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Bittersweet Life (2005)

Eine Kritik von RealGeckoBrother (Bewertung des Films: 10/10)
eingetragen am 15.11.2006, seitdem 805 Mal gelesen


Es war Regisseur Kim Ji-woon mit dem meine Begeisterung für das südkoreanische Kino begann. Mein erster Film war damals "The quiet Family" und seitdem hat es nicht mehr aufgehört. Meine Sammlung an Filmen aus Südkorea wurde immer grösser und sie wächst stetig weiter. Vielleicht habe ich seinen Erstling mit 9 Punkten zu der frühen Zeit meiner Südkorea-Passion zu hoch bewertet, doch schon mit "A Tale of two Sisters" kam die Bestätigung. Ein kleines und ästhetisches Meisterwerk um zwei Schwestern und die volle Punktzahl war erreicht.
Jetzt legt besagter Kim Ji-woon mit "A Bitterweet Life" erneut einen herausragenden Film vor. Ob nun ein "Noir Actionfilm" oder "Revenge Thriller", Tatsache ist und bleibt die überzeugende und kunstvolle Bildersprache. Wenn das Anschauen eines Films optisch zum Hochgenuss wird, wenn daneben die Story überzeugt und die Schauspieler passend besetzt sind und formidabel spielen, dann sind auch hier die 10 Punkte wieder erreicht. Natürlich spiegelt dies auch den persönlichen Geschmack wieder ; ich liebe das zynische und brutal-kühle Kino eines Tarantino ebenso, wie die schmerzhaften und fast unmenschlich grausam-konsequenten Mafiathriller mit z.Bsp. R. de Niro. Beide Vorlieben werden mit "A Bittersweet Life" sehr befriedigend abgedeckt.

Kim Sun-woo ( gespielt von Lee Byung-hun ) leitet die Bar "La Dolce Vita". Es handelt sich um eine stilvolle Bar der gehobenen Kategorie und gehört einer Triade. Sein direkter Vorgesetzter ist der Gangsterboss Mr. Kan ( gespielt von Kim Yeong-cheol ). Sun-woo lebt inmitten einer scheinbar schönen Welt. Schnell wird dem Zuschauer allerdings die ständige Gefahr bewusst in der Sun-woo sich befindet. Revierkämpfe und ständige Auseinandersetzungen haben ihn zum coolen und konsequenten Killer werden lassen. Er erledigt alle Aufträge sofort und ohne den Anflug eines Zweifels oder gar einer Gefühlsregung. Durch seine Zuverlässigkeit hat er sich im Gegensatz zu seinem Kollegen Mu-sung ( gespielt von Lee Gi-yeong ) das Wohlwollen seines Bosses erarbeitet und ist hoch angesehen.
Bei einem gemeinsamen Abendessen gibt ihm Mr.Kang daher einen sehr persönlichen Spezialauftrag. Sein Boss schmückt sich mittlerweile mit einer jüngeren Geliebten und will diese während seiner kurzzeitigen Abwesenheit durch Sun-woo beschatten lassen. Er vermutet, dass besagte Hee-soo ( gespielt von Shin Min-a ) ihn betrügt und will dieses unehrenhafte Verhalten von ihr keinesfalls tolerieren. Im Falle eines Falles soll Sun-woo den "Fall" auf "bewährte Weise" klären und die zwei beseitigen.
Sofort macht sich Sun-woo auch an diese ihm aufgetragene Aufgabe ; durch seine Bekanntschaft mit Hee-soo wird sich allerdings sowohl sein Leben, als auch das vieler anderer Menschen auf nicht für möglich gehaltene Weise verändern.

Wenn man von Verführung spricht, so meint man meist das Böse als verführendes Objekt. Hier verführt das Gute und das führt zu einem Blutbad. Eine unglückliche und höchst zynische Verkettung von Ereignissen, ein von Unverständnis und auch Rache getriebener Held und eine einfach nur kindlich unschuldige Frau inmitten der feinen aber brutalen Gangsterwelt. Das alles in höchst kunstvollen Bildern mit klassischer Musik unterlegt, in schwarz/ weiss mit viel rot gezeichnet und böse-brutal erzählt ; das ist "A Bittersweet Life".
Zu Beginn wird von dem kleinen Fehler erzählt der alles Aufgebaute unweigerlich zerstören könne. Das fragile und höchst fragwürdige Konstrukt einer Triade in der nur geschäftlicher Vorteil und Kommerz über Leben und Sterben entscheiden. Der kleine bittersüsse Moment im Leben des Kim Sun-woo erschüttert das Konstrukt und seine Rache reisst es ins Verderben. Das Finale trägt diesen Namen nun wirklich nicht umsonst, solch ein Kugelhagel ist für das südkoreanische Kino ungewöhnlich. Die Bar "La Dolce Vita" als Massengrab und blutrotes Symbol für die gesamte Zynik des Films.
Die Inszenierung ist von vorne bis hinten gelungen, die Bilder haben fast schon suggestive Kraft. Selbst die Bewegungsabläufe der Schauspieler sind penibel und keinesfalls zufällig. Das Essen eines Schokoladentörtchens oder das Aussteigen aus dem Wagen kann man durchaus sehr bewusst darstellen. Die Bewegung kann kontrolliert und beherrscht gezeigt werden und damit eine eisige Atmosphäre erzeugen. Die Einführung einer Person kann förmlich zelebriert werden. Wenn Shin Min-a auftritt, sieht man zunächst nur ihre nackten Füsse. Sie wechselt die Schuhe und ihr schlanker Körper tritt von unten nach oben in einem Hauch von Kleid ins Bild. Nach einer förmlich quälend langen Sequenz erst sieht man dann aber ihr Gesicht im Vollformat. Die allerdings schönste Pose die sie hat, ist das kurze Bild hinter ihrem Instrument. Dieser Moment bildet den Knackpunkt des gesamten Films, dies ist der bittersüsse Moment im Leben von Sun-woo.
Die Riege der Schauspieler ist genial. Lee Byung-hun darf als unterkühlter und niemals lächelnder Killer mit ganz wenig Herz auftreten. Seine Darstellung lässt für den Zuschauer aber dennoch Mitgefühl zu, sein Leben scheint gequält und durch seinen Stil und sein höheres charakterliches Niveau erzeugt er Mitgefühl. Sein Rachefeldzug wird dadurch und natürlich durch den Auslöser in Form von Hee-soo verständlicher wenn auch nicht akzeptabel.
Shin Min-a hat nur eine kleine Rolle und muss in den wenigen Momenten im Film überzeugend rüberkommen. Sie ist die Verführung und sie schafft es mal wieder durch ihre einzigartige Mimik den Zuschauer zu verzaubern. Wenn sie lacht, geht einem halt unabhängig ob Gangster oder nicht das Herz auf und sie hinter ein klassisches Musikinstrument zu setzen, ist zwar klischeehaft, doch deswegen nicht minder genial. Köstliche kleine Spitzen, wenn sie Sun-woo als Rausschmeisser und Mr.Kang als lustig bezeichnet. Sie scheint eigentlich zu keiner Sekunde richtig zu ahnen, auf was sie sich mit wem da eingelassen hat. Shin Min-a wäre als Gangsterbraut eine glatte Fehlbesetzung, als Mädchen ist sie gelungen liebreizend.
Somit also mal wieder ein perfekt gelungener Filmgenuss aus Südkorea, fast so wie dieses Schokoladentörtchen zu Beginn des Films ; allerdings zum Schluss ertränkt in blutroter Erdbeersauce.
 


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