Eine Kritik von sectionse7en (Bewertung des Films: 8/10) eingetragen am 02.08.2007, seitdem 141 Mal gelesen
Vom irreführenden Titel sollte man sich nicht ablenken lassen. Dies ist
ein feiner, sehr ästhetischer Rachefilm Noir. Die Inszenierung ist
sparsam, die Actionszenen punktuell. Das Handeln der Akteure wird von
kleinen Momenten ausgelöst. Dementsprechend nehmen sich die
Schauspieler zurück, agieren kühl und präzise, was ihre Leistung aber
auf keinen Fall mindert. Getreu dem Motto: Weniger ist mehr, haben hier
die kleinen Gesten die große Wirkung.
Hauptakteur Byung-hun Lee spielt großartig und kontrastreich. Zum einen
ist er cool und rational, andererseits zeigt er in kurzen Momenten
seine Gefühle und verrät damit auch dem Zuschauer die Gründe für sein
Handeln. Die Actionszenen sind einfach klasse. Vor allem zum Ende hin
zieht Kim Ji-woon ("A Tale of 2 Sisters") die Gewaltschraube enorm an.
Die Shootouts sind blutig und brachial und trotzdem wird die Gewalt mit
Stil zelebriert. Wo viele Filme, die auf Stil setzen, die nötige Tiefe
vermissen lassen, schafft es der Regisseur trotz der kalten und
sparsamen Inszenierung, „A Bittersweet Life“ und dessen Charaktere die
nötige Substanz zu geben. Da ertönt klassische Musik während der
Schiessereien und blutüberströmte Helden vergießen eine Träne.
Bittersweet halt.
Lediglich das an ein medizinisches Wunder grenzende körperliche
Durchhaltevermögen von Sun-woo Kim ist ein bisschen unglaubwürdig. Aber
die Fähigkeit Schuss- und Messerverletzungen wegzustecken wie
Dropsrollen sind wir ja aus asiatischen Filmen gewohnt. Dagegen ist der
ungeschickte Umgang mit den Pistolen sehr gut und glaubwürdig umgesetzt.
Bleibt abschließend nur zu sagen, dass „ A Bittersweet Life “ den
Meister Chan-woon Park ("Oldboy", "Sympathy for Mr.Veangence") nicht
vom Thron stößt, sich aber wohltuend aus der Masse des Genres
hervorhebt. Liebhabern von intelligenten stilvollen Actionfilmen mit
einem hohen Blutgehalt sei dieser Film also wärmstens empfohlen.