warum und Woher bei Cheung nützt dem klebrigen Cantopop - Melodram in seinem sonstigen Prinzip der Schema F Vorhersehbarkeit und dem Leitbild eines billigen Schwarz - Weiß - Kontrastes noch am Meisten, auch über die vielen Übungseinheiten in Theorie und Praxis hinüber zu kommen. Cheung ist die erste Zeit das große Fragezeichen, der VIP im Kader, die Ausnahme vom Niemals Zufälligen und Substantiell Unbedeutenden, der sich zwar ein Großteil der Zeit im Hintergrund und irgendwie auch außen vor befindet, aber ebenso immer fokussiert zur Stelle ist, wenn mal eine Aufgabe von Allen Anderen abgesehen von Ihm eben nicht zu meistern ist. Anhand seiner Figur lässt sich das Drehbuch somit nicht nur in seinem wesentlichen Inhalt, sondern auch der abstrakten Voreingenommenheit gliedern und gleichfalls die Brücke von der abgeschotteten Schulung hin zur etwas differenziert aussehenden Wirklichkeit auf der Straße schlagen. Cheung kennt zwar die Instruktionen und Anwendungen bereits e forma, e functione, weiß allerdings auch, wann es mal über die Strenge zu schlagen und die eher unlauteren Mittel abseits der trockenen Ehre, die zweckwidrige Inanspruchnahme einer Rechtsposition zu benutzen gilt. Seine Anwesenheit stellt sarkastischerweise auch nahezu einzig den vielschichtigen oder wenigstens nuancierten unter den sonst reichlich plakativen Auszubildenden und mit dieser Unterscheidungsgabe auch den Gegenstand einer anderen Sittlichkeit und Anhaltspunkt für die Betrachtungen nicht ganz so einengender Empfindung dar.
Ihm gilt das wesentliche Interesse nicht nur in Sachen Liebe und anderweitiger romantischer Darstellungen, die sich zwangsläufig zwischen der Kollegin Sandy und der in der naheliegenden Örtlichkeit arbeitenden Dorfschönheit Carmen [ Vivian Chow ] entscheiden müssen, sondern darüber hinaus auch für die bereits angeschnittene Grauzone zwischen legaler Dienstausübung und untersagter riot platoon Verrichtung. Eine Verschlossenheit von Wert und Aufmerksamkeit, das Bindeglied von einem reinen Police Academy Verschnitt, dass gleichfalls mit der Kontingentierung an Niedrigkomik am Arbeiten ist, und dem Widerspiel eines düsteren Triadenfilmes, in dem die Spitzbuben wie Catman [ Ricky Yi ] und Big Mouth Wa [ Lo Lieh ] ihre langen Messer als drohende Einschüchterung bevorzugt im Dasein schutz- und wehrloser Durchschnittsbürger, wahlweise ältere oder alleinstehende Frauen schwingen.
Dramaturgisch sicher angesiedelt, trotz bis auf das Finale eklatanter Aktionsarmut, die weder Hochsinn noch Seelengröße oder verächtliches Pathos anzustreben versucht, ist man dann nur allein wegen der ruhmreichen Sprachrohr-Tradition der Erfüllung der Ehrobliegenheiten. In dieser Welt muss Man[n] nicht extra einen Baum pflanzen, ein Haus bauen und ein Kind zeugen, um sich als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft zu fühlen; sondern spätestens seit City Hero [ 1985 ] und den vom Grundaufbau identischen Proud and Confident [ 1989 ] sowie den in den Neunzigern erscheinenden Nachzüglern Final Option, Best of the Best, First Option, Option Zero, New Option reicht schon das Erlernen von Kameradschaft in Pflicht und Treue. [Beliebt sind auch die höchst geringfügig abweichenden Varianten in der Schule oder der Armee, in der ohne emotionalen Engagement oder gedanklicher Auseinandersetzung ebenso die vermeintliche Weisheit und Innerlichkeit geweckt wird.]