Eine Kritik von Mr. Barlow (Bewertung des Films: 7/10) eingetragen am 10.03.2009, seitdem 186 Mal gelesen
Cycle Of The Werewolf war eine unübliche Geschichte von Stephen King. Erstens erschien sie nicht wie üblich als Roman oder Kurzgeschichte, sondern als 12-teilige Kalendergeschichte, an der King sich mal zur Abwechslung versuchte. Zweitens behandelt der weltberühmte Autor hier ein Thema, was man am ehsten der klassischen Horrorliteratur zuordnen kann: Werwölfe. King selbst bezeichnete sich nie als reiner Horrorautor, umso interessanter ist es dann mal, eine wirkliche Horrorgeschichte mit einem bekannten Monster vor Augen zu haben.
1985 wurde diese Geschichte erstmals veröffentlicht, und der damaligen gewaltigen Popularität des Schriftstellers zu verdanken, schrieb er noch im selben Jahr das Drehbuch für eine Verfilmung. Verpflichtet für die Regie wurde ein sehr unbekannter Regisseur namens Daniel Attias, der sich davor und danach auch nur ab und zu an einzelne Episoden bekannter Serien versucht hat. Kann daraus also ein guter, wenn nicht sogar sehr guter Streifen nach einer Vorlage Kings gedreht werden?
Die Antwort ist Ja und Nein. Man merkt Attias über weite Strecken des Films seine mangelnde Erfahrung an. Das wird zum Glück einigemale glatt gebügelt von schön schaurigen Horrorszenen, die zwar recht deftig sind, aber auch nicht unglaublich übertrieben. Allerdings krankt der Film dann doch etwas an Kings leicht holprigen Aufbau, denn die Entlarvung des Werwolfs stellt sich schon sehr früh ein und dann gibt es in dem Sinne nur noch recht wenige wirkliche Spannungsmomente. Aber das war schon in der Geschichte so.
Etwas arg ausgefallen ist dann aber die stellenweise recht grobe Unglaubwürdigkeit des Films. Und die besteht meistens in der Hauptfigur des Marty - ein Junge, der mit gelähmten Beinen im Rollstuhl sitzt. An sich nichts verkehrtes, aber dieser Junge hat ein Ungetüm von einem Rollstuhl, was leicht einem Moped nah kommt. Nun meine Frage: Kann ein Junge mit 150 Sachen den Highway langbrausen ohne Führerschein, und wird die Polizei da nicht aufmerksam? Aber auch der eigentliche Inhalt besitzt viele aufzählbare kleine bis große Löcher, die zum Teil wirklich ins Auge springen. Martys bester Freund lässt noch tagsüber einen Drachen fliegen, in der nächsten Szene ist er vom Werwolf getötet wurden. So, welcher Junge lässt bis es Vollmond wird einen Drachen steigen? Auch schön die Szene, in der die Bürger der Stadt Selbstjustiz starten wollen und deswegen erstmal blindlings in den Wald spazieren, ohne überhaupt konkret zu wissen, dass der vermeintliche Mörder da sein Unwesen treibt. Währendessen könnte der in der Stadt ein Gemetzel anrichten, weil ja alle Männer mit ihren Waffen im Wald Pilze suchen. Besonders toll agiert hier aber Martys geliebter Onkel Red, der seinen Neffen über alles liebt und ihm deswegen erstmal eben besagtes hypergefährliches Rollstuhl-Moped schenkt und ihm dann noch ein bisschen Feuerwerk gibt, damit der Junge nachts eine geile One-Man Party im Wald machen kann, obwohl dort bisher fast zehn Leute von einem mysteriösen Mörder umgebracht wurden. Wenn das keine Verantwortung ist, dann trink ich Rohreiniger.
Aber die Schauspieler holen schon einiges raus. Gary Busey, seines Zeichens Star vieler bekloppter Actionfilme, spielt den Onkel Red hier wirklich überzeugend und sympathisch, während Everett McGill als skrupelloser Reverend Lowe eine unglaublich intensive Darstellung bietet. Höchstens der kleine Marty strapaziert hier und da die Nerven, wenn er en Feuerwerk zündet und bei dessen farbenfrohem explodieren freudig in die Hände klatscht und mehrmals jubelt. Einige Nebendarsteller sind dann auch nicht gerade das gelbe vom Ei, einzig Terry O'Quinn als Sheriff Haller kann noch wirklich überzeugen.
Letzendlich sind es aber die zum Teil sehr einprägsamen Horrorszenen, die den Film doch wieder besonders machen. Besonders die Gestaltung der Werwölfe ist hier sehr zu loben. Einiges sieht für diese Zeit unglaublich echt aus, und die Verwandlung des Reverends in den Werwolf und umgekehrt gehört wohl zu den besten jener Zeit und kann auch heute noch voll und ganz überzeugen. Stephen King hat hier ein schauriges kleines Filmchen geschaffen, was wirklich einige sehr überzeugende Horrorszenen hat, aber den Standart darf man vom Meister des Horrors auch erwarten.
Fazit
Spannende Geschichte rund um einen Werwolf in einer Kleinstadt. Zwischendurch gibt es zwar mal teilweise sehr unglaubwürdige Szenen, aber besonders der Werwolf an sich ist dann wieder ein Genuss für den Horrorfan.