Handlung:
Der Super-Ober-Hyper-Megadirigent Daniel Dareus bekommt beim Dirigat des Finales aus Bruckners 2. Symphonie Nasenbluten und wenig später einen Herzinfarkt. Das war's dann wohl mit der Weltkarriere. Mit dem allen nichts mehr zu tun haben wollend, zieht er sich zurück in sein schwedisches Heimatdörfchen, wo natürlich, wie wir aus unzähligen Filmen dieser Art wissen, neben dem typischen bigotten Pfarrer auch ein Dorftrottel, ein seine Frau schlagender Alki und viele weitere Klischees des sozial engagierten Films herumwackeln. Widerwillig übernimmt Daniel nach einigen Tagen den dörflichen Kirchenchor und entwickelt sich dort mit teilweise etwas seltsamen Gesangsübungen (mit dem Arsch wackeln und übereinander auf dem Boden liegen, ja klar...) zum Stimmbildungs-Guru erster Klasse. Durch diese Praktiken gewinnt er ziemlich viele Leute, wie die wohlgerundete und stets großformatig in die Linse lächelnde Dorfschönheit Lena, für sich, aber er macht sich auch eine Menge Feinde, wie den Prügelheini, den Erzpfarrer mit den Pornoheften hinter der Bücherreihe und die frühere Chorleiterin. Während Daniel hauptsächlich mit Lenas vollbusiger Hilfe das Mysterium des Radfahrens zu ergründen sucht, wird hinter seinem breiten Rücken eine saftige Intrige angezettelt. Trotzdem faßt der Chor einen waghalsigen Entschluß: Die Teilnahme an einem internationalen Chorwettbewerb in Salzburg...
So was kommt leider immer dabei raus, wenn Leute einen Film über Musik machen, die von dieser Sache nicht die geringste Ahnung haben. Das zeigt sich schon darin, daß die Hauptfigur natürlich kein normaler Dirigent sein darf, sondern auf klischeehafte Weise zum Musiktitanen stilisiert wird, der mit höchstem Pathos die größten Klangkörper der Welt herumscheucht. Aber auch abseits dieses hohlen Genialitäts-Bombasts zeigt sich der Film inkompetent, was die sachgerechte Darstellung des Musikmachens angeht. Kein Dirigent würde sein Orchester anbrüllen: "The music you make is worthless, it's meaningless, it's a coward's music". Stets dasselbe unsachliche, esoterische Gerede von "seinen eigenen Ton finden" und "die Musik ist schon da, ihr müßt nur danach greifen". Man hätte sich ja ruhig mal informieren können, was in einer Chorprobe so läuft. Solche Sätze wie "Nein, nein! Das klingt nicht zusammen!" oder "Ihr hört nicht aufeinander!" sind doch einfach nur ein hilfloses Versagen des Drehbuchs gegenüber einem Thema, für das entweder nicht recherchiert wurde oder das absichtlich als Konglomerat kosmisch-mystischer Wahnvorstellungen dargestellt wird. Musikpraxis ist richtige Arbeit, kein gemeinsames Herumspinnen, und die große, bewegende Musik beruht fast immer auf harter, langwieriger und konzentrierter Tätigkeit. Das ignoriert dieser Film leider vollkommen, und das wäre gerade der Aspekt, in dem er originell und wertvoll hätte werden können. So wie der Film ist, wirkt er (wenn auch wohl unabsichtlich) gegenüber Profimusikern geradezu diskriminierend. Weiterhin fällt auf, daß Daniels Chor gegenüber dem Beginn eigentlich nicht viel weiter kommt, es werden immer nur einstimmig Kirchenlieder gesungen oder anarchisch herumgebrummt, damit jeder "seinen eigenen Ton" findet. Anders lediglich die gefühlstriefende Selbstverwirklichungshymne der geprügelten Frau (vom Chor bescheiden mit hm-hm-hm begleitet), für die es vom Gemahl nachher wieder mal ordentlich was auf die Zwölf gibt. Das hätte die Dame sich schon vorher denken können. Der Gipfel der Blödheit ist dann das, was bei dem Chorwettbewerb passiert. Da kann man sich wirklich nur noch an den Kopf fassen.
Man kann natürlich auch diese ganzen Albernheiten als märchenhafte Züge einordnen. Das wäre auch die einzige Möglichkeit, wie sich der Film retten könnte. Aber er hat noch einen weiteren ganz entscheidenden Nachteil, und zwar die grenzenlos scheinende Übertreibung in der Präsentation von sozialen Problemen und Emotionsausbrüchen. Im Fünfminuten-, später eher im Fünfsekundentakt kommen wem die Tränen aus den Augen oder der Geifer aus dem Mund, ständig hat wer einen Herz-, Asthma- oder sonstigen Anfall, da werden in unerträglicher Konzentration jahrzehntealte Konflikte eruptiv ausgetragen, so daß man am liebsten weglaufen möchte vor so viel Betroffenheitsschmalz. Dabei bleibt alles mit unabirrbarer Konsequenz den typischen Klischees der unheilen Dorfwelt verhaftet. Und das über zwei Stunden. Ich kann irgendwie verstehen, wie dieser Film so viele Leute und gerade Kritiker überzeugt, da gerade bei diesen die tränenselige Sozial-Sentimentalität immer wieder greift. Aber für jemanden wie mich ist das einfach zu durchsichtig und abgegriffen. Dieter Bohlens Bearbeitung von Rosamunde Pilcher in der Sozialpädagogen-Fassung.