|
 |

Ansicht eines Reviews
Bittersweet Life (2005)
Eine Kritik von DoNKoJOTE (Bewertung des Films: 8/10) eingetragen am 28.02.2007, seitdem 306 Mal gelesen
Neuerdings habe ich ein Fable für asiatische, vor allem koreanische, Filme entwickelt. Man empfahl mir Ji-woon Kims Revenge-Drama "A Bittersweet Life". Zurecht, wie sich herausstellen sollte.
Wir begleiten also Sun-woon, einen Hotel-Manager der anderen Art. Wo er nämlich wütet, wächst kein Gras mehr. Von dieser Tatsache dürfen sich auch ein paar Möchtegern-Kriminelle, die partout das sich in Sun-woons Hotel befindende Edelrestaurant nicht verlassen wollen, überzeugen. Wir erfahren, dass er die rechte Hand des mächtigen Mafia-Bosses Kang, von seinen Untergebenen stets Präsident Kang genannt, ist, und seine Aufträge eiskalt und professionell meistert. Da Gangster-Bosse jedoch auch auf Dienstreisen müssen, erhält Sun-woo den Auftrag, auf die junge Geliebte aufzupassen, denn Kang wird von ernstzunehmender Eifersucht geplagt: Sollte die zarte Hee-soo Anstalten machen, fremdzugehen, soll kurzer Prozess gemacht werden. Das klingt nach einem Kinderspiel für Sun-woo, aber denkste! Dieser bringt es nämlich nicht über's Herz, seine "Pflicht" zu erfüllen, und so wird aus dem Jäger und bald der Gejagte. Außer Präsident Kang ist zu allem Überfluss auch noch ein zweiter äußerst schnell reizbarer Gangster-Boss an Sun-woos baldigem Tod interessiert...
Zunächst fällt die an den Noir-Stil angelehnte Umgebung auf. Die Metropole Seoul ist stets in die Dunkelheit eingehüllt, atmosphärisch sehr wertvoll. Der Glanz und das Glitzern kann doch dabei nur schwer von den Missständen, allen voran natürlich dem organisierten Verbrechen, wegtäuschen. Protagonist Sun-woo ist stets adrett gekleidet, zusammen mit seinen eleganten Bewegungen und seinem lässigen, an Arroganz grenzenden Auftreten wirkt er einfach cool. Dies spiegelt sich in seiner kleinen pädagogischen Einlage wieder, in der er zwei Halbstarken die Leviten liest. Byung-hun Lee vermag es, diese Rolle nahezu perfekt auszufüllen. Das selbe gilt für den wahrlich Furcht einflößenden Baek Jr., eigentlich der Erzfeind Präsident Kangs, er verbündet sich jedoch mit diesem gegen den gemeinsamen Gegner Sun-woo. Man muss es dem Drehbuchautoren beinahe danken, dass die chirurgischen Eingriffe, die am bemitleidenswerten Sun-woo vorgenommen werden, nicht aus Baeks Feder stammen. Bewunderswert ist des Hauptdarstellers Stolz, denn der Gepeinigte denkt gar nicht daran, klein beizugeben. Überhaupt ist es erstaunlich, wie der Zuschauer für den selbst keineswegs zimperlichen Sun-woo Mitleid entwickelt, dies ist wahrscheinlich der Tatsache geschuldet, dass dieser zuvor Gnade walten ließ.
Die Optik ist, wie bei so vielen Asiakrachern, alleroberste Spitzenklasse, die Kameraperspektiven und -Fahrten, sowie die Settings sind einfach atemberaubend, genauso wie die Prügeleinlagen. Da liegt allerdings auch einer meiner Kritikpunkte: Sun-woos Mutation zum "Übermenschen": Unser Held trägt während des Films dermaßen viele und üble Verletzungen davon, dass es erstaunlich ist, dass er überhaupt noch einen Fuß vor den anderen setzen kann. Der zweite Grund für den Abzug zweier Punkte: Der Charakter Sun-woo ist so faszinierend, dass es interessant gewesen wäre, mehr über dessen Privatleben und Vergangenheit zu erfahren. Eine noch größere Identifikation mit der Figur hätte das Mitgefühl, das nach den Qualen Sun-woods zweifelsohne vorhanden ist, noch gesteigert und so die Spannung weiter erhöht.
Nichtdestrotrotz ein packendes Actiondrama, das es beinahe mit Oldboy aufnehmen kann, jedoch storytechnisch leicht unterlegen ist.
8/10 Punkte!
 | "Surprise me!" BETA |
Zur Übersichtsseite des Films Liste aller lokalen Reviews von DoNKoJOTE
Zurück
 |
 |
|