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Final Fantasy VII: Advent Children (2005)

Eine Kritik von Chili Palmer (Bewertung des Films: 6/10)
eingetragen am 08.12.2006, seitdem 740 Mal gelesen


Gleich zu Beginn wird der Film allen Anhängern der Welt von "Final Fantasy 7" gewidmet. Wobei, der Begriff "Film" kommt nicht einmal zur Anwendung, das Ganze nennt sich "Reunion", was zum einen auf ein inhaltliches Ereignis Bezug nimmt und zum anderen (und das ist das Entscheidende) alle Nichtspieler außen vor lässt, weil Macher und Fans hier Klassentreffen spielen. Wenn man den Begriff "Nur für Fans" wirklich einmal ernst nehmen sollte, dann hier, bei "Advent Children".

Zwar erklärt uns ein kleines Kind zu Beginn die Zusammenhänge rund um die Machenschaften der Shinra-Corporation und der Erweckung des Sephiroth, dennoch garantiere ich massivste Konfusion bei Menschen, die noch nie ein Playstation-Pad in der Hand gehalten haben. Denn abgesehen davon, dass allein schon diese Einleitung mit Fachbegriffen nur so um sich wirft, danach wird es nicht erhellender: Charaktere kommen und gehen, Sprünge in die Vergangenheit werden unternommen, Monster und Schwertkämpfer geben sich 90 Minuten lang die Klinke in die Hand, aber Hintergrundwissen wird schlichtweg vorausgesetzt.

Moserten die Fans anlässlich des ersten "Final Fantasy"-Films "The Spirits Within" noch über die fehlende inhaltliche Anbindung an ihre geliebte Spieleserie, so sind es diesmal die Nicht-Videospieler, die im Regen stehen gelassen werden.

Sie werden nichts anfangen können mit dem geheimnisvollen Schwertkämpfer Cloud, der düster vor sich hinbrütend einer verlorenen Liebe nachtrauert. Oder mit dem Renegade Vincent, der wie ein athletischer (und nüchterner!) Jack Sparrow daherkommt und mit seiner abgefahrenen Crew in einem Flugschiff herumknödelt. Oder mit dem geheimnisvollen Chef der Shinra Corporation, der ein düsteres Geheimnis hütet. Fans kennen die Beziehungen dieser Charaktere untereinander, die freuen sich natürlich, dass nicht alle Hintergrundgeschichten noch einmal aufgekocht werden, aber allen anderen muss das Vorgehen der Filmemacher ziemlich arrogant vorkommen.

Nur: Kann man einem Film, der als Geschenk an die Fans gedacht ist, vorwerfen, dass er sich ausdrücklich an die Fans wendet? Wohl weniger.
Ich werfe den Machern allerdings vor, dass die Handlung trotz allem recht dünn trägt. Dafür, dass hoch und heilig versprochen wurde, aus dem effektverliebten Spektakel "Spirits Within" Lehren gezogen zu haben, passiert unterm Srich auch bei "Advent Children" herzlich wenig. Wer sich nicht stundenlang mit dem Spiel beschäftigt hat, wird schwerlich Sympathie für die Figuren entwickeln, die zwar bis in die letzte Wimper brillant animiert sind, dem Uneingeweihten aber über die volle Laufzeit fremd bleiben. In dieser Beziehung war dann sogar der viel gescholtene Vorgänger weiter.
Ich möchte jetzt hier nicht ins Detail gehen, aber die Handlung kann bei weitem nicht das dramatische Versprechen der fotorealistischen Optik einlösen, da reiht sich letzten Endes nur Actionszene an Actionszene.
Die sind dann aber auch wirklich fulminant, daran gibt es nichts zu rütteln. Wer momentan einen Film sucht, der alles aus dem Heimkino herauskitzelt, wird hier fündig.

Tja, was machen wir jetzt, bei so einem speziellen Fall?

Sagen wir mal, als Fan der "Final Fantasy"-Spiele schlägt man jetzt auf meine Wertung einfach noch zwei, drei Punkte drauf, für Hardcore-Fans des 7. Teils ist das Ganze hier sowieso nicht mehr numerisch fassbar, das hat dann schon eher was von einem Sonntagskirchgang.
Wer aber sein Herz weder für Videospiele noch für japanischen Zeichentrick erwärmen kann, dürfte hier schreiend das Weite suchen. Oder nein, Moment, der hat sich den Film natürlich gar nicht erst angesehen, weil er meinem Urteil vertraut, richtig? RICHTIG???

Alle anderen (Gelegenheitsdaddler, Anime-Fans, Sci-Fi-Nerds) setzen sich gemütlich mit mir zwischen die Stühle und genießen einen Effektritt, der sich gewaschen hat. Wenn zwischendurch mal was unklar ist, sei´s drum. Den Fans sei es gegönnt. 


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